Seon

Polit. Gem. AG, Bez. Lenzburg, umfasst S. und seit 1899 Retterswil. 924 Sewa und Seaun. 1764 722 Einw.; 1850 1'512; 1900 1'873; 1950 2'653; 2000 4'815. Meso- und neolith. Siedlungsstellen, zwei hallstattzeitl. Grabhügel, Reste eines röm. Gebäudes und ein Gräberfeld aus dem 7. Jh. belegen eine frühe Besiedlung. Die niedere Gerichtsbarkeit gehörte zu zwei Dritteln den Habsburgern, der restl. Drittel gelangte 1311 von den Herren von Gösgen ans Stift Schönenwerd. Unter Bern bildete S. ein eigenes Gericht in der Landvogtei Lenzburg. Handelnd tritt die gepursami 1404 auf, ein Dorfbrief wurde 1479 geschrieben. Die 1275 erstmals erw. Kirche in S. war dem hl. Martin geweiht, wohl vor 1200 entstanden, und wurde um 1400 umgestaltet. Die Reformation wurde 1528 eingeführt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche 1708. Der Kirchensatz gehörte den Habsburgern, die ihn 1359/60 dem Stift Schönenwerd übergaben. Neben Ackerbau- und Viehwirtschaft trat ab dem 17. Jh. etwas Rebbau. Die ebenfalls schon im 17. Jh. nachweisbare Heimarbeit für Textilverleger erfuhr im 18. Jh. eine grosse Verbreitung. Im 19. Jh. siedelten sich versch. Fabriken am Aabach an; 1850 arbeitete ein Drittel der Beschäftigten in der Gem. im 2. Sektor, 1920 63% und 1960 gar 73%. Die Papier- und Putzfädenfabrik bestand 1834-1971, die Couvertfabrik 1952-94. Die letzte Textilfabrik stellte 1996 die Produktion ein. Verkehrsmässig profitierte S. von einer Strassenkorrektur 1845-52 und vom Bau der Seetalbahn, die 1883 den Betrieb aufnahm. Die Bezirksschule wurde 1860 eröffnet, die kath. Kirche 1966 erbaut. 1942-49 erfolgte eine Korrektion des Aabachs mit Melioration. Das Siedlungsgebiet erweiterte sich ab etwa 1950 durch den vermehrten Bau von Wohnungen und durch eine neue Industriezone nördlich des Dorfs. Politisch war 1929-85 die SP die stärkste Partei, ein Teil der Fabrikarbeiterschaft liess sich aber auch von der EVP und dem Schweiz. Verband evang. Arbeitnehmer vertreten.


Literatur
– G. Windfelder et al., S. - eine Dorfgesch., [1993]

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)