Schafisheim

Polit. Gem. AG, Bez. Lenzburg. Am unteren Ausgang des Seetals gelegen, umfasst die Gem. das Dorf S. sowie die Weiler Bettetal und Heuelmüli. 1261/64 Scafusa. 1764 577 Einw.; 1831 1'131; 1850 1068; 1900 868; 1950 1'383; 2000 2'518. Urnengräber der Hallstattzeit, röm. Gutshof. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Habsburgern und ab 1415 bei Bern. Aus einem Dinghof des Klosters Murbach entwickelte sich das Twinggericht, das bis 1482 die Herren von Baldegg innehatten, anschliessend bis 1671 ein Zweig der von Hallwyl, die 1521 ihre Befugnisse erweitern konnten. Sitz der Twingherren war das vermutlich im 15. Jh. erbaute Schloss S. Nach einigen Handwechseln gelangte die Herrschaft 1736 an die Brüder Samuel und Etienne Brutel. Kirchlich gehörte S. mit einer 1360 erstmals erwähnten rom. Filialkapelle zu Staufen. Anstelle dieser Kapelle wurde 1496-98 die Schlosskapelle St. Leodegar errichtet, die seit 1850 als Filialkirche dient. 1617 wurde ein Einzugsgeld eingeführt, 1623 das Dorfrecht niedergeschrieben. Der Steckhof Bettetal wurde 1751 in die Gem. eingegliedert. S. war von Landwirtschaft und wenig Rebbau dominiert, im 19. Jh. in Verbindung mit Heimarbeit. Die Brüder Brutel errichteten 1736 eine florierende Indiennedruckerei, die kurz vor 1800 einging. Im 19. und 20. Jh. arbeiteten viele Einwohner in auswärtigen Fabriken. Die Eröffnung der Autobahn A1 1967 führte zur Ansiedlung von Logistikzentren und Möbelhäusern sowie 1973 des kant. Strassenverkehrsamts. Entlang der Strasse Aarau-Lenzburg kamen weitere Wohn- und Gewerbegebiete hinzu. 2005 bot S. mehr als 1'900 Arbeitsplätze, davon ca. 73% im 3. Sektor. Das Neuhaus, ein weiterer Sitz der Fam. Brutel, beherbergte zu Beginn des 21. Jh. eine Rudolf-Steiner-Schule.


Literatur
Kdm AG 2, 1953, 174-182
– H. Muff et al., Chronik einer Dorfgem., 1991

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)