23/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Othmarsingen

Polit. Gem. AG, Bez. Lenzburg. Ehem. Strassendorf quer zum Unterlauf der Bünz. 1184/90 Otewizzingin. 1764 531 Einw.; 1850 1'134; 1900 903; 1950 1'173; 2000 2'117. Silexobjekte deuten auf eine mesolith. Station hin, im hallstattzeitl. Grabhügel haben sich Skelette erhalten. Die heutige Gem. ist aus O. und dem nordwestlich der Landstrasse gelegenen, 1504 zuletzt genannten Hüttwil zusammengewachsen. Im MA lag das Hochgericht bei Habsburg, ab 1415 bei Bern. Die niedere Gerichtsbarkeit gehörte bis 1484 versch. adligen Fam., nachher Bern. Das damals gebildete Gericht O. umfasste neben O. auch Ammerswil, Dintikon sowie ab 1539 Brunegg und unterstand einem Untervogt. Im Bauernkrieg von 1653 wurde O. stark in Mitleidenschaft gezogen. Dorfreglemente stammen von 1680 und 1734. Kirchlich gehörte der südl. Teil von O. zu Ammerswil, der nördliche zu Staufberg. 1528 liess Bern die Reformation durchführen. Eine Kapelle wird 1371 genannt bzw. 1421 das Marienpatrozinium, 1593 wurde sie verlegt. 1675 erfolgte der Neubau einer Kirche. 1873 bildete O. eine eigene Kirchgemeinde. Ab 1760 bestand in O. eine Baumwollfabrik, bis zum 1. Weltkrieg gab es Strohindustrie. 1594 wird ein Lehrer genannt, seit 1657 hat O. ein eigenes Schulhaus. O. verfügte stets über eine gute Verkehrsanbindung: 1770 erfolgte der Ausbau der Strasse Zürich-Bern, 1877 der Bau der Nationalbahn sowie 1882 derjenige der Eisenbahnlinie Brugg-Freiamt, 1975 entstand die Heitersberglinie. Die A1 folgte 1970. Trotz guter Verkehrslage fehlen grossflächige Verteilzentren, einzig der Armeemotorfahrzeugpark kam 1968 nach O. Zwei grosse Arbeitgeber sind die 1903 gegr. Bonbonfabrik Disch und die Grossschlachterei Marti. 2005 stellte der Dienstleistungssektor 69% der Arbeitsplätze in O.; der Rest der Verdienstmöglichkeiten entfiel, bis auf wenige Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, auf Industrie und Gewerbe.


Literatur
– O. Schlaginhaufen, Das hallstätt. Skelett von O. und der Hallstattmensch auf dem Boden der Schweiz, 1934
– G. Gloor, 300 Jahre Kirchenneubau O., 1977
– M. Byland, O., 2007

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)