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Hedlinger, Johann Carl

geboren 28.3.1691 Seewen (SZ), gestorben 14.3.1771 Schwyz, kath., von Schwyz. Sohn des Johann Baptist, Bergmannsdirektors, und der Anna Elisabetha Betschart, von Schwyz. ∞ Maria Schorno, von Schwyz. Um 1700-08 besuchte H. das Gymnasium in Bellinzona und unternahm erste Versuche in der Stechkunst. In den Münzstätten Sitten, Luzern und Pruntrut gravierte er 1709-16 Prägestempel. 1716-17 arbeitete er beim lothring. Hofmedailleur Ferdinand de Saint-Urbain in Nancy. 1717-18 besuchte er die Akad. in Paris und wirkte in der Königl. Münze. 1718 wurde er nach Stockholm berufen, wo er als Nachfolger des Hofmedailleurs Arvid Karlsteen im Dienst von Karl XII., Königin Ulrike Eleonore und Kg. Friedrich I. tätig war. 1726-27 unternahm er eine 18-monatige Kavaliersfahrt mit einem halbjährigem Aufenthalt in Rom. Dort verlieh ihm Papst Benedikt XIII. den Christusorden. In Rom schloss H. Freundschaft mit dem Sammler Philipp von Stosch. 1731 verfasste er die Denkschrift zur schwed. König-Suite (Medaillenfolge). Für Kg. Christian VI. von Dänemark schuf er ein Jahr später Medaillen. 1735-37 arbeitete er in Petersburg für die Kaiserin Anna. 1742-43 hielt er sich bei seinem Freund Leonhard Euler in Berlin auf. Trotz mehrfacher Stellenangebote des russ. und des sächs. Hofs blieb H. der schwed. Krone treu. 1745 wurde er zum königl.-schwed. Hofintendanten ernannt. Nach der Rückkehr in die Heimat liess er sich in Schwyz nieder, wo er bis an sein Lebensende erfolgreich tätig war. Er gestaltete u.a. ein Medaillon auf Friedrich den Grossen sowie eine bern. Verdienstmedaille. Sein Werk umfasst rund 300 Medaillen, Münzen, Wachsbossierungen, Siegel und Goldschmiedearbeiten. H. zählt zu den bedeutendsten europ. Medailleuren des 18. Jh., der durch seine meisterhaften Bildnisse und Bildinventionen überrascht. Dank seiner klass. Formanschauung (Lagom-Medaillen) wurde er zum Wegbereiter der klassizist. Medaillenkunst.


Archive
– SLM, Nachlass (Depositum der Gottfried-Keller-Stiftung)
Literatur
– P. Felder, Medailleur Johann Carl Hedlinger, 1691-1771, 1978
BLSK, 468 f.

Autorin/Autor: Peter Felder