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Holderbank (AG)

Polit. Gem. AG, Bez. Lenzburg. Strassendorf und in erhöhter Lage der ehem. Sennhof Kernenberg (heute Heilanstalt). 1259 in Halderwange (Kopie 14. Jh.), um 1273 de Halderwanch. 1764 155 Einw.; 1850 281; 1900 303; 1950 622; 2000 804. Einzelfunde aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit, röm. Gemäuer und Keramik, alemann. Gräber mit Beigaben. Den Fronhof des Klosters Murbach (Elsass) erwarben 1291 die Habsburger, die ihn umgehend ihren Dienstleuten auf Wildegg übertrugen; die Rechte des Hofs gingen im Niedergericht Wildegg auf. Die Pfarrkirche in H. (Patrozinium unbekannt) wird 1275 erstmals erwähnt. Sie diente den Twingherren zu Wildegg als Grabstätte; diese verfügten auch über das Kollaturrecht, das sie 1805 dem Kanton abtraten. Nach 1528 Reformation, 1565 wurde auch Möriken(-Wildegg) nach H. kirchgenössig. 1701-02 Bau der heutigen Kirche von Samuel Jenner. Als Gem. erscheint das kleine H., das nur wenige Feuerstätten zählte (10 1559, 11 1653), spät. Noch 1595-96 war umstritten, ob es als grundherrl. Hof oder als Gem. zu gelten habe. Die Einwohner lebten hauptsächlich von der Landwirtschaft, wobei die Aare häufig Land wegriss. Bis ins 19. Jh. wurde auch Rebbau betrieben (1764 rund 10 ha, um 1880 etwa 19). Im 18. und 19. Jh. bot die Textilverarbeitung zusätzliche Einkommensmöglichkeiten; 1835 bis ca. 1890 existierte eine Baumwolldruckerei. Seit 1858 führt eine Eisenbahnlinie durch H. (Haltestelle erst seit 1999). 1912 entstanden eine Kalkfabrik und die Aarg. Portlandcementfabrik (seit 2001 Holcim). 1933 wurde eine Tonwarenfabrik gegründet, die bis in die 1970er Jahre produzierte. 1950 arbeiteten drei Viertel der Erwerbstätigen im 2. Sektor, 2000 gut drei Viertel im 3. Sektor. Wohnungsbau seit 1920, verstärkt seit 1960, damit Entwicklung zur Wegpendlergemeinde.


Literatur
– A. Rohr, «Die vier Murbacherhöfe Lunkhofen, H., Rein und Elfingen», in Argovia 57, 1945, 1-219
– G. Boner, H., 1961

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)