No 12

Glutz, Karl Stephan (Ruchti)

getauft 5.1.1731 Solothurn, gestorben 23.6.1795 Solothurn, kath., von Solothurn. Sohn des Franz Stephan und der Maria Jacobea Wagner. ∞ 1760 Maria Klara Vesperleder, Tochter des Franz Philipp Joseph, Altrats, und der Maria Klara Vogelsang. G. war Leutnant im Regiment Waldner von Freundstein in Frankreich und Hauptmann im Regiment Buch in Spanien. 1752 Solothurner Grossrat, 1763 Altrat, 1764 Heimlicher, 1765 Seckelmeister. 1768 Gesandter bei den Neuenburger Unruhen und 1777 zur Allianzerneuerung mit Frankreich. 1769 Venner, 1772 Schultheiss. G. wandte sich im Conseiller-Honoraire-Handel 1763-64 gegen die herrschende franzosenfreundl. von Roll-Partei und bekämpfte prinzipiell den Solddienst, was ihm den Ruf revolutionärer Gesinnung einbrachte. Ihm war jedoch die innereidg. Einigkeit wichtiger als das Verhältnis zu Frankreich. G. war ein Musterbeispiel eines aufgeklärten Aristokraten: 1762 gehörte er zu den ersten Mitgliedern der Helvet. Gesellschaft (1767 Präs.) und war 1761 Gründungsmitglied der Ökonom. Gesellschaft Solothurn. Die von G. als Präs. der Ökonom. Gesellschaft geforderte Diskussion über die Verbesserung der Landschulen wurde vom Rat unterdrückt, was schliesslich zu seinem Rücktritt als Präs. und zu einem längeren Unterbruch der Gesellschaftstätigkeit führte. Sein Einsatz zusammen mit Franz Philipp Ignaz G.-Blotzheim für die Errichtung einer gesamtschweiz. Bildungsanstalt blieb ebenfalls erfolglos. G. war ein typ. Dilettant, was sich nach 1762 in dem Scheitern des Versuchs, eine Fayence-Fabrik zu gründen, äusserte. Er war der erste Solothurner Mundartdichter und galt als glänzender Redner. Trotz allen Reformgeistes schlug in der Praxis doch häufig sein aristokrat. Standesinteresse durch. 1777 Ritter des St. Michaelsordens.


Literatur
SolGesch. 3

Autorin/Autor: Urban Fink