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Kallnach

Politische Gemeinde BE, Amtsbezirk Aarberg, Verwaltungskreis Seeland, seit 2013 mit Niederried bei Kallnach. Strassendorf am Ostrand des Gr. Mooses zwischen Aarelauf und Hagneckkanal. 1231 apud Calnachon. 1764 455 Einw.; 1850 832; 1900 848; 1910 1520 (Bau des Kraftwerks); 1920 1287; 1950 1301; 1980 1127; 2000 1475. In K. wurden ein vermutlich bronzezeitl. Giessereidepot sowie Siedlungsspuren aus röm. Zeit (Bargenholz) entdeckt. Durch das heutige Gemeindegebiet führte die grosse röm. Mittellandachse (Oberfeld-Dorf-Gimmerz-Inguldsmoos) von Aventicum nach Augusta Raurica bzw. Vindonissa. Ein frühma. Gräberfeld mit teils kostbaren Beigaben lag im Bereich des Bergwegs. Die kyburg. Ministerialen von Oltigen (1231) und die Klöster Frauenkappelen, Frienisberg und Tedlingen hatten in K. Grundbesitz. Von den kyburg. Ministerialen von Schüpfen kam das Niedergericht in K. und Niederried erb- und stückweise an verwandte Fam. (1405 Herren von Buchsee, um 1500 von Ballmoos), von deren Erben Bern es 1521/22 ganz erwarb und seiner Landvogtei Aarberg unterstellte. Bis zur Reformation gehörte K. zur Pfarrei Kerzers; ab 1530 bildet es mit Niederried eine selbstständige Kirchgemeinde. Die spätgot. Kirche (Bau 1608, mehrfach verändert) entstand vermutlich über einer ma. Margarethenkapelle. Das Dorf K. "ufem berg" hat Anteil am einst periodisch überschwemmten Gr. Moos. Juragewässerkorrektion (1868-91) und Meliorationen (1933-36, 1964-71 zwischen K., Niederried und Bargen) brachten der Landwirtschaft (v.a. Rüben-, Getreide-, Kartoffelbau) grossen Aufschwung und Technisierung. Arbeitsplätze boten das mit Aarewasser betriebene Kraftwerk (1909-12, 1978-80 erweitert), die Industrie (Karbidfabrik bis 1946, Elektrotechn. Werke 1912-45, Maschinenfabrik-Eisengiesserei ab 1946, Apparatebau, Präzisionstechnik, Reise- und Transportunternehmen) und Kleingewerbe. Dank der Broyetal-Bahnlinie ab 1876 und der Strasse Lyss-Murten verfügte K. über eine gute Verkehrslage. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wurden die Neuquartiere Krähenberg (ab 1949), Rebe und Ammengasse (1970-80) angelegt.


Literatur
Gesamtmelioration K.-Niederried-Bargen 1962-79, 1980
K.,1991
– Z. Caviezel, Bauinventar der Gem. K., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler