Sisseln

Polit. Gem. AG, Bez. Laufenburg. Dorf an der Einmündung der Sissle in den Rhein, an der alten österr. Rheintalstrasse Bodensee-Burgund gelegen. 1327 Sisslen. 1803 233 Einw.; 1850 367; 1900 365; 1950 318; 1970 475; 2000 1'259. Östlich des Dorfs traten Fundamente eines röm. Magazinbaus aus der 2. Hälfte des 4. Jh. zu Tage. Der Bau war mit zwei halbrunden Türmen befestigt. S. war eine Ausbausiedlung von Eiken, zu dem das Dorf bis 1806 gehörte, und lässt sich urkundlich bis ins 16. Jh. zurückverfolgen. Eine Brücke über die Sissle wurde 1769-71 erbaut. Mit Eiken zählte S. bis 1797 zur österr. Herrschaft Laufenburg und gelangte 1803 mit dem Fricktal an den Kt. Aargau. Die Twingrechte hatte die Gem. Eiken wohl im 16. Jh. ausgekauft. Die Bewohner S.s waren im MA und in der frühen Neuzeit nach Frick kirchgenössig; seit 1797 gehört das Dorf zur Pfarrei Eiken und seit 1823 besitzt es die Kapelle St. Fridolin. Existenzgrundlage bildete bis ins 20. Jh. die Landwirtschaft, bis zum Bau der Rheinkraftwerke auch die Lachsfischerei. Obwohl S. nie zu einer der Rheingenossenschaften der Flösser und Schiffer gehörte, stellten die entsprechenden Gewerbe eine zusätzl. Einnahmequelle dar. Dazu kamen die Erwerbsmöglichkeiten im Transitverkehr. Ab 1570 wurde das bisher nur mässig fruchtbare Sisslerfeld durch Melioration und geregelte Bewässerung ertragreicher gemacht. Mitte des 19. Jh. wanderten aus S. zahlreiche Bewohner aus, nachdem in den 1840er Jahren mehrere Missernten eine Subsistenzkrise verursacht hatten. Der Adlerwirt Joseph Rufli betrieb während Jahren eine wichtige Auswanderungsagentur. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz - der Bahnhof an der linksrhein. Linie Koblenz-Stein (AG) besteht seit 1892 - sank zudem die Bedeutung der Flussschifffahrt und der Flösserei. Erst in den 1960er Jahren erfolgte durch die Ansiedlung der chem. Industrie (u.a. ab 1965 die Roche) auf dem Sisslerfeld ein sprunghafter Anstieg der Einwohnerzahl. Das Dorf entwickelte sich im letzten Drittel des 20. Jh. zu einem Industrie- und Wohnort.


Literatur
Chronik Kt. Aargau 5, 1969, 267
– M. Hartmann, Die Römer im Aargau, 1985, 200 f.
Die Aargauer Gem., 1990, 272 f.
– T. Maissen, 25 Jahre Roche AG, S., 1990

Autorin/Autor: Dominik Sauerländer