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Konservatismus

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K. oder auch Konservativismus, abgeleitet von lat. conservare, ist ein Sammelbegriff für geistige und polit. Bewegungen, welche die Bewahrung bestehender oder die Wiederherstellung früherer gesellschaftl. Ordnungen zum Ziel haben, wobei diese auf eine natürliche oder transzendentale Begründung zurückgeführt werden. Der Konservative steht sozialen Veränderungen und abstrakten Theoremen eher skeptisch gegenüber.

Ausgehend vom Widerstand gegen Aufklärung und Französische Revolution verstand sich der schweiz. K. anfänglich als Gegenbewegung zu Liberalismus und Radikalismus und nahm in den Einigungs-, Verfassungs- und Kirchenkonflikten der 1830er und 40er Jahre ideologische und organisatorische Gestalt an. In dieser Zeit fand der Begriff konservativ auch als Bezeichnung für parteiähnl. Vereinigungen Eingang in die polit. Sprache der Schweiz. In der Bundesversammlung gab sich die kath. Rechte 1882 offiziell den Namen Katholisch-Konservative (KK); die Bezeichnung konservativ verschwand erst 1971 mit der Umbenennung in Christlichdemokratische Volkspartei (CVP).

Im Unterschied zu Liberalismus und Sozialismus stellt der polit. K. mehr eine Haltung in einer spezifischen hist. Situation denn eine geschlossene polit. Philosophie dar. Betrachtet man die Auseinandersetzungen um die Moderne als zentral, bietet der K. für jene Teile der Gesellschaft eine Ideologie, die von der Modernisierung zurückgesetzt oder übergangen wurden. Sein Verhältnis zur modernen Welt blieb ambivalent. Um die Moderne zu bekämpfen, bediente sich der K. auch moderner Instrumente wie der Vereine, Parteien und Medien.

Im Verlaufe des 19. und 20. Jh. drehte sich die konservative Gesellschaftskritik häufig um Themen wie die Funktion von Religion und Kirche in der Gesellschaft, um Familie, Schule und Erziehung und um die Identität von Nation und Volk. Jahrzehntelang bildete der Föderalismus einen Schlüsselbegriff im polit. Programm des schweiz. K.; er drückte das konservative Misstrauen vor der Macht des Bundesstaates aus. Sozialpolitisch vertrat der kath. K. ab dem späten 19. Jh. das Programm eines dritten Wegs zwischen dem "individualistischen" Liberalismus und dem "kollektivistischen" Sozialismus, das bis zum 2. Weltkrieg ständestaatl.-korporativist. Elemente enthielt (Korporativismus). Soziologisch gesehen hatte der K. bei Wahlen und Abstimmungen bis nach dem 2. Weltkrieg seine Hauptstützen in Kleinstädten und ländl. Gebieten. Rückhalt boten christlich geprägte Volkskreise. Sieht man von städt. Patriziern ab, waren es v.a. die ländl.-kleinstädt. Oberschichten beider Konfessionen, Bauernführer, Pfarrer, Rechtsanwälte und Journalisten, die den Kern der konservativen Eliten stellten. Die Instrumentalisierung der direktdemokrat. Referenden verlieh der konservativen Opposition gegen die "polit. Klasse" zeitweise populist. Züge.

Es ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen utopisch-restaurativen und realistisch-evolutionären Konservativen. Erstere orientierten sich an der Utopie der vorrevolutionären ständ. Gesellschaft. Die gemässigten Konservativen hingegen nahmen liberale Grundsätze auf und forderten wirtschaftl., soziale und bildungspolit. Reformen. Betrachtet man den K. in erster Linie als Reaktion gegen die Moderne, kann man in der Schweiz seit etwa 1800 fünf Perioden unterscheiden: erstens die Periode des antirevolutionären K. (1798-1830), zweitens des restaurativen K. (1830er und 40er Jahre), drittens des klassischen K. (1848-91), viertens des bürgerlichen. K. (1891-1960) und schliesslich fünftens des Nationalkonservatismus (seit Mitte der 1960er Jahre).

Autorin/Autor: Urs Altermatt

1 - Der antirevolutionäre Konservatismus (1798-1830)

Die Konservativen der 1. Hälfte des 19. Jh. vertraten eine meist religiös bzw. konfessionell fundierte polit. und kulturelle Grundhaltung, die gegen Aufklärung und Helvetische Republik gerichtet war und dem Modernisierungs- und Säkularisierungsprozess ablehnend gegenüberstand. Die antirevolutionären Konservativen suchten eine partielle Wiederherstellung der vorrevolutionären Verhältnisse und profilierten sich v.a. auf drei polit. Konfliktfeldern: Erstens bekämpften sie die Vereinheitlichung der souveränen Kantonalstaaten zu einem zentralist. Staat, zweitens wandten sie sich gegen die Umwandlung der Kantone und der Schweiz in moderne liberale Verfassungsstaaten, und drittens wehrten sie sich gegen die Beschneidung der Privilegien der Kirche in einem säkularisierten Staat (Kirche und Staat).

Der schweiz. K. war Teil einer europ. Geistesbewegung, die sich u.a. in der Kunst (Romantik) und im religiösen Leben niederschlug. Der Einfluss konservativer Intellektueller wie etwa von Jeremias Gotthelf, Johann Caspar Bluntschli oder Antoine-Elisée Cherbuliez auf die prakt. Politik blieb jedoch bescheiden; Karl Ludwig von Hallers "Restauration der Staatswissenschaft" erlangte europ. Bedeutung und gab der Epoche den Namen.

Der konservative Widerstand gegen die Helvetik erwuchs aus der Ablehnung der neuen Herrschaftsstrukturen und als Verteidigung lokaler bzw. kirchl. Autonomie oder ständ. Privilegien. Mediation und Restauration verhalfen den vorrevolutionär-aristokratischen und den neuen besitzbürgerl. Eliten zur Macht und stellten Teile der alten Ordnung wieder her, ohne dass alle Reformen rückgängig gemacht worden wären. Die Auseinandersetzung zwischen Anhängern der Moderne und solchen der Tradition setzte sich innerhalb der Kirchen fort (Ultramontanismus, Erweckungsbewegungen). Im schweiz. Protestantismus führte die Propagierung einer neuen Religiosität gegen die rationale Theologie teilweise zur Trennung von der Landeskirche und zur Gründung von Freikirchen (Evangelische Freikirchen). Die kath. Konservativen setzten sich für eine geschlossene, auf Volksfrömmigkeit und Papsttreue aufbauende Kirche und Gesellschaft ein.

Autorin/Autor: Martin Pfister

2 - Der restaurative Konservatismus (1830-1848)

Die Verfassungskonflikte 1830-48 legten die Grundlage für das schweiz. Zeitungs-, Parteien- und Vereinswesen; den liberalen standen nun konservative Vereine gegenüber. Die liberalen Verfassungsrevisionen waren Ausgangspunkt für die Ausdifferenzierung der Konservativen. In den Regenerationskantonen verloren die privilegierten Herren und Magistraten die Macht an die Liberalen. Gleichzeitig etablierten sich in verschiedenen, auch in den nicht regenerierten Kantonen neue konservative Eliten. In einzelnen Kantonen entstanden - etwa als Reaktion auf die liberalen Badener Artikel (1834) - kath. und ref. konservative Volksbewegungen, die sich für eine Bewahrung der zentralen Stellung der Kirche einsetzten. Ab Ende der 1830er Jahre luden sich die polit. Spannungen religiös auf (1839 Straussenhandel im Kt. Zürich, 1847 Zeller-Handel im Kt. Bern). Damit übernahmen Konservative die vom Radikalismus erprobten Formen des Volksaufstands und deren Kompromisslosigkeit zur Verteidigung der Kirchen und ihrer Weltanschauung.

Der Konflikt zwischen Konservativen und Radikalen erhielt mit dem Aargauer Klosterstreit (1841) und den Freischarenzügen (1844-45) auf der einen und der Berufung der Jesuiten (1844) auf der anderen Seite eine konfessionelle Dimension. Die gemässigten, föderalist. Katholisch-Konservativen beharrten v.a. auf der Gemeinde- und Kantonsautonomie sowie der Erhaltung der 1815 im Bundesvertrag garantierten Rechte der Kirche und setzten auf Vermittlung. Dagegen verfolgten die restaurativen Konservativen, etwa Konstantin Siegwart-Müller, die Utopie einer durch die Volksfrömmigkeit zusammengehaltenen, geschlossenen kath.-konservativen Schweiz neben einer verkleinerten ref. Schweiz und waren mit der Jesuitenberufung zur Provokation und damit zur Eskalation bereit. In Jesuitentum und Klerikalismus, gegen die sich gerade auch die radikalen Katholiken wandten, verfügte der Radikalismus über ein wirksames integratives Feindbild in der Auseinandersetzung mit den kath. Konservativen. Dies führte im Vorfeld des Sonderbunds von 1847 einerseits die kath. Konservativen zusammen und verhinderte andererseits ein Zusammengehen der kath. und ref. Konservativen. Verschiedene ref. Konservative wie der Befehlshaber der Bundestruppen, General Guillaume-Henri Dufour, stellten sich 1847 auf die Seite der späteren Sieger oder blieben wie die Regierungen der Kt. Neuenburg und Basel-Stadt neutral. Durch die konfessionelle Spaltung der Konservativen gewannen die vorerst noch geschlossen auftretenden Liberalen und Radikalen die Oberhand.

Autorin/Autor: Martin Pfister

3 - Der klassische Konservatismus (1848-1891)

Die militär.-polit. Niederlage des Sonderbunds hatte zur Folge, dass der neue Bundesstaat von den Radikalen und Liberalen dominiert wurde. Während die Altkonservativen unter Führung des Luzerner Regierungs- und Nationalrates Philipp Anton von Segesser und des Schwyzer Regierungs- und Ständerates Nazar Reding ihre Tätigkeit auf die Wiedererrichtung der polit. Herrschaft in den kath.-konservativen Stammlanden (Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Freiburg und Wallis) ausrichteten, strebte die sog. Junge Schule des Studentenvereins (Schweizerischer Studentenverein) über erneuerte Vereins- und Parteiorganisationen die Integration in den Bundesstaat an. Mittelpunkt dieser fortschrittl. Richtung war in der Frühzeit des Bundesstaates der St. Galler Publizist Josef Gmür mit der "Schwyzer Zeitung".

Als Vaterlandsfeinde verfemt, blieben die Katholisch-Konservativen in der Anfangszeit von den Ämtern im Bundesstaat ausgeschlossen. Der 1850 gegr. Schweizer Verein bildete unter der Leitung des ref. Berners Alexander von Tavel bis 1860 einen Treffpunkt für Konservative beider Konfessionen. Die Katholisch-Konservativen eroberten 1856 in Freiburg und 1871 in Luzern die Regierungsmehrheit zurück und bauten die Stammlandkantone zu Refugien aus. Während der 1850er Jahre bestand im Bundesparlament auch eine überkonfessionelle konservative Fraktion mit dem Berner Eduard Blösch und dem Luzerner Philipp Anton von Segesser als Führer. Eine kath.-konservative Fraktion bildete sich 1857 unter dem St. Galler Nationalrat Johann Jakob Müller.

In den 1860er und zu Beginn der 70er Jahre organisierten sich die Konservativen unter dem Banner des Föderalismus und verhinderten 1872 in einer Koalition mit den Föderalisten aus der franz. Schweiz die vom Freisinn getragene Bundesrevision. Bei der zweiten Verfassungsabstimmung von 1874 gelang es dem Freisinn, die Katholisch-Konservativen mit kulturkämpferischen Mitteln zu isolieren und die Westschweizer Föderalisten für die Verfassungsrevision zu gewinnen. Doch mit dem neuen Volksrecht des fakultativen Referendums erhielten die Konservativen ein Instrument in die Hand, um in wechselnden Koalitionen von 1875 bis 1885 die radikal-liberale Bundesregierung in die Defensive zu drängen. Die Fraktion, die Zeitungen und zahlreiche kath. Vereine, z.B. der einflussreiche Piusverein, führten auf kath. Seite die Abstimmungskämpfe. Auf ref. Seite mobilisierten der 1875 gegr. Eidgenössische Verein und im Kt. Bern die Volkspartei Ulrich Dürrenmatts die Oppositionsbewegung. Zeitweilig nahm die Allianz den Charakter einer populist. Oppositionsbewegung gegen das freisinnige "Bundessystem" an. Höhepunkt war das siegreiche Referendum gegen den "Schulvogt" 1882. Der konservativen Oppositionsbewegung gelang es jedoch trotz Verankerung in allen vier Sprachregionen nicht, die Abstimmungsallianzen in eine organisierte Partei überzuführen, denn die Unterschiede der konfessionellen Identitäten spielten innerhalb der konservativen Bewegung eine grössere Rolle als im laizist. Freisinn.

In der 2. Hälfte des 19. Jh. standen sich im kath. K. ein föderalist. und ein ultramontaner Kreis gegenüber, wobei die föderalist. Richtung in den Stammlanden der Innerschweiz, die konfessionalist.-ultramontane Richtung in der franz. Schweiz, insbesondere in Freiburg, ihren Schwerpunkt hatte. Zentrale intellektuelle Vordenker der Ultramontanen stellten der Chorherr Joseph Schorderet, Gründer des kath. Pressewerks in Freiburg, und Theodor Scherer-Boccard dar, Mitbegründer und erster Präs. des Piusvereins,dar. Auch im Tessin fanden sich die gleichen Differenzen zwischen einer ultramontanen und einer liberaleren Richtung. Ab dem frühen 19. Jh. beherrschte der polit. Gegensatz zwischen dem Liberalismus, der seine Hauptstütze im Bildungsbürgertum der Kleinstädte hatte, und dem K., der auf dem Land und in den Tälern verwurzelt war und in der kath. Kirche einen wichtigen Bündnispartner hatte, die Tessiner Politik. 1877 übernahmen die Tessiner Katholisch-Konservativen erstmals für kurze Zeit die Regierungsgeschäfte der Südschweiz.

Autorin/Autor: Urs Altermatt

4 - Bürgerlicher Konservatismus (1891-1960)

Der bürgerl. K. war durch die fortschreitende Integration in den vom Freisinn beherrschten Bundesstaat und in die bürgerl. Gesellschaft gekennzeichnet. Mit dem Luzerner Nationalrat Josef Zemp trat 1891 erstmals ein Katholisch-Konservativer in die Landesregierung ein. Um die gleiche Zeit begann der Aufstieg der Sozialdemokraten, gegen die sich die beiden bisherigen Gegner, die Freisinnigen und die Konservativen, im Zeichen des Klassenkampfes zu einer Regierungskoalition zusammenschlossen. Dies hatte Rückwirkungen auf den polit. K., der in seiner alten Form auseinanderbrach.

In der ref. Schweiz blieben konservative Intellektuelle wie der Basler Historiker Jacob Burckhardt prominente Einzelpersönlichkeiten. Parteipolitisch schlossen sich die ref. Konservativen mehrheitlich dem Freisinn an. Nach dem 1. Weltkrieg ging im Kt. Bern ein Teil der Konservativen zur neu gegr. Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) über, die neben wirtschaftspolit. Zielsetzungen auch allgemein konservative Ziele vertrat. Der kath. K. hatte sich im Zuge des Kulturkampfes weiter konfessionalisiert. In den 1920er und 30er Jahren verstärkten Antisozialismus und Antikommunismus die polit. Stellung der Katholisch-Konservativen, die nach dem Landesstreik von 1918 und den Proporzwahlen von 1919 mit zwei Bundesratssitzen zum Juniorpartner in der freisinnig dominierten Landesregierung aufgestiegen waren. Innerparteilich stiess der gouvernementale Mehrheitskurs auf den Widerstand einer rechtskath.-integralist. Oppositionsgruppe um den Bündner Nationalrat Caspar Decurtins, den Freiburger Theologen Josef Beck, den Oltner Verleger Otto Walter und den Basler Pfarrer Robert Mäder.

Im ausgehenden 19. und in der 1. Hälfte des 20. Jh. gewann die kath. Soziallehre durch ihre Kapitalismuskritik an Bedeutung und manifestierte sich unter dem Einfluss der päpstl. Enzykliken "Rerum Novarum" (1891) und "Quadragesimo Anno" (1931) in den korporativist. Ideen eines dritten Wegs. Ab den späten 1920er Jahren vertraten vorab die Jungkonservativen um Paul Kubick und Hermann Cavelti ständestaatl.-autoritäre Ideen. In der Zwischenkriegszeit verfolgten am Rande des kath. Milieus auch der Freiburger Publizist Gonzague de Reynold und die Bewegung Das Aufgebot um Jacob Lorenz rechtskonservatives Ideengut (Frontenbewegung). 1929 wurde Rudolf Minger als erster Vertreter der BGB in den Bundesrat gewählt. Praktisch gleichzeitig entstand die Jungbauern- bzw. Bauernheimatbewegung, welche unter Hans Müller eine staatssozialist. Richtung einschlug und sich 1935 von der BGB abspaltete. Nach der im gleichen Jahr erfolgten Niederlage in der Volksabstimmung über die Verfassungsrevision wandte sich die grosse Mehrheit der kath.-konservativen Politiker unter der Leitung des Luzerner Nationalrats und Fraktionschefs Heinrich Walther mit der publizist. Hilfe Karl Wicks, Redaktors des "Vaterlands", von den utop. Ideen eines rückwärtsgewandten Antimodernismus ab. Während der 2. Hälfte der 1930er Jahre und des 2. Weltkriegs nahm der polit. K. in der Geistigen Landesverteidigung eine Schlüsselstellung ein, wobei der Zuger kath.-konservative Bundesrat Philipp Etter eine führende Rolle spielte.

Nach dem 2. Weltkrieg gab der Aufschwung der europ. Christlichdemokraten den konservativen Kräften um Parteisekretär Martin Rosenberg Auftrieb. Die BGB verfolgte bis zu ihrer Umbenennung von 1971 in Schweizerische Volkspartei (SVP) vorab bäuerl.-mittelständ. Interessen. 1971 nannte sich die kath. geprägte Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei in CVP um, womit sie unter dem Eindruck des Zeitgeistes Distanz zum polit. K. markierte.

Autorin/Autor: Urs Altermatt

5 - Nationalkonservatismus (seit Mitte der 1960er Jahre)

Verstärkt durch die Modernisierungskrisen der Nachkriegsgesellschaft förderten Proporz- und Konkordanzpolitik (Zauberformel 1959) ab den 1960er Jahren den Aufstieg rechtspopulist. Oppositionsbewegungen (Rechtsradikalismus). 1967 wurde der Zürcher Publizist James Schwarzenbach als erster Vertreter der Nationalen Aktion in den Nationalrat gewählt (Schweizer Demokraten). 1971 eroberten die nationalist. Rechtsparteien unter dem Schlagwort der Überfremdung bei den Nationalratswahlen 7,5% der Stimmen. 1979 wurde die rechtsbürgerl. Zeitung "Schweizerzeit" gegründet. 1986 entwickelte sich aus dem Schweiz. Aktionskomitee gegen den UNO-Beitritt die der SVP nahestehende Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns).

In den 1990er Jahren bewegte sich die SVP unter der Führung des Zürcher Flügels mit Nationalrat Christoph Blocher an der Spitze nach rechts und sog in den eidg. Wahlen von 1999 die kleinen nationalist. Rechtsaussen-Parteien weitgehend auf. Die weltpolit. Veränderungen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, die Beschleunigung der europ. Integrationsbewegung und die weltweiten Migrationsströme gaben in der Schweiz wie in anderen europ. Ländern einer nationalkonservativen Opposition Auftrieb. Unter der Führung der SVP entstanden in dem rechten polit. Spektrum Bewegungen, die rückwärtsgewandte Gesellschaftsbilder vertreten, Aversionen gegen die "polit. Klasse" schüren und die Mitwirkung der Schweiz in internat. Organisationen wie der UNO und der EU bekämpfen. Der nationalkonservativen Bewegung, in der vermehrt auch intellektuelle Exponenten der Neuen Rechten auftreten, gelang es, die innenpolit. Auseinandersetzung auf Themen wie die Frage der Identität und Neutralität der Schweiz und die aussenpolit. Öffnung sowie den Kampf gegen die Immigration und die sog. "Überfremdung" zu konzentrieren.

Autorin/Autor: Urs Altermatt

Quellen und Literatur

Literatur
– B. Junker, Die Bauern auf dem Wege zur Politik, 1968
– U. Altermatt, Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto, 1972 (31995)
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– E. Gruner, Die Parteien in der Schweiz, 21977
– U. Altermatt, «Conservatism in Switzerland: A Study in Antimodernism», in Journal of Contemporary History 14, 1979, 581-610
HbSG, 871-986
– U. Altermatt, Katholizismus und Moderne, 1989 (21991)
– H.U. Jost, Die reaktionäre Avantgarde, 1992
– L. Rölli-Alkemper, Die Schweiz. Konservative Volkspartei 1935-1943, 1993
– U. Altermatt et al., Rechte und linke Fundamentalopposition, 1994
– M. Hodel, Die Schweiz. Konservative Volkspartei 1918-1929, 1994
– A. Mattioli, Zwischen Demokratie und totalitärer Diktatur, 1994
Intellektuelle von rechts, hg. von A. Mattioli, 1995
Rechtsextremismus in der Schweiz, hg. von U. Altermatt, H. Kriesi, 1995
Im Zeichen der Revolution, hg. von T. Hildbrand, A. Tanner, 1997
– B. Wigger, Die Schweiz. Konservative Volkspartei 1903-1918, 1997
Revolution und Innovation, hg. von A. Ernst et al., 1998
Widerstand und Proteste z.Z. der Helvetik, hg. von C. Simon, 1998
– P. Niggli, J. Frischknecht, Rechte Seilschaften, 1998
– U. Altermatt, D. Skenderovic, «Die rechtsextreme Landschaft in der Schweiz», in Österr. Zs.f. Politikwissenschaft 28, 1999, 101-109
– R. Roggen, "Restauration", 1999
– C. Longchamp, «Die nationalkonservative Revolte in der Gestalt der SVP», in Das österr. Wahlverhalten, hg. von F. Plasser et al., 2000, 393-423
– F. Metzger, Die "Schildwache", 2000
– H. Kitschelt, A. McGann, «Die Dynamik der schweiz. Neuen Rechten in komparativer Perspektive», in Schweizer Wahlen 1999, hg. von P. Sciarini et al., 2003, 183-216