Schweizerischer Vaterländischer Verband

Der 1919-48 bestehende Schweizerische Vaterländ. Verband (SVV) war ein privater rechtsbürgerl. Verein, der sich als demokrat. Organisation zur Verteidigung der bestehenden Ordnung gegen "sozialist. Umsturz-Versuche" bzw. zur "Rückenstärkung der Behörden" verstand. Als wohl typischster Vertreter der "1918er Rechten" widersetzte er sich allen Versuchen, die 1918 entstandenen Gegensätze abzubauen.

Die Gründung 1919 erfolgte als Zusammenschluss der im Landesstreik entstandenen Bürgerwehren. Der Anstoss dazu kam v.a. aus den Reihen des Schweizer Alpen-Clubs bzw. aus den Kt. Aargau (Eugen Bircher) und Genf. Die Sektionsmitglieder rekrutierten sich u.a. aus den vaterländ. Vereinen der dt. und franz. Schweiz. 1920/21 verlagerte der SVV den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Abwehr von Streiks in als lebensnotwendig erachteten Betrieben, dabei arbeitete der Verband u.a. mit den SBB und dem EMD zusammen. Ferner unterhielt der SVV einen Presse- und Nachrichtendienst. Der welsche Sekretär Théodore Aubert gründete 1924 einen eigenen Nachrichtendienst, die Ligue Aubert (oder Entente internationale anticommuniste), die mit dem SVV personell verflochten blieb. Zusammen mit militär. Vereinen baute der SVV 1931 die Schweiz. Wehrvereinigung zur Bekämpfung des Antimilitarismus auf. Eine Nachrichtendienstaffäre (Polizeibeamtenbestechung durch Verbandsleitung) brachte 1948 das Ende der Tätigkeit des SVV.

Der SVV koordinierte die bürgerl. Kräfte bei Abstimmungen und Wahlen und versuchte die Wahl von Sozialdemokraten in wichtige Ämter zu verhindern. Er vertrat eine restriktive Ausländer- und Asylpolitik. In den 1920er Jahren unterhielt der SVV z.T. enge Kontakte mit ausländ. Schwesterorganisationen. Von offen rechtsradikalen Strömungen im Ausland distanzierte sich der SVV nicht grundsätzlich, hielt aber 1923 "ein faszistisches Faustrecht in der Schweiz vorläufig" nicht für nötig. Das Verhältnis zu den versch. Gruppen der "1933er Rechten" sowie zum ausländ. Rechtsradikalismus der 1930er und 40er Jahre bedarf noch einer zusätzl. Forschungsanstrengung.


Literatur
GeschAG 3
– H.U. Jost, Die reaktionäre Avantgarde, 1992
– D. Zimmermann, Helfen Sie uns getarnt! Die Zusammenarbeit des S. mit dem Eidg. Justiz- und Polizeidep. von 1930 bis 1948, Liz. Zürich, 2009
– A. Thürer, Der S. 1919-1930/31, 2010

Autorin/Autor: Andreas Thürer