Rassemblement jurassien

Das Mouvement séparatiste jurassien (MSJ, ab 1951 R.) wurde am 30.11.1947, kurz nach der Moeckli-Affäre, u.a. von Roland Béguelin, Roger Schaffter und Daniel Charpilloz gegründet und kämpfte für die Abspaltung des Jura vom Kt. Bern. Ab 1948 erschien das Propagandajournal "Le Jura libre", dessen Chefredaktor Béguelin ab Sommer 1950 war. Das am 21.8.1949 definitiv konstitutierte MSJ organisierte Konferenzen, Kaderkurse und Veranstaltungen, u.a. eine Journée patriotique (ab 1951 Fête du peuple jurassien). Mit der Umbenennung zu R. stellte sich die Bewegung über die Partisanenpolitik und die konfessionellen Unterschiede und setzte sich fortan für einen neuen Kanton im Geist des schweiz. Föderalismus ein. 1957 lancierte es eine kant. Gesetzesinitiative für eine Volksabstimmung in den sieben jurass. Bezirken. Die Ablehnung des Begehrens 1959 durch die jurass. und bern. Stimmbürger bremste die Bewegung. Mit seiner ethnolinguist. Strategie belebte Béguelin das R. erneut und versuchte, polit. Zwänge zu schaffen, indem er den Konflikt internationalisierte. Das R. kontrollierte das soziale Leben im Jura durch eine Vielzahl von Nebenorganisationen, darunter die Jurassiens de l'extérieur (1962), die militante Jugendorganisation Béliers und die Association féminine pour la défense du Jura (beide 1963) oder das Mouvement universitaire jurassien (1964). Diese Mobilisierung gab dem Separatismus einen rebell. Ton, getragen von einer aufstrebenden Generation mit pazifist., antimilitarist. und sozialen Werten. Nachdem das R. den Bund dazu gedrängt hatte, vermittelnd einzugreifen, sagte es seine Teilnahme an den Abstimmungen zur Selbstbestimmung zu, obwohl es deren Modalitäten in Frage stellte. Das R. konnte zwar das Ja zum neuen Kanton am 23.6.1974 für sich reklamieren, konnte aber die Spaltung des Jura nicht verhindern. Es machte bei den neuen Institutionen seinen Einfluss geltend und strebte gemeinsam mit den Separatisten des Berner Jura die Wiedervereinigung an. Letztere gruppierten sich 1976 in der Unité jurassienne, die sich 1994 mit dem R. zum Mouvement autonomiste jurassien (MAJ) vereinigte. Trotz zunehmendem Alter seiner Aktivisten und sinkendem Einfluss konnte das MAJ noch zu Beginn des 21. Jh. politisch Druck ausüben.


Literatur
– C. Hauser, L'aventure du Jura, 2004
– A. Pichard, La question jurassienne, 2004

Autorin/Autor: Claude Hauser / CN