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Progressive Organisationen (POCH)

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Die P. gehen zurück auf die im Wintersemester 1967/68 an der Univ. Basel entstandene Progressive Studentenschaft, die 1970 mit anderen Organisationen die P. Basel (POB) bildeten. Weitere Gründungen in Zürich, Solothurn und St. Gallen ermöglichten 1971 die überregionalen P. der Schweiz (POCH). Diese fassten bis Mitte der 1970er Jahre auch in Bern, Schaffhausen, Basel-Landschaft und Luzern Fuss, später noch im Fricktal. Eine Expansion in die Westschweiz scheiterte. Aktivisten der P. schufen versch. parteinahe Gruppierungen, die sich wie z.B. die Organisation für die Sache der Frau (Ofra) z.T. verselbstständigten. Die P. verstanden sich zunächst als autonome Aufbauorganisation, später als Partei im Rahmen der Kommunist. Weltbewegung. Mit dem Programm "Für eine demokrat. Erneuerung" (1978) und der Streichung des Marxismus-Leninismus aus den Statuten (1983) setzte sich eine Helvetisierung und Pluralisierung durch. In der Folge gerieten die P. zunehmend in den Sog der neuen Sozialen Bewegungen, was zur ideolog. Desorientierung und zum Zerfall führte. Als erste löste sich 1987 die Sektion Luzern, als letzte 1993 die Sektion Basel auf. Aktivisten wechselten v.a. zu den Grünen, aber auch zur SP. Die P. waren 1979-91 im Nationalrat und 1971-97 in acht kant. Parlamenten vertreten. Sie reichten - z.T. mit anderen Organisationen - beim Bund fünf und in neun Kantonen 61 Volksinitiativen ein, vorab zur Sozial- und Umweltpolitik.

Resultate der POCH bei Nationalratswahlen
JahrSitzeWähleranteil
197100,1%
197501,0%
197921,7%
198332,2%
198731,3%
199100,2%

Quellen:BFS


Archive
– Sozarch
– StABS
– StALU
Literatur
– R. Blum, «Wandel und Konstanten bei den P. (POCH) 1971-1986», in Schweiz. Jb. für polit. Wissenschaften 26, 1986, 119-150
– O. Wyss, "Das schönste Rot ist grün!", Liz. Bern, 2004

Autorin/Autor: Bernard Degen