20/02/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Grossaffoltern

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Aarberg, am Westrand des Rapperswiler Plateaus und im Lyssbachtal gelegen. Die Gem. besteht aus sieben Dörfern (alles ehem. Ortsgemeinden), nämlich dem administrativen und kirchl. Zentrum G., Ammerzwil, Vorimholz, Wingarte, Suberg, Kosthofen und Ottiswil sowie mehreren Einzelhöfen und Hofgruppen. 1216 Affoltron; im 19. Jh. bürgerte sich sukzessive der heutige Name ein. 1764 785 Einw.; 1850 1'722; 1870 1'594; 1900 1'818; 1950 2'007; 2000 2'800.

Neolith. Zeugnisse wurden im Vorimholz-Einschlag, ein frühbronzezeitl. Randäxtedepot in der Munimatte und bronzezeitl. Einzelfunde bei Kosthofen entdeckt. Besonders zahlreich sind die hallstätt. Grabhügel; die Nekropolen in den Waldgebieten Äscherten, Rumi, Kaltenbrünnen-Einschlag, bei Vorimholz- und Gerbe-Einschlag umfassen gesamthaft 38 Tumuli. Röm. Siedlungsspuren fanden sich in Kaltenbrünnen und evtl. im Sternenriedwald, frühma. Reihengräber im Dorf Kosthofen sowie prähist. Erdwerke im Hinter- und Brandholz. Die Siedlungen der Kirchgem. G. waren teils ma. Zelgdörfer, teils später geteilte Höfe. Wohl ehemals zähring. Gut, waren sie im 13. und 14. Jh. mehrheitlich Besitz der Gf. von Kyburg und wurden im Officium Oltigen (Urbar 1261-63) bzw. als Teil der Herrschaft Oltigen verwaltet. Als G. mit dieser 1412 an Bern kam, umfasste es alle Dörfer, auch Ottiswil (um 1373 im Besitz von Ritter Burkart Senn). Das Niedergericht G. unterstand vermutlich der bern. Vogtei Oltigen und wurde nach deren Auflösung 1483 der Landvogtei Aarberg zugeteilt. 1798 wurde G. dem Distrikt Zollikofen zugewiesen, 1803 schliesslich dem Oberamt Aarberg.

Unklar ist, ob der Kirchensatz der 1275 erw. Kirche (Stephanpatrozinium; Bau von 1510-24, Turm 14. Jh.; zwei Vorgängerbauten des 12. und 13. Jh.) sich ursprünglich in neuenburgisch-nidauischer oder in kyburg. Hand befunden hatte. 1383 wurde er von Anna von Kyburg-Nidau dem Kloster Klingental in Kleinbasel vergabt, das ihn 1416 der Abtei Frienisberg verkaufte. Von Frienisberg, das die Pfarrei 1451 inkorporierte, gelangte er 1528 an Bern. Ottiswil und Weingarten, ehemals bei Lyss, kamen 1728 zur Kirchgem. G.

Noch heute ist die Gem. stark landwirtschaftlich ausgerichtet (Vieh- und Milchwirtschaft, Futter- und Zuckerrübenbau, Schweine- und Geflügelmast). Sie profitierte aber auch von ihrer guten Verkehrslage an der Strecke Bern-Biel (Staatsstrasse 1835-44, Eisenbahn 1864, Autobahn 1983). Das Gewerbe (v.a. Düngerfabrik, Sägewerk) verteilt sich über das ganze Gemeindegebiet, G.-Dorf ist das Dienstleistungszentrum, die SBB-Station liegt in Suberg. Nach 1960 nahm der Pendlerverkehr Richtung Biel und Bern zu. 1967 löste man die alten Dorfgemeinden auf und zentralisierte Verwaltung und polit. Organisation. Das betraf auch die vorher selbstständigen Schulgemeinden G., Vorimholz, Suberg und Ammerzwil. Heute gibt es noch den Schulkreis G., dem auch Ammerzwil, Suberg und Vorimholz angehören; nur Ottiswil-Scheunenberg blieb weiterhin Schulgemeinde. 1842-69 wurde in G. eine Armenerziehungsanstalt geführt.


Literatur
– E. Marti, Aus der Gesch. der Kirche G. 1513-1988, 1988
– R. Hug, Bauinventar der Gem. G., 2000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler