11/11/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Landesring der Unabhängigen (LdU)

Im Sept. 1935 stellte Gottlieb Duttweiler, Gründer und Chef der Migros, für die im Oktober. stattfindenden eidg. Parlamentswahlen eigene Listen auf. Er wollte eine Gruppierung schaffen, welche die Interessen der Arbeiter (selbstständig Erwerbende und Angestellte), v.a. aber der Konsumenten, vertrat und in der Bundesversammlung die Macht der Interessengruppen und Kartelle bekämpfte. Sieben Personen seiner Listen wurden gewählt: eine in Bern, eine in St. Gallen und fünf im Kt. Zürich (hier sollte der LdU immer am stärksten sein). Im Dez. 1936 wandelte Duttweiler die Gruppierung in eine Partei um, den LdU, der 1939 neun, 1943 nach der Abspaltung seines rechten Flügels nur noch sieben Mandate errang. Nach dem Krieg konnte der LdU jedoch seine Stellung konsolidieren und das Fortbestehen über Duttweilers Tod hinaus sichern. Seinen Höhepunkt erreichte er bei den Wahlen von 1967, in denen die Partei sechzehn Nationalrats- und den ersten Ständeratssitz gewann. In den 1970er Jahren nahm sein Einfluss ab. Die Themen Umweltschutz (dem sich der LdU bereits um 1970 verschrieb), soziale Verantwortung und Liberalismus liessen sich immer weniger unter einen Hut bringen. 1987 besass der LdU auf Bundesebene noch neun Sitze, 1995 vier und 1999 nur noch einen. Im Dezember desselben Jahres löste sich die Partei auf. 1995 hatte sie etwa 4'000 Mitglieder gezählt. In der Westschweiz setzte sich der LdU nie wirklich durch, und im Tessin fasste er überhaupt nicht Fuss. Der LdU, der Sitze in den Kantonsregierungen von Zürich, St. Gallen, Bern, Aargau und Basel-Stadt innehatte, zeichnete sich v.a. durch sein Engagement für die direkte Demokratie aus. Sein Ziel eines Kapitalismus mit sozialer Verantwortung verfolgte er durch die von der Migros finanzierte Presse und deren kulturelle Verbindungen. Die Partei nahm zu allen wichtigen polit. Fragen wie AHV oder Frauenstimmrecht Stellung.

Sitze und Stärke des LdU bei nationalen Wahlen
JahrStänderatNationalratWähleranteil (in %)
1935074,1
1939097,1
1943075,5
1947084,4
19510105,1
19550105,5
19590105,5
19630105,0
19671169,1
19711137,6
19751116,1
1979084,1
1983084,0
1987184,2
1991152,8
1995131,8
1999010,7

Quellen:BFS


Literatur
– H.G. Ramseier, Die Entstehung und die Entwicklung des LdU bis 1943, 1973

Autorin/Autor: Olivier Meuwly / BE