Piusverein

Auf Anregung von Josef Ignaz von Ah 1857 gegr. Organisation zur Bewahrung des Glaubens, für christl. Liebeswerke und die Pflege kath. Wissenschaft und Kultur, ab 1899 Schweiz. Katholikenverein. Der P. bestand aus Orts-, Kreis- und Kantonalvereinen, die jährlich zu einer meist mehrtägigen Jahresversammlung zusammentrafen. Er wurde von einem zehnköpfigen Zentralkomitee geleitet. Erster Zentralpräsident war bis 1885 Theodor Scherer-Boccard. Ihm folgten 1885 Adalbert Wirz, 1892 Rudolf von Reding, 1899 Adalbert Wirz und 1902 Emil Pestalozzi. 1870 zählte der P. 5'600 Mitglieder in der Deutschschweiz, 2'000 in der Romandie und 800 in der ital. Schweiz. Um den Spitzenverband bildete sich ein Geflecht von Spezialorganisationen, so 1859 der Bücherverein, 1863 die Inländ. Mission und 1901 der Caritasverband. Als Vereinsorgan erschienen ab 1862 die "Annalen des Schweiz. Pius-Vereins" (später "Schweiz. Pius-Annalen"). Publikationen mit allgemein bildender bzw. wissenschaftl. Ausrichtung waren die unter wechselndem Titel veröffentlichten "Kath. Schweizer-Blätter" (1859-71, 1885-1904) und das "Archiv für die schweiz. Reformations-Geschichte" (1868-76). 1892 und 1899 gab sich der P. neue Statuten. Die programmat. Modernisierung und das neu geschaffene, ständige Sekretariat in Luzern brachten um die Jahrhundertwende einen Aufschwung. 1903 zählte der P. 35'000 Mitglieder in 224 Sektionen. Die kath. Spitzenverbände überwanden am 1. Schweiz. Katholikentag 1903 ihre Rivalitäten und schlossen sich 1904 im Schweizerischen Katholischen Volksverein zusammen.


Literatur
– U. Altermatt, Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto, 1972 (31995)
– J. Jenny, Le P. à Fribourg, 1974
– U. Altermatt, Katholizismus und Moderne, 1989 (21991)
– F. Panzera, G. Margarini, «Il "P." svizzero e la presa di Stresa (1882)», in Verbanus 18, 1997, 335-348

Autorin/Autor: Hans Stadler