• <b>Patrioten</b><br>"Chacun son tour. Heüte mir – Morgen dir". Kolorierter Kupferstich, Karikatur eines unbekannten Künstlers, 1803 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Der Karikaturist stellt den Patrioten, der ein Anhänger der Revolution ist, und den gegenrevolutionären Aristokraten in drei Bildern dar: Am 28. Oktober 1801 ("heute"), nach dem Staatsstreich der Föderalisten, machen die Aristokraten den Patrioten eine lange Nase. Nach der Machtergreifung der Unitarier am 17. April 1802 ist es gerade umgekehrt ("morgen"), und mit dem Eingreifen Napoleons ("übermorgen") verspottet der französische Soldat sowohl den Aristokraten als auch den Patrioten.

Patrioten

Als P. wurden ursprünglich die amerikan. Unabhängigkeitskämpfer und später die Revolutionsanhänger in Frankreich bezeichnet. Der Patriotismus beinhaltete das Streben nach dem Wohl der Heimat auf der Basis von Aufklärung und Naturrecht. Auch in der Eidgenossenschaft und deren zugewandten Orten nannten sich die Gegner der absolutist.-aristokrat. Herrschaftsform P. In der Zeit der Helvetischen Republik entwickelte sich der Begriff zur Bezeichnung für die an einer grundlegenden Umgestaltung interessierte Politikergruppe. Im Gegensatz zu den reformorientierten Republikanern traten die P. für etwas stärker ausgebaute Volksrechte, eine engere Bindung an Frankreich und die Abschaffung der Feudallasten ein. Auch sie blieben aber einem elitär-aufgeklärten Denken und dem generellen Misstrauen gegenüber ungebildet-besitzlosen Unterschichten verhaftet. Für weitgehende Sozialreformen setzten sich die Westschweizer P. kaum ein. Von ihren Gegnern polemisch als "Jakobiner" verschrien, grenzten sie sich indes deutlich von den wenigen Radikalrevolutionären ab. Die meisten P. entstammten der Oberschicht der ländl. Regionen und der ehem. Untertanengebiete. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählten der Basler Verfassungsvater Peter Ochs sowie die Waadtländer Frédéric-César de La Harpe und Jean-Jacques Cart. Die P. stellten anfänglich die Mehrheit im helvet. Parlament und Direktorium. Durch den 1. Staatsstreich vom 8.1.1800 verloren sie diese jedoch in der Exekutive und durch den 2. Staatsstreich vom 7./8.8.1800 auch im Parlament. Als überzeugte Zentralisten und Gegner der Föderalisten schlossen sich die verbliebenen P. der neugebildeten Gruppe der Unitarier an. Im Tessin spalteten sich die P. in zwei Lager: Die einen fochten für den Anschluss an die Cisalpinische Republik, die anderen befürworteten die Helvet. Republik.

<b>Patrioten</b><br>"Chacun son tour. Heüte mir – Morgen dir". Kolorierter Kupferstich, Karikatur eines unbekannten Künstlers, 1803 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Der Karikaturist stellt den Patrioten, der ein Anhänger der Revolution ist, und den gegenrevolutionären Aristokraten in drei Bildern dar: Am 28. Oktober 1801 ("heute"), nach dem Staatsstreich der Föderalisten, machen die Aristokraten den Patrioten eine lange Nase. Nach der Machtergreifung der Unitarier am 17. April 1802 ist es gerade umgekehrt ("morgen"), und mit dem Eingreifen Napoleons ("übermorgen") verspottet der französische Soldat sowohl den Aristokraten als auch den Patrioten.<BR/>
"Chacun son tour. Heüte mir – Morgen dir". Kolorierter Kupferstich, Karikatur eines unbekannten Künstlers, 1803 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Literatur
– H. Büchi, «Die polit. Parteien im ersten schweiz. Parlament», in Polit. Jb. der Schweiz. Eidgenossenschaft 31, 1917, 153-428
– H. Böning, Der Traum von Freiheit und Gleichheit: Helvet. Revolution und Republik (1798-1803), 1998
– J. Menamkat Favre, Patriotes et contre-révolutionnaires, 2005
– L. Chocomeli, Jakobiner und Jakobinismus in der Schweiz, 2006

Autorin/Autor: Lucas Chocomeli