18/04/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken

Frick

Polit. Gem. AG, Bez. Laufenburg. Strassendorf (ursprünglich Haufendorf) an der Gabelung der Juraübergänge Bözberg, Staffelegg und Benken. Zentrumsgemeinde des oberen Fricktals. 1064 Fricho. 1768 495 Einw., 1850 1'112; 1900 937; 1950 1'589; 2000 4'028. Bedeutende Saurierfunde (ausgestellt im Sauriermuseum). In der Nähe (Wittnauer Horn) urgeschichtl. Befestigungsanlage, spätbronzezeitl. Funde. Der Name F. (lat.-röm. ferraricia, Eisenerzgebiet) weist auf röm. Eisenerzabbau hin. Reste eines röm. Gutshofes aus dem 2. Jh. fanden sich an der Hauptstrasse, Reste eines kleinen Kastells aus dem frühen 4. Jh. zum Schutz der Heerstrasse Vindonissa-Augusta Raurica unterhalb des Kirchhügels. Auf demselben wurde um 370 eine neue Befestigungsanlage errichtet. Die Funde im Bereich Oberdorf lassen auf eine grosse röm. Siedlung aus dem 1.-4. Jh. schliessen. Gräberfunde auf dem Kirchhügel weisen auf eine alemann. Besiedlung hin. Der Kern der ma. Siedlung gruppierte sich um den Kirchhügel. Vom ältesten Zentrum - einer Kirchenburg - zeugt noch der ummauerte Kirchenbezirk. Nach dem Brand im Dorfkern 1734 wurde dieser nur teilweise wieder aufgebaut. Die Siedlung konzentrierte sich fortan entlang der Bözbergstrasse.

Vom HochMA an war F. das Herrschaftszentrum der Gf. von Homberg-Thierstein. Bekannt ist auch ein Dienstadelsgeschlecht von F. Um 1230 gelangte F. an die Habsburger und bildete zusammen mit Gipf, Oberfrick und teilweise auch mit Oeschgen die Vogtei F. (auch Homburgeramt genannt). Der Homburger Vogt war gleichzeitig Obervogt der Landschaft Fricktal. Mit dieser stand die Vogtei nach der Reichsreform von Kg. Maximilian I. bis 1797 unter der landesherrl. Verwaltung des Oberamtes Rheinfelden. Die Vogtei besass Sonderrechte (Vogtwahl und Vogtsiegel). Die Dorfschaft F. war als Teil dieser Gerichtsgemeinde zusammen mit Gipf und Oberfrick Inhaberin von Twing und Bann. Die Genossen der Vogtei gliederten sich in die Oberschicht der Vollbauern, an deren Spitze die Vogtfamilien standen, sowie in die Halbbauern und die Tauner, die in der frühen Neuzeit zahlenmässig die grösste Gruppe stellten. Ausserhalb der Genossenschaft und praktisch rechtlos lebten die Hintersassen. 1803 gelangte F. mit dem ganzen heutigen Fricktal zum Kt. Aargau. 1804 wurden die Gem. F. und Gipf-Oberfrick gebildet. Die Kirche St. Peter und Paul liessen wohl die Gf. von Homberg als Eigenkirche im HochMA erbauen. Im Dreissigjährigen Krieg wurde das Dorf mitsamt der Kirche zerstört. Mitte des 14. Jh. gelangte der Kirchensatz an das Frauenkloster Steinen in Basel, 1492 an das Deutschordenshaus Beuggen. Der heutige Barockbau stammt von 1716, die ref. Kirche von 1910. Die ref. Kirchgemeinde umfasst zehn Gemeinden und die Pfarrämter F. und Gipf-Oberfrick. Die kath. Kirchgemeinde, bestehend aus F. und Gipf-Oberfrick, ist seit 1953 eine eigene Pfarrei.

Die vorindustrielle Wirtschaft basierte zunächst auf der Landwirtschaft (Ackerbau und Rebbau), profitierte aber auch von der günstigen Verkehrslage am Fusse dreier wichtiger Pässe. Die Tonvorkommen wurden von einer Ziegelei genutzt. 1701 erlangte F. das Marktrecht für drei Viehmärkte im Jahr und einen Wochenmarkt. Im 18. Jh. führten Basler Verleger die Heimarbeit (Seidenbandweberei) ein. Noch 1850 hatte F. grossen Anteil an der Auswanderungswelle in der Folge von Ernteausfällen. Der Anschluss an die Bözbergbahn 1875 verbesserte die Verkehrslage. Zu Beginn des 20. Jh. siedelten sich die ersten Industrieunternehmen an. Seit dem 2. Weltkrieg veränderte sich das Siedlungsbild durch Überbauungen mit Wohn- und Industriebauten. 2000 arbeiteten in F. ca. 40% der Beschäftigten im 2. und 54% im 3. Sektor.


Literatur
– H. Ammann, A. Senti, Die Bez. Brugg, Rheinfelden, Laufenburg und Zurzach, 1948, 85-87
– A. Senti, «Vogtei und Gem. F. im 17. und 18. Jh.», in Vom Jura zum Schwarzwald 22, 1948, 3-56
F. gestern und heute, 1985-
ISOS AG 1, 1988, 269-279

Autorin/Autor: Dominik Sauerländer