Schöftland

Polit. Gem. AG, Bez. Kulm. Zentrumsgem. im mittleren Suhrental. Zwischen 1212 und 1226 Schofftellang, 1254 Schoflach. 1764 600 Einw.; 1803 870; 1850 1'243; 1900 1'323; 1950 2'316; 2000 3'271. Eigenkirche mit Stiftergräbern des frühen 7. Jh. Im HochMA lag der Ort im Machtbereich der Lenzburger Grafen und ihrer Nachfolger. Die Herrschaft S. war im 13. Jh. Eigen der Freien von Aarburg, fiel nach deren Aussterben im Erbgang an die Herren von Rüssegg und 1467 durch Verkauf an die Stadt Bern. Danach blieb sie bis 1798 ein bern. Mannlehen in der Landvogtei Lenzburg. Sie bestand aus der Grund- und Niedergerichtsherrschaft über das Gebiet des Dorfs S. sowie dem Patronatsrecht. Im Schöftler Handel 1746 erhoben sich die Bauern gegen den Herrschaftsherrn, weil dieser den Heuzehnt wieder in natura beziehen wollte. Mittelpunkt der Herrschaft S. war der Burgturm beim Kirchhof, der im Sempacherkrieg 1386 zerstört wurde. Das heutige Schloss wurde 1660 als Ersatz für ein herrschaftl. Wohnhaus errichtet. Herrschaftsherren waren ab dem 13. Jh. die Herren von Liebegg, 1434-1655 die Herren von Luternau, ab 1655 Wolfgang von Mülinen sowie ab 1664 dessen Schwiegersohn Johann Rudolf May von Rued. Danach blieb die Herrschaft bzw. der Besitz bis 1877 bei der Fam. May. 1917 erwarb die Gem. S. das Anwesen, das seit 1927 die Gemeindeverwaltung beherbergt. Die Kirche S. bildete das Zentrum einer frühma. Grosspfarrei. Nach versch. Abkurungen (Rued, Kirchleerau, Uerkheim, evtl. Kölliken, Moosleerau und Muhen) zählten zu Beginn des 21. Jh. noch die Dörfer Hirschthal, Holziken, Wittwil, Staffelbach und Bottenwil zur Kirchgemeinde. Bis ins 19. Jh. hinein war S. von der Landwirtschaft und einigen Gewerbebetrieben (Mühlen, Schmieden usw.) geprägt. Im 18. Jh. setzte die Heimarbeit (Baumwollweberei, dann auch Seidentuch- und Bandweberei) ein, die bis zu einem Viertel der Bevölkerung beschäftigte. Die Einführung der Strohflechterei ab 1851 misslang. Einige Industriebetriebe unterhielten in S. zeitweilig Ableger (Bally, Fehlmann u.a.), gesamthaft überwogen in der 2. Hälfte des 20. Jh. mittelgrosse Gewerbebetriebe und Dienstleistungsunternehmen. 2005 beschäftigten die 203 Betriebe in S. 1'301 Personen, davon 29% im 2. und 67% im 3. Sektor. Seit 1901 ist S. Endstation der Aarau-S.-Bahn.


Literatur
– J.J. Siegrist, «Zur Frühzeit der Pfarrei S.», in Argovia 93, 1981, 5-98
– C. Holliger, S., 1992

Autorin/Autor: Markus Widmer-Dean