23/11/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Siebnerkonkordat

Am 17.3.1832 unterzeichneten die sieben 1830-31 regenerierten Kt. Luzern, Zürich, Bern, Solothurn, St. Gallen, Aargau und Thurgau (Regeneration) an der ausserordentl. Tagsatzung in Luzern, die aufgrund des gescheiterten Aufstands der Demokraten in Neuenburg 1831 einberufen worden war, ein Konkordat. Darin garantierten sie sich gegenseitig ihre neuen liberalen Verfassungen und versprachen, Streitigkeiten durch Schiedsgerichte zu lösen sowie nötigenfalls Ruhe und Ordnung mit Waffengewalt durchzusetzen. Der Vertrag stellte eine weitere Etappe im Kampf zwischen den Anhängern des Liberalismus und des Konservatismus dar. Auf kant. Ebene hatten sich bereits zahlreiche Gruppen nach dem Vorbild des Berner Schutzvereins zur Rettung der neuen liberalen Kantonsverfassung gebildet. Begünstigt durch den Aufschwung der Meinungspresse und des Wirtschaftsliberalismus, strebten sie die Revision des Bundesvertrags und engere Verbindungen zwischen den regenerierten Kantonen an. Nach der Euphorie im Zug der Kantonsverfassungsrevisionen von 1830-31 schuf das S. nun eine Einheitsfront gegenüber den Konservativen. Mit deren Reaktion musste aufgrund des Scheiterns der Regeneration in Neuenburg und im Wallis, der Schwierigkeiten, auf welche die Verfechter der Gleichberechtigung in Basel und Schwyz gestossen waren, sowie der Niederlage der revolutionären Bewegungen in Europa gerechnet werden. Das S., das im Vertrag seine Auflösung nach gelungener Bundesvertragsrevison vorsah, schlug ein Vorprojekt für die neue Bundesverfassung vor. Nach dem Zusammenschluss der kath. Orte im Sarnerbund vom Nov. 1832 und v.a. nach der Gegentagsatzung in Schwyz vom März 1833 scharten sich die liberal gesinnten Anhänger um das S., das faktisch bis zur Einführung der BV von 1848 in Kraft blieb. Allerdings verlor es ab den 1840er Jahren wegen wechselnder Mehrheitsverhältnisse in den Kt. Zürich und Basel und wegen seines überkonfessionellen Charakters an Bedeutung.


Quellen
– C. Hilty, Die Bundesverfassungen der schweiz. Eidgenossenschaft, 1891, 381-384
Literatur
– M. Jufer, Das S. von 1832, 1953

Autorin/Autor: François Genoud / ASCH