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Bourla-Papey

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B. (Dialekt für brûle-papiers, Papierverbrenner) wurden jene Waadtländer Bauern genannt, die mit der Zerstörung von Archiven herrschaftl. Rechte abzuschaffen versuchten. Zwischen Februar und Mai 1802 sammelten und vernichteten sie die Herrschaftstitel zahlreicher Schlösser, v.a. an der Côte, am Jurafuss, im Gros-de-Vaud und in der nördl. Waadt. Am 8.5. marschierten sie in Lausanne auf, zogen am 11.5. jedoch wieder ab, nachdem Kommissär Bernhard Friedrich Kuhn ihnen Amnestie versprochen hatte. Trotzdem wurden die wichtigsten Anführer des Aufstands (auch Gamaschenkrieg genannt) im Juni darauf durch ein von der helvet. Regierung ernanntes Sondergericht in Abwesenheit zu Tode verurteilt: Louis Reymond, Henri Marcel (1772-?), Henri Cart von Nyon, Henri Dautun (1772-1834) und Claude Mandrot (1756-1835). Henri Potterat als einziger anwesender Angeklagter erhielt sechs Jahre Kerker. Aufgrund des Einflusses von Henri Monod sprachen die helvet. Behörden am 17.8. erst eine Teil-, am 15.10. eine Totalamnestie aus. Am 29.9.1802 wurde die Aufhebung der Feudalrechte beschlossen. Die B. inspirierten Charles Ferdinand Ramuz zu seinem "La guerre aux papiers" (1942).


Quellen
ASHR 7, 1313, 1369; 8; 9, 226
Literatur
– E. Mottaz, Les B. et la Révolution vaudoise, 1903
– R. Secrétan, «A propos des B.», in RHV, 1950, 17-32

Autorin/Autor: Antoine Rochat / SK