14/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Landestroublen

Die Unruhen im Fürstbistum Basel zwischen 1726 und 1740 ergaben sich aus den Spannungen zwischen dem bis anhin vorherrschenden Gewohnheitsrecht und der Absicht des Fürstbf. Johann Konrad von Reinach-Hirzbach, die Verwaltung seines Staats im Geiste des aufgeklärten Absolutismus zu modernisieren. Der auf eine Zentralisierung zielende Erlass "pour la régie des affaires" vom Febr. 1726 führte neue Räte und Kommissionen ein und wurde zum Kristallisationspunkt der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Der Widerstand manifestierte sich 1726 zuerst im Erguel und in den Freibergen. Er intensivierte sich anschliessend im Tal von Delsberg, im Laufental und v.a. in der Ajoie. Die Landgemeinden, ermutigt durch die Stadtbürger, wählten Abgeordnete, sog. Commis, die von Pierre Péquignat angeführt wurden. Die Abtei Bellelay und die Stiftskapitel unterstützten die Protestbewegungen. Das Domkapitel und die Landstände waren geteilter Ansicht. Zu den Forderungen der Unzufriedenen gehörten die Aufhebung des Erlasses von 1726, die Aufrechterhaltung der alten Privilegien, eine Steuersenkung und eine zurückhaltendere Anwendung der Hoheitsrechte (insbesondere des Jagdrechts). Die Vermittlungsversuche des kaiserl. Kommissärs Gf. Nikolaus von Reichenstein 1731, die Aufrufe des Domkapitels zur Unterordnung 1733 und die Ermahnungen der kath. Orte 1734 blieben erfolglos. Am 27.5.1732 verurteilte Ks. Karl VI. das Vorgehen der Commis. Das aufgebrachte Volk griff darauf die fürstbischöfl. Beamten tätlich an. Der Nachfolger von Fürstbf. Johann Konrad, Jakob Sigismund von Reinach-Steinbrunn, wandte sich schliesslich an den franz. Kg. Ludwig XV., dessen Truppen aufgrund des Allianzvertrages vom 11.9.1739 im April 1740 die Ordnung wieder herstellten. Die Commis wurden gefangen genommen und zu Galeerenstrafen und zum Tod durch das Schwert verurteilt. Die Stadtbürger und die involvierten Geistlichen mussten hohe Strafen bezahlen, einige wurden ihres Amtes enthoben. Die Niederschlagung der L. ermöglichte es den Fürstbischöfen, die Verwaltung ihres in der Einflusssphäre Frankreichs stehenden Staates im Sinne des aufgeklärten Absolutismus umzugestalten.


Archive
– AAEB, Nachlass
Literatur
– R. Ballmer, Les Etats du pays ou les assemblées d'Etats dans l'ancien évêché de Bâle, 1985, 117-192
– A. Suter, "Troublen" im Fürstbistum Basel 1726-1740, 1985

Autorin/Autor: Damien Bregnard / BE