Formula Consensus

Die Professoren und Pfarrer François Turrettini in Genf, Lukas Gernler in Basel und Kaspar Waser in Zürich schlossen sich 1671 zusammen, um die Protestantische Orthodoxie gegen die neuen theol. Ideen der Akademie von Saumur zu verteidigen, die besonders von Louis Tronchin in Genf vertreten wurden. Sie erreichten, dass der Zürcher Kirche im Juli 1674 die Redaktion eines neuen Glaubensbekenntnisses anvertraut wurde. Die Aufgabe übernahm Johann Heinrich Heidegger, der ein Projekt unter Einbezug eines von Turrettini redigierten Entwurfes ausarbeitete. Im Juli 1675 stimmte die Tagsatzung der evang. Orte in Baden dem Text zu: Er sollte künftig von allen Pfarrern und Professoren unterschrieben werden; niemand sollte mehr zum Kirchendienst zugelassen werden, ohne ihm zugestimmt zu haben. Aus Rücksicht auf die ref. Kirchen im Ausland, v.a. die ref. Kirche Frankreichs, die Vorbehalte geäussert hatten, wurde dieser Text, die F., nicht gedruckt. An alle ref. Kirchen gingen aber handschriftl. Kopien. Die erste offizielle Publikation erfolgte 1710. Die F., die 26 Canones umfasste, bestätigte insbesondere die Wortinspiration des hebräischen Bibeltextes. Sie erklärte, dass der Tod Christi nur die Auserwählten betreffe und lehnte den Universalismus der Gnade ab. Sie legte auch die Norm der Orthodoxie in Bezug auf die Übertragung der Erbsünde und die Verbindung Gottes mit seinem Volk fest. Die Einführung der F. stiess in Genf, wo die Anhänger Tronchins die Unterschrift bis 1679 hinauszögerten, auf Widerstand. In Neuenburg wurde die F. nur vom Dekan und vom Sekretär des Pfarrkapitels unterschrieben. Und als 1686 Kurfürst Friedrich-Wilhelm von Brandenburg die ref. Orte warnte, dass der Text die Lutheraner beleidige und die Vereinigung der prot. Kirchen behindere, akzeptierte der Antistes von Basel, Peter Werenfels, dass er nicht mehr unterzeichnet wurde. Nachdem die F. zu einem Symbol der rückständigen und autoritären Orthodoxie geworden war, wurde ihre Unterzeichnung 1706 in Genf abgeschafft. 1682 und ab 1706 versuchten Waadtländer Theologiekandidaten, Einschränkungen an die F. anzubringen. Das führte zu einem schweren Konflikt, den Bern 1722 mit der Forderung nach einer Unterschrift ohne Vorbehalt beendete. Im Waadtland bestand in Folge dieser Meinungsverschiedenheiten eine tiefe Unzufriedenheit. Erst ab Mitte des 18. Jh. verzichteten Zürich und Bern darauf, von ihren zukünftigen Pfarrern die Unterschrift unter die F. zu verlangen.


Literatur
– E.F.K. Müller, Die Bekenntnisschriften der ref. Kirche, 1903, 861-870
– H. Vuilleumier, Histoire de l'Eglise réformée du Pays de Vaud sous le régime bernois 2, 1929, 505-531
– R. Pfister, Kirchengesch. der Schweiz 2, 1974, 490-498
– M.-C. Pitassi, De l'orthodoxie aux Lumières, 1992, 16-20, 51-55

Autorin/Autor: Olivier Fatio / CN