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Aarberg (Gemeinde)

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. A. Kleinstadt am alten Aarelauf mit intaktem hist. Kern. Die Gem. umfasst die Altstadt, neuere Aussenquartiere, den Weiler Spins sowie Mühletal und Grafenmoos. 1236 Arberc, 1267 opidum de Arberch. Bezirkshauptort, Marktort am einst einzigen Aareübergang zwischen Bern und Büren an der Aare, ehem. bern. Hauptumschlagplatz für Fracht und Anlegestelle für Aareschiffe im Schnittpunkt des Nord-Süd- und West-Ost-Verkehrs. 1764 440 Einw.; 1850 993; 1900 1'372; 1950 2'126; 2000 3'802.

Auf der von der Aare und einem natürl. Nebenarm (Kl. Aare) umflossenen Insel gründete Gf. Ulrich III. von Neuenburg zwischen 1220 und 1225 die Stadt A. als Mittelpunkt seiner durch Teilung entstandenen Herrschaft A., wohl anstelle eines älteren Dorfes (Reste von Holzbauten aus der 1. Hälfte des 12. Jh.) und einer Burg (im Kirchenbereich). Unweit des Brückenkopfes lagen am linken Aareufer das 1138-39 erbaute und um 1526 abgetragene Pilgerspital Bargenbrück sowie am rechten Ufer des Nebenarms die hochma. Burg der Herren von A. auf dem Burghubel (Anlage bis ins 18. Jh. erhalten). Das älteste Siegel der Burgerschaft datiert von 1249. Ulrich IV. bestätigte 1271 mit einer Handfeste nach Freiburger Vorbild ein früheres Stadtrecht. Die ummauerte Kleinstadt bestand anfangs aus zwei Zeilen von Holzbauten um einen Gassenmarkt. Nach Bränden (1419, 1477) wurden die Häuser, nun in Stein, je 10 m auf die heutige Flucht zurückversetzt; so entstand der eindrückl. Marktplatz. Belagerungen von 1339, 1382 und 1386 widerstand die Stadt. Finanzielle Not zwang den letzten Gf., Peter von A., alle seine Rechte an Stadt und Herrschaft 1358 an Bern zu verpfänden, das A.s Handfeste bestätigte und einen Landvogt als Verwalter einsetzte. Nach vergebl. Versuchen Peters, das Pfand Gf. Rudolf IV. von Nidau zuzuhalten, gelangte der Besitz 1377-79 endgültig an Bern. Die Kirche A. (Mauritius-, später Marien-Patrozinium), westl. Vorposten des Bistums Konstanz, entstand 1484 bzw. neu 1575 am Platz der ehem. Burg mit einem Turm (1526) aus Steinen der abgebrochenen Spitalkirche. Der Friedhof wurde neu neben der Stadtkirche angelegt. Bern vergabte das Patronatsrecht 1418 dem bern. Münster, zog es aber nach der Reformation (1528) wieder an sich.

Die Stadtbehörde mit Burgermeister (1259 ein Schultheiss erw.) und 24-köpfigem Rat (12 Räte mit Richterfunktion, 12 Burger) unterstand der Aufsicht des Landvogts, der im Amthaus (Bau 1608-10) residierte und dem Hochgericht vorsass. 1414 trat A. den Zoll und damit den teuren Unterhalt seiner zwei Aarebrücken an Bern ab (Neubauten nach Hochwassern 1414, 1443, 1490, 1557, heutige Holzbrücke von 1567-68). Der Ausbau der städt. Infrastruktur im 15.-16. Jh. umschloss Rathaus (1496), Spital (1529) und Schule. Die einzigartige Verkehrslage prägte das Wirtschaftsleben der Stadt: Ihr Marktplatz war einer der grössten Umschlagplätze der Schweiz mit leistungsfähigem Fuhr- und Gastgewerbe (Tavernen Krone und Falken). Ohne Auswirkung blieb der 1647 eröffnete kurzlebige Aarberger Kanal als schiffbare Verbindung von Broye und Aare. Die Jahrmärkte (1271 erw., 1507 zwei, 1681 drei, 1759 vier pro Jahr), 1478 mit dem Privileg des Salz-, Eisen-, Stahl- und Tuchhandels ausgestattet, waren von überregionaler Bedeutung. Die Stadt versuchte ihre auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft auszuweiten, u.a. mit dem Kauf der Alp Chuffort ob Lignières (1591-1854). Spins und Mühletal (Herrschaftsmühle) standen als sog. Steckhöfe ausserhalb der städt. Flurgemeinschaft. Ihre Bewohner gehörten aber als Hintersassen zum Stadtgericht. Spins (ehem. Schürhof), im 14. Jh. Mannlehen der Herren von Spins, zählte im 16. Jh. bereits vier Höfe. A.s Hintersassenanteil war hoch (1764 37%) und umfasste wohlhabende Hofbauern ebenso wie arme Städter. Für diese wurde im 18. Jh. im Spital eine Spinn- und Webmanufaktur eingerichtet. Das Siechenhaus (1549-1795, danach Stadtspital bis 1878) war eine regionale Institution der Stadt, der Ämter A., Nidau und Frienisberg.

Der Franzoseneinfall von 1798 fügte der Stadt namhaften Schaden zu. Ihre Zuteilung zum helvet. Distrikt Zollikofen, ab 1801 als dessen Hauptort, dauerte bis 1803. Danach wurde sie Hauptort des Amtsbez. A. Unter dem Eindruck der Europa bedrohenden Pariser Julirevolution (1830) liess die schweiz. Heeresleitung zum Schutz von A., dem damals strateg. wichtigsten Punkt der Westgrenze zwischen Genf und Basel, die noch erhaltene Bargen- und die später wieder eingeebnete Kappelenschanze anlegen (1815 befestigter Brückenkopf). Der Bau der Eisenbahnen und die Juragewässerkorrektion brachten für A. eine Wende: Durch die Linie Bern-Lyss-Biel (1864) wurde A. vom grossen Verkehr abgekoppelt und darauf wirtschaftl. von Lyss überflügelt. Weder der Anschluss an die Broyetallinie (Lausanne-Lyss, 1876) noch die Einrichtung von Autokursen vermochten daran etwas zu ändern. Zur selben Zeit (1868-78) befreite der Bau des Hagneckkanals A. von den period. Überschwemmungen und der Last der Aarewehr. Die Eindämmung der Kl. Aare beendete die Insellage. Ausserhalb der Stadt entstanden neue Quartiere: Brückfeld, Leimernacher, Sunnmatt und Mühlau. Die wirtschaftl. Stagnation des 19. Jh. bekämpfte A. mit der Umstellung auf Vieh- und Milchwirtschaft, der Spezialisierung der zwölf Jahrmärkte auf Pferde und Vieh sowie nach 1900 mit dem Anbau von Zuckerrüben. In diese Zeit fielen die Gründung der Amtsersparniskasse (1843), der Viehzucht- (1893), der Käserei- (1895) und der Landwirtschaftl. Genossenschaft (1906). Noch heute ist die Zuckerfabrik (1898, Neubau nach Brand 1912) die grösste Arbeitgeberin. Neben ältere Industriezweige (Ziegelei und Baugeschäfte) traten eine Präzisionsteilefabrik (1937), ein Spannbetonwerk (1947) und eine Verzinkerei (1960). 1990 dominierte der 2. Sektor mit 45% der Arbeitsplätze, und die Zahl der Zupendler übertraf jene der Wegpendler.

Seit 1832 umfasst die Gem. A. in den Grenzen des ehem. Stadtgerichts die Einwohner- und die Burgergem. Letzterer obliegen die Armenpflege und das Vormundschaftswesen der Burger. Die Kirchgem. wurde aus finanziellen Gründen zweimal kurzzeitig mit jener von Bargen vereinigt (1806-32, 1879-97). A. beherbergt neben der Bezirksverwaltung die 1834 gegr. regionale Sekundarschule und das 1878 eröffnete Bezirksspital (Ausbauten zwischen 1923 und 1978).


Literatur
– P. Hunger, Gesch. der Stadt A., 1930
– F. Krebs, 125 Jahre Amtsersparniskasse A., 1968
– W. Oetiker et al., A., 1972
– P. Hofer, Die Frühzeit von A., 1973
A., 1977
Archäologie im Kt. Bern, hg. von D. Gutscher, P.J. Suter, Bd. 3A, 1994
A., 1999

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler