12/05/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Burg (AG)

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Polit. Gem. AG, Bez. Kulm. Eng besiedeltes Dörfchen im obern Wynental am östl. Abhang des Stierenberges, fast völlig vom Gemeindebann Menziken umschlossen. 1764 154 Einw.; 1850 463; 1900 563; 1950 883; 1990 1'142, 2000 991. Die Burg Unter-Rinach, Stammburg der Herren von Rinach (Dienstmannengeschlecht der Habsburger), wurde vermutlich im 12. Jh. erbaut, im Sempacherkrieg von den Eidgenossen zerstört und nicht mehr aufgebaut. 1412 werden "bei der Burg" zwei Höfe erwähnt. Schon um 1400 gingen die Herrschaftsrechte je zur Hälfte an den Deutschen Orden bzw. an das Geschlecht der Schultheiss von Lenzburg. 1415-1798 Untertanengebiet von Bern (Oberamt Lenzburg, Gericht Reinach), seit 1803 beim Aargauer Bez. Kulm. B. war bis 1751 ein Steckhof und erhielt dann vom Rat in Bern das Gemeinderecht. Die Burgruine wurde 1872 abgebrochen und wich einem Schulhaus. Mit der von Bern eingeführten Reformation wurde B. 1528 vom kath. Pfarrverband Pfeffikon (LU) abgetrennt und bis zum Bau einer ref. Kirche in Reinach (1529) Gontenschwil zugewiesen. Mit der Vollendung des Kirchenbaus in Menziken 1890 entstand die selbstständige Kirchgem. Menziken-B. Die Katholiken von B. gehören zur 1899 gegründeten röm.-kath. Kirchgem. Menziken-Reinach. Seit etwa 1720 Baumwollverarbeitung in Heimarbeit, um die Mitte des 19. Jh. abgelöst durch die Tabakindustrie, welche bald die ganze Region dominierte. Die Burger Söhne, eine der letzten Tabakfabriken in der Schweiz, hat ihren Sitz immer noch in der Gemeinde. Die Wohngebiete von B., Menziken, Reinach und Pfeffikon sind zu einer Agglomeration verschmolzen. Menziken-B. ist die Endstation der 1904 eröffneten Schmalspurbahn durch das Wynental.


Literatur
– P. Steiner, Das Gericht Reinach z.Z. der Berner Herrschaft, 1956

Autorin/Autor: Hans Walti