Saint-Julien, Frieden von

Im Verlauf der Konflikte zwischen den Hzg. von Savoyen und der Stadt Genf wurden im savoy. Saint-Julien-en-Genevois zwei Verträge unterzeichnet. Zur Verteidigung des Burgrechtsvertrags mit Genf durchquerten Truppen aus Bern und Freiburg, unterstützt von Solothurn sowie Kontingenten aus Neuenburg und Payerne, die Waadt und eilten der Stadt zu Hilfe, die von Mitgliedern des Löffelbunds belagert wurde. Am 10.10.1530 besetzten sie Genf. Am 19. Oktober wurde auf Vermittlung der anderen Orte, St. Gallens und des Wallis der Friedensvertrag zwischen dem Hzg. von Savoyen auf der einen und Bern, Freiburg und Genf auf der anderen Seite in S. geschlossen. Hzg. Karl II. von Savoyen verpflichtete sich darin, Schadenersatz zu bezahlen, die Genfer nicht mehr zu belästigen und die Waadt als Sicherheit einzusetzen. Letztere Bestimmung focht er an, sie wurde jedoch im Dezember in Payerne von einem Schiedsgericht der Tagsatzung bestätigt.

Nachdem es Hzg. Karl Emmanuel von Savoyen während der Escalade im Dez. 1602 nicht gelungen war, Genf einzunehmen, trat er am 21.3.1603 in Verhandlungen ein, die Genf am 13. Mai aber abbrach. Der franz. König Heinrich IV. erlegte in der Folge den beiden Parteien die Vermittlung durch ein von Glarus, Basel, Solothurn, Schaffhausen und Appenzell zusammengesetztes Schiedsgericht auf. Sie mündete in den Friedensvertrag vom 11.7.1603 (bzw. 21.7.1603 nach neuem Kalender), der die 1589 begonnenen Feindseligkeiten beendete. Den Genfern wurde die Handelsfreiheit (ausser für Salz) wieder gewährt und sie wurden von Zöllen im savoy. Herrschaftsgebiet befreit. Zudem verpflichtete sich der Hzg. von Savoyen, im Umkreis von vier Meilen um die Stadt Genf keine Truppen zu sammeln und keine Festungswerke zu bauen. Implizit anerkannte er mit diesem Vertrag Genfs Unabhängigkeit. Aus innereidg. Motiven machten sich die Orte zweimal für den Frieden stark; aus dem gleichen Grund lehnten sie 1603 den Wunsch Genfs nach einem Beitritt zur Eidgenossenschaft ab.


Quellen
EA 4 I, 1501-1505; 5 I, 640-646
Literatur
– C. Gilliard, La conquête du Pays de Vaud par les Bernois, 1935, 25, 28, 33
– O. Fatio, B. Nicollier, Comprendre l'Escalade, 2002, 80-85
– C. Santschi et al., Le traité de S., 2003

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ASCH