Christliches Burgrecht

Als in Bern 1527 die reformatorische Richtung die Oberhand gewann, bedeutete dies eine Umkehr auch in der eidg. Politik: Das bisher isolierte Zürich begann, sich um konfessionell geprägte Bündnisse zur Absicherung der Reformation zu bemühen. Zwischen dem 25.12.1527 und dem 15.10.1529 wurden folgende Bündnisse geschlossen: Zürich und Konstanz, Bern und Konstanz, Zürich und Bern untereinander sowie mit den Städten St. Gallen, Biel, Mülhausen, Basel und Schaffhausen. Diese Bündnisse bezweckten einerseits die Verteidigung der reformator. Neuerungen, andererseits auch die aktive Unterstützung der Reformation in den gemeineidg. Untertanengebieten. Dieses erstarkte Bewusstsein der ref. Seite, verbunden mit aggressiv-expansivem Missionswillen, weckte auch auf kath. Seite Bündniswünsche (Christliche Vereinigung 1529).

Der 1. Kappeler Landfrieden von 1529 (Landfriedensbünde) rückte das eigentl. Ziel Zürichs, die ganze Eidgenossenschaft zu reformieren, in weite Ferne. Zwingli und Zürich suchten daher Hilfe in Bündnissen mit auswärtigen Mächten: Zunächst gelang am 5.1.1530 ein Bündnis mit Strassburg. Dann folgte am 18.11.1530 das Bündnis Zürichs, Basels und Strassburgs mit Hessen, wobei das Abseitsstehen Berns andeutet, dass mit diesem weit ausgreifenden Bündnis der Bogen überspannt war. Zudem führte der Schmalkald. Bund (1531) die oberdt. Reformierten zunehmend in das luther. Lager: Die von Zwingli und Zürich forcierte Politik war damit zum Scheitern verurteilt. Mit der Niederlage im 2. Kappelerkrieg (Okt. 1531) wurden diese Bündnisse aufgelöst.


Literatur
– W. Bender, Zwinglis Reformationsbündnisse, 1970
– T.A. Brady, Turning Swiss, 1985

Autorin/Autor: Heinzpeter Stucki