Heilige Liga

Der Begriff H. bezeichnet eine unter der Führung des Papstes Julius II. geschlossene Allianz zwischen Venedig, Spanien und England. Sie war gegen Frankreich gerichtet und bestand 1511-13.

Mit dem Neapelfeldzug des franz. Kg. Karl VIII. 1494 und dem Einfall seines Nachfolgers Ludwig XII. in Mailand 1499 zerbrach das Gleichgewicht der Mächte in Mailand. Aufgrund der Heirat seines Grossvaters mit Valentine Visconti konnte Ludwig XII. Erbansprüche auf Mailand geltend machen. Der Papst, Venedig, Spanien, Habsburg und Frankreich stritten in wechselnden Koalitionen um das reiche Herzogtum. Die militär. Schlagkraft der Eidgenossen spielte dabei eine wesentl. Rolle. Ab den Burgunderkriegen stellten sie begehrte Söldner und begannen, sich in die hohe Politik Europas einzumischen.

Der Sieg der Liga von Cambrai über Venedig 1509 liess Frankreich zur dominanten Macht in Oberitalien werden. Papst Julius II. widersetzte sich dieser Entwicklung und gewann dank der Vermittlung von Kardinal Matthäus Schiner die Eidgenossen 1510 für ein fünfjähriges Soldbündnis. Am 4.10.1511 vereinte der Papst in der H. Spanien und Venedig, der am 14. November auch England beitrat. Ziel der H. war die Rückeroberung der dem Kirchenstaat entrissenen Gebiete sowie die Eindämmung des Einflusses von Frankreich. Die Eidgenossen traten der Allianz nicht bei, doch zogen sie 1511 für den Papst im Kaltwinterfeldzug gegen Frankreich ins Feld (Mailänderkriege). Ein Jahr später eroberten sie im Sold der H. das Herzogtum Mailand (Pavierzug). Weil Venedig aber nicht auf seine Kosten kam, wechselte es zu Frankreich, was mit dem Tod von Papst Julius II. 1513 das Ende der H. bedeutete. Die Eidgenossen konnten Mailand als Protektorat nicht lange halten und verloren das Herzogtum 1515, nach der Niederlage in der Schlacht von Marignano, wieder an Frankreich.


Literatur
– E. Dürr «Eidg. Grossmachtpolitik im Zeitalter der Mailänderkriege», in Schweizer Kriegsgesch., 1933, H. 4, 521-692, v.a. 591-612
– N. Morard, «Auf der Höhe der Macht (1394-1536)», in Gesch. der Schweiz und der Schweizer, 1986, 215-356, v.a. 335-342

Autorin/Autor: Bruno Koch