04/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Niedere Vereinigung

Mit dem Ausdruck nieder verainung wird ein 1473 geplantes Bündnis der vier oberrhein. Reichsstädte Strassburg, Basel, Colmar und Schlettstadt bezeichnet, das durch den Beitritt der Bf. von Strassburg und Basel, der eidg. Orte (31.3.1474) und des österr. Hzg. Sigismund von Habsburg (4.4.1474) in den Verhandlungen von Konstanz erweitert und beschlossen wurde. Der Name versteht sich als Entsprechung zum "oberländ." Bund der Eidgenossen; als weitere Bezeichnungen begegnen u.a. colligati, inferiores confederati, buntgenossen und vereynung. In formaler Hinsicht knüpfte das Bündnis an die oberrhein. Landfriedensbünde an, die sich vom 13. Jh. an nachweisen lassen. Bezeichnenderweise rechtfertigt die Präambel des Vertrags vom 4.4.1474 den Vertragsabschluss auch mit dem kaiserl. Landfrieden von Regensburg (1471). Allerdings verfolgte die in Konstanz geschlossene Allianz weiter gehende Ziele, als dies der Text allein erkennen lässt. Die beteiligten Reichsstädte streckten nämlich dem österr. Herzog anschliessend 76'000 Gulden vor, damit er die an Burgund verpfändeten Gebiete im Oberelsass zurücklösen konnte. Gleichzeitig bildete die N. den Abschluss der trilateralen Konstanzer Absprachen im März-April 1474 zwischen Hzg. Sigismund, den Eidgenossen und den elsäss. Reichsstädten, in welchen auch die Ewige Richtung im Entwurf aufgesetzt wurde. Diese Verhandlungen führten zur Bildung der antiburgund. Liga, die - angeführt von Strassburg, Basel, Bern und Luzern - den Krieg gegen Karl den Kühnen vorantrieb (Burgunderkriege 1474-77). Die enge Zusammenarbeit zwischen Eidgenossenschaft und oberrhein. Mächten liess sich nach den Burgunderkriegen nicht mehr in gleicher Weise wiederholen.


Quellen
UB BS 8, 363-366 (mit falschem Titel)
Die Urk. und Akten der oberdt. Städtebünde vom 13. Jh. bis 1549, Bd. 1, bearb. von K. Ruser, 1979
Literatur
– A. Matzinger, Zur Gesch. der N., 1910
– C. Sieber-Lehmann, Spätma. Nationalismus, 1995

Autorin/Autor: Claudius Sieber-Lehmann