Twingherrenstreit

Beim T. 1469-71 handelt es sich um eine entscheidende Etappe im Ausbau der Territorialherrschaft der Stadt Bern über die vier Landgerichte, die noch von zahlreichen Twingherrschaften (Niedergerichten, Twing und Bann) durchsetzt waren. Im Dez. 1469 wurde der Stadt die sog. oberste Herrschaft vorbehalten und die hohe und niedere Gerichtsbarkeit geregelt. Die Neuordnung rief den Widerstand der Twingherren hervor, die massgeblich am städt. Regiment beteiligt waren (Adrian I. von Bubenberg, Niklaus von Diesbach, Niklaus von Scharnachtal). Am Ostermontag im April 1470 wählte der Gr. Rat den Metzgermeister Peter Kistler anstelle von vier sich konkurrierenden Twingherren zum Schultheissen und erneuerte gleichentags ein Kleidermandat von 1464, das sich gegen die Adligen richtete. Diese zogen sich auf ihre Güter zurück und drohten u.a., das bern. Bürgerrecht aufzugeben. Nachdem die Twingherren am 25.11.1470 das Kleidermandat mit Absicht übertreten hatten, wurden sie zu einer einmonatigen Verbannung aus der Stadt verurteilt. Als Kompromiss liessen die strittigen Parteien Mitte Dez. 1470 eidg. Gesandte zu einem Schlichtungstag in Köniz zu. Am 6.1.1471 kehrten die Adligen in die Stadt zurück. Anfang Februar kam ein neuer Twingherrenvertrag zustande. Der Rat wählte am Ostermontag 1471 den Twingherrn Petermann von Wabern zum Schultheissen und schaffte eine Woche später das Kleidermandat ab. Der T. ist weniger durch die Akten der städt. Kanzlei dokumentiert als durch die parteiische Schrift "T." des Stadtschreibers Thüring Fricker, der sich von allem Anfang an entschieden auf die Seite der Twingherren stellte und die spätere Bewertung des Streits massgeblich beeinflusste.


Literatur
– K. Utz Tremp, «Die befleckte Handfeste», in Die Schweiz im MA in Diebold Schillings Spiezer Bilderchronik, hg. von H. Haeberli, C. von Steiger, 1991, 135-150
– R. Schmid, Reden, rufen, Zeichen setzen, 1995
Berns grosse Zeit, hg. von E.J. Beer et al., 1999, 232, 333-336

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp