Grosses Schisma

Das G. kam dadurch zustande, dass 1378 zwei Päpste gewählt wurden, am 8.4. in Rom Urban VI. (Bartolomeo Prignano) und am 20.9. in Fondi (Königreich Neapel) Clemens VII. (Kardinal Robert von Genf). Der letztere musste sich 1379 nach Avignon zurückziehen, wo die Päpste 1309-76 residiert hatten. Durch die Doppelwahl von 1378 wurde die abendländ. Christenheit gespalten: Frankreich, Schottland, Süditalien und Spanien hielten zu Clemens VII., England, Nord- und Mittelitalien sowie das Hl. Röm. Reich zu Urban VI. Durch ihre Lage zwischen den Blöcken und polit. Zerstückelung war die nachmalige Schweiz in besonderem Masse betroffen. In den meisten schweiz. Bistümern kam es ebenfalls zu Doppelwahlen und Verdoppelung der Bischofsreihen. Ausnahmen bildeten die nordital. Diözese Como mit einem grossen Teil des Tessins, die immer zum Papst in Rom, und die westschweiz. Diözese Genf, die immer zum Papst in Avignon hielt. In den Diözesen Basel, Konstanz und Sitten herrschten anfänglich clementist., dann urbanist. Bischöfe. Für diese Trendwende war der Tod Hzg. Leopolds III. von Habsburg in der Schlacht von Sempach 1386 verantwortlich, der ein Anhänger und Promotor des avignones. Papsttums in seinen Stammlanden gewesen war und in seiner Stadt Freiburg i.Br. einen avignones. Legaten hatte wirken lassen. Nach Leopolds Tod fand sich selbst für den Bischofsstuhl von Lausanne, der immer von Clementisten besetzt gewesen war, ein urbanist. Kandidat, Johann Münch von Landskron (1389/90-1410), der allerdings nur gerade von Bern unterstützt wurde. Nach dem Tod Urbans VI. (1389) und Clemens' VII. (1394) setzte sich das G. in Rom mit Bonifaz IX. (1389-1404), Innozenz VII. (1404-06) und Gregor XII. (1406-15) fort, in Avignon mit Benedikt XIII. (1394-1417). Dem Konzil von Pisa (1409) gelang es nicht, das Schisma zu beenden; es wählte vielmehr mit Alexander V. einen dritten Papst, der 1410 durch Johannes (XXIII.) ersetzt wurde. Erst das Konzil von Konstanz (1414-18) beendete mit der Absetzung Johannes' (XXIII.) und Benedikts XIII., der Abdankung Gregors XII. und der Wahl Martins V. (1417) zum Papst mit Sitz in Rom das G.


Literatur
– K. Schönenberger, «Das Bistum Konstanz während des G.s 1378-1415», in ZSK 20, 1926, 1-31, 81-110, 185-222, 241-281
– K. Schönenberger, «Die Städte Bern und Solothurn während des G.s», in ZSK 21, 1927, 54-69
– K. Schönenberger, «Das Bistum Basel während des G.s 1378-1415», in BZGA 26, 1927, 73-143; 27, 1928, 115-189
– B. Widmer, «Die Schlacht von Sempach in der Kirchengesch.», in SZG 16, 1966, 180-205
– R.C. Logoz, Clément VII (Robert de Genève), 1974
– B. Truffer, «Die Bf. von Sitten zur Zeit des grossen abendländ. Schismas (1378-1417)», in Vallesia 33, 1978, 139-177
Ökumen. Kirchengesch. der Schweiz, hg. von L. Vischer et al., 1994, 83-86, (84 f. Bischofslisten der schweiz. Diözesen)

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp