18/11/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Torre, Schwur von

Im Febr. 1182 schlossen die Talleute von Blenio und der Leventina auf Anordnung des Erzpriesters von Monza und Domherrn von Mailand, Oberto Terzago, aber auch aus freiem Willen, wie ausdrücklich betont wird, ein Bündnis gegen den Adel. Sie schworen, die Burg Curtero zu belagern, den Bau neuer, von ihnen nicht bewilligter Burgen zu verhindern und einander bei der Zerstörung von Burgen zu helfen, falls die Mehrheit einer Talgemeinde die andere darum ersuche. Die Talleute von Blenio allein beschworen zwei weitere Artikel. Falls Artusio da T. die Burg Curtero ihnen und dem Erzpriester nicht übergebe, würden er, sein Bruder und ihre Nachkommen von den Ämtern des Vogts, des Richters und des Notars im Gericht von Sala ausgeschlossen. Da der höchste Amtsträger ein an lokalen Machtkämpfen nicht interessierter Fremder sein sollte, dürften die jährl. Gerichtstage unter keinem Podestà abgehalten werden, der nördlich des Monte Ceneri wohne. Das Ereignis gehört in den Kontext des seit der Niederlage von Friedrich I. Barbarossa bei Legnano 1176 erfolgreichen Kampfs des Mailänder Domkapitels um die Rückgewinnung der nach 1162 an Barbarossa und seine Beamten verlorene Herrschaft über die beiden Täler. Die Talleute ihrerseits bekämpften die Adligen, um ihre polit. Mitwirkung in den Talgemeinden zu erweitern und, wie spätere Quellen zeigen, ihren Grundbesitz in den Nachbarschaften auszubauen. Die in einer Abschrift von ca. 1230 erhaltene Urkunde von 1182 war nicht entscheidend, sie förderte aber die in den oberen Tessiner Tälern früh ausgebildeten kommunalen Institutionen und deren gutes Verhältnis zur milden kirchl. Feudalherrschaft.


Quellen
– MDT, Ser. 3
MDT, Ser. 3
Literatur
– A. Cavanna, G. Vismara, Il Patto di T., febbraio 1182, 1982
– L. Deplazes, Il Patto di T. del 1182, 1982, 18-48
Il Medioevo nelle carte, hg. von G. Chiesi, 1991, 44-48

Autorin/Autor: Lothar Deplazes