• <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Vogelfibelpaar aus dem reich ausgestatteten Frauengrab an der Bäckerstrasse, 6. Jahrhundert (Schweizerisches Nationalmuseum). Die goldenen Kleiderschliessen sind mit Almandin- und Glaseinlagen verziert.
  • <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Zürich von Westen. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, um 1540 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Die älteste druckgrafische Ansicht von Zürich zeigt links der Limmat die Kleine Stadt (im Vordergrund), rechts der Limmat die Grosse Stadt mit dem Predigerchor und dem Grossmünster, zudem das untere Seebecken mit der Grenzsäule des Stadtbanns (Niklausstud beim Zürichhorn). Der Fröschengraben sowie die Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert und zwei frühneuzeitliche Bollwerke schützen die Kleine Stadt mit Fraumünster, Pfarrkirche St. Peter, Augustinerkloster, Lindenhof, Kloster Oetenbach, Schützenhaus und Werdmühle mit Wappenmalerei sowie Treppengiebeln (von rechts nach links). Pfahlreihen und ein Schiffstor (Grendel) trennen den Limmatraum vom See. Der Wellenbergturm (Gefängnis) steht frei im Wasser. Limmatabwärts verbinden die obere und untere Brücke sowie die beiden Mühlestege die Stadtteile.
  • <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Stadtansicht von Norden, 1770. Kupferstich aus der Serie "Hundert Schweitzer-Prospecte" von  Johann Balthasar Bullinger (Zentralbibliothek Zürich, Abteilung Karten und Panoramen). Das fünfteilige Bild zeigt von links nach rechts: Die Siedlung Stampfenbach, die vorstädtische Färberei und die Walkmühle (Walche) in der Mitte. Wuchtig erheben sich das Paradiesbollwerk mit der Neumühle an der Limmat und die erhöhte St. Leonhardschanze, Teile der sternförmigen Stadtbefestigung von 1644–1675. Die frühneuzeitlich verstärkte innere Stadtmauer ragt in die Limmat hinein. Sie verfügt mit dem barocken Niederdorftor über einen Haupteingang in die Grosse Stadt. Der Niederdorfturm und rechts davon der Ketzerturm am Seilergraben sind Werke der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung, mit dem Bau des Predigerchors wurde kurz vor 1325 begonnen.
  • <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Gedenkblatt zur Landesausstellung 1883. Gedruckt in der Arbeitsgalerie der Lithographen-Genossenschaft Aussersihl, gezeichnet von  Ernst Conrad (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). An der Landesausstellung von 1883 präsentierte sich Zürich erstmals als Grossstadt. Zum Ausstellungsgelände gehörte der Platzspitz beim Zusammenfluss von Limmat und Sihl ebenso wie das Industriequartier Aussersihl (vorne rechts im Bild). Im Mittelgrund sind das Hochschulquartier (ganz links), der Hauptbahnhof und das neue Geschäftsviertel an der unteren Bahnhofstrasse dargestellt. Die Altstadt wird als Kirchenstadt mit den Silhouetten von Grossmünster, Fraumünster und St. Peter gezeigt.
  • <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Plakat der Freisinnig-Demokratischen Partei zu den Stadt- und Gemeinderatswahlen im Jahr 1928, gestaltet vom Werbebüro  Max Dalang (Schweizerisches Sozialarchiv, F Ob-0003-022). Die Gefahr eines linken Wahlsiegs wurde als bedrohliche rote Wolke über den Wahrzeichen von Zürich dargestellt.
  • <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Wahlplakat der Sozialdemokratischen Partei der Stadt Zürich, gestaltet von  Otto Baumberger,   1931 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
  • <b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Quellen: Kantonale Volkszählung (1836); eidgenössische Volkszählungen (ab 1850); städtische Volkszählung (1894; zur Erfassung der Bevölkerung nach der ersten Eingemeindung)  © 2012 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.

Zürich (Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Kantonshauptstadt und Bezirkshauptort, am Ausfluss der Limmat aus dem Zürichsee zwischen Albiskette im Westen sowie Adlisberg und Zürichberg im Osten gelegen. Um 200 statio Turicensis/Turicum, 680-700 Ziurichi, franz. Zurich, ital. Zurigo, rätorom. Turitg.

Nach spätkelt. und röm. Anfängen entwickelte sich die an der Schnittstelle von schiffbaren Routen und Landwegen gelegene Stadt ausgehend von den frühma., z.T. befestigten Siedlungskernen Lindenhofhügel und Fraumünster-Münsterhof links sowie Niederdorf und Grossmünster rechts der Limmat. Diese wurden im 12. Jh. durch eine umfassende, im 13. neu gebaute Stadtbefestigung umschlossen; der Stadelhof blieb ausserhalb der Mauer. Der Bau der barocken Schanzenanlage führte im 17. Jh. zu einer Erweiterung des befestigten Siedlungsraums. Mit der Stadtvereinigung von 1893 kamen die Gem. Aussersihl, Enge, Fluntern, Hirslanden, Hottingen, Leimbach, Oberstrass, Riesbach, Unterstrass, Wiedikon, Wipkingen und Wollishofen zur Stadt. 1934 folgten Affoltern bei Zürich, Albisrieden, Altstetten, Höngg, Oerlikon, Schwamendingen, Seebach und Witikon.

Z. ist Sitz von Institutionen des Bundes (ETH und Nationalmuseum), privater (Tamedia) und öffentl. Medienunternehmen (Schweizer Radio und Fernsehen) sowie internat. Organisationen von Fussball (FIFA) und Eishockey (IIHF). Als Wirtschaftszentrum der Schweiz beherbergt die Stadt zahlreiche Banken und Finanzdienstleister wie UBS, Credit Suisse Group (Schweizerische Kreditanstalt), Swiss Re (Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft), Swiss Life (Rentenanstalt) und Zurich Financial Services (Zürich Versicherungen), nationale Firmen wie die Migros sowie international tätige Unternehmen wie IBM Schweiz, Google, Siemens (Siemens-Albis) und Asea Brown Boveri (ABB).

Bevölkerung Züricha
JahrEinwohner
1408ca. 5 700
1467ca. 4 750
1529ca. 5 100
16378 621
16719 590
168211 110
176211 452
179210 734
18129 715
183614 243

Jahr18501870b18881900191019301950197019902000
Einwohner41 58565 668103 862168 021215 488290 937390 020422 640365 043363 273
Anteil an Kantonsbevölkerung16,6%23,1%30,8%39,0%42,8%47,1%50,2%38,2%31,0%29,1%
Sprache          
Deutsch  100 220157 554195 371268 737355 471349 375281 317282 277
Italienisch  1 1645 44311 86110 63915 12137 77624 94817 063
Französisch  1 3862 7453 7527 16312 06310 0917 9537 746
Andere  1 1882 2794 5044 3987 36525 39850 82556 187
Religion, Konfession          
Protestantisch38 89055 82779 603116 502139 649189 773253 224232 080148 820116 630
Katholischc2 7448 80721 68047 20065 93886 411117 376167 374141 190120 853
Andere561 6542 6754 3199 90114 75319 42023 18675 033125 790
davon jüdischen Glaubens  1 2222 7295 3385 3246 1695 4774 8234 903
davon islamischen Glaubens       1 0559 29620 888
davon ohne Zugehörigkeitd       8 78036 69661 153
Nationalität          
Schweizer38 45956 50982 130121 612145 159247 128357 843348 643276 496256 887
Ausländer3 2319 77921 82846 40970 32943 80932 17773 99788 547106 386

a Angaben 1850-2000 gemäss Gebietsstand 2000

b Einwohner: Wohnbevölkerung; Religion, Nationalität: ortsanwesende Bevölkerung

c 1888-1930 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

d zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

Quellen:Statistik Stadt Zürich; eidg. Volkszählungen

1 - Von der Urgeschichte bis zum Hochmittelalter

1.1 - Urgeschichte

Älteste Siedlungshinweise auf Stadtgebiet sind am Katzensee gefundene Silexgeräte aus dem Mesolithikum. Zahlreiche Fundstellen am und im unteren Seebecken belegen eine bedeutende Besiedlung während des Neolithikums und der Bronzezeit im Zeitraum von etwa 4'300 bis 800 v.Chr. Die ältesten Pfahlbaufunde stammen von der ehem. Insel Kleiner Hafner vor dem Bellevue. Reste prähist. Landsiedlungen sind nur punktuell erfasst. Am Letten und bei der Rathausbrücke fand man in der Limmat Metallobjekte aus der Bronzezeit, die vielleicht als Weihegaben dort deponiert wurden. In der Hallstatt- und frühen Latènezeit befand sich auf dem Uetliberg eine wichtige Zentralsiedlung. In Höngg, im Balgrist und im Burghölzli untersuchte Grabhügel dieses Zeitraums enthielten Bestattungen mit z.T. reichen Beigaben. Aus der frühen und mittleren Latènezeit sind auf Stadtgebiet vereinzelte Grabfunde bekannt.

Autorin/Autor: Andreas Motschi

1.2 - Spätlatènezeit, römische Epoche, Merowingerzeit

Auf dem links der Limmat gelegenen Moränenhügel mit den Erhebungen Lindenhof, St. Petershügel und dem heute abgetragenen Sihlbühl im Norden ist ab 80 v.Chr. ein kelt. Oppidum nachweisbar, in dem eine wohlhabende Führungsschicht u.a. eine Münzprägestätte betrieb. Der rätselhafte Fund eines Klumpens aus über 17'000 verschmolzenen kelt. Münzen der Zeit um 100 v.Chr., der in der südl. Bahnhofstrasse zum Vorschein kam, lässt an eine im Wasser deponierte Opfergabe denken.

Die Besiedlung setzte sich in röm. Zeit bruchlos fort. Die Stationierung von röm. Militär erfolgte entgegen früherer Ansicht nicht erst während des Alpenfeldzugs 16-15 v.Chr., sondern bereits ab 40 bzw. 30 v.Chr. in der bestehenden kelt. Siedlung. Darauf weisen Funde von Militaria und Importgütern aus dem Mittelmeerraum wie Dünnwandkeramik, Sigillata-Geschirr und Öllämpchen mit Bildmotiven hin. Auf beiden Seiten der Limmat entwickelte sich ein ziviles kleinstädt. Zentrum (vicus?). Ein um 200 datierter Grabstein nennt die Statio Turicensis, eine Zollstation des gall. Zolls für den Warenverkehr im Grenzbereich zu Rätien. An der Bucht unter dem Weinplatz stand eine öffentl. Therme. Bei der Rathausbrücke werden ein Hafen und ein Flussübergang vermutet. Auf dem Grossen Hafner, einer ehem. Insel vor dem Seefeld, befand sich ein vom 1.-4. Jh. aufgesuchtes Inselheiligtum, das gemäss Jahrringchronologie 122 auf rundem Grundriss mit Holzpfosten neu errichtet wurde. Um einen weiteren Tempel dürfte es sich bei dem an der Storchengasse freigelegten Rundbau handeln. Der von Bärenjägern (ursari) den Gottheiten Diana und Silvanus gestiftete Weihestein und ein Depot mit Goldschmuck zeigen möglicherweise ein weiteres Heiligtum im Oetenbachareal an. Das Bruchstück eines Viergöttersteins stammt vom Sockel einer Jupitergigantensäule. An den archäologisch untersuchten Wohnbauten ist für die Zeit um 70 der Übergang zur Steinbauweise zu beobachten.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Vogelfibelpaar aus dem reich ausgestatteten Frauengrab an der Bäckerstrasse, 6. Jahrhundert (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Die goldenen Kleiderschliessen sind mit Almandin- und Glaseinlagen verziert.<BR/>
Vogelfibelpaar aus dem reich ausgestatteten Frauengrab an der Bäckerstrasse, 6. Jahrhundert (Schweizerisches Nationalmuseum).
(...)

In spätröm. Zeit, wohl im frühen 4. Jh., wurde die Kuppe des Lindenhofhügels mit einem Kastell befestigt, das der Zivilbevölkerung Wohnsitz und Zuflucht auch in der Zeit nach dem Abzug der Truppen und dem Ende der weström. Reichsverwaltung bot. Auf eine mehrheitlich rom. Bevölkerung lassen die im Gräberfeld Bäckerstrasse untersuchten Bestattungen aus dem 6. Jh. schliessen. Darunter befindet sich auch das Grab einer Frau mit germ., in den fränk. Raum weisender Fibeltracht. Bei den am St. Petershügel untersuchten Platten- und Mauergräbern wurden auch Mörtel, Verputz und Kalktünche benutzt. Sie belegen damit, dass in röm. Zeit eingeführte Bautechniken in einem Friedhof des 7. Jh angewendet wurden. Die Beigabe von zwei Schwertern (Spatha, Sax) in einem Männergrab folgt germ. Grabbrauch. Im Innern des Kastells wurden im 7. und 8. Jh. nach Geländearbeiten mehrere Steinbauten errichtet. Reste von Holzhäusern aus derselben Zeit wurden im Niederdorf gefunden.

Autorin/Autor: Andreas Motschi

1.3 - Stadt der Könige und Herzöge (8.-12. Jahrhundert)

Im 8. und 9. Jh. war Z. der Mittelpunkt eines ausgedehnten karoling. Reichsgutkomplexes von polit. und wirtschaftl. Bedeutung. Mit dem um 760 gebildeten Fiskus Z. entstand eine Verwaltungsorganisation, die an Funktionen des alten Kastellorts anknüpfte. Dazu gehörte der Königshof, der u.a. den Albisforst und Besitz in Uri umfasste und dessen wirtschaftl. Zentrum der Stadelhof war. Mit diesem stattete Ludwig der Deutsche in einer 853 beurkundeten Schenkung das Kloster Fraumünster aus. Äbtissinnen waren seine Töchter Hildegard und Berta, was die enge Bindung des Konvents an das Königshaus belegt. Auf dem Lindenhof freigelegte Fundamente eines Monumentalbaus sind als Reste eines karoling. Pfalzgebäudes zu deuten. Für die im 10. Jh. zur Verwaltung des weltl. und kirchl. Königsbesitzes als Vögte eingesetzten Hzg. von Schwaben war Z. ein Zentrum ihrer Herrschaft. Münzprägung, Markt- und Zollrecht illustrieren die Bedeutung von Wirtschaft und Handel. Im 11. und 12. Jh. sind Wirtschaftsbeziehungen bis in den Ostseeraum belegt.

Nach 1000 setzten die Königsbesuche in Z. wieder ein: Heinrich III. weilte 1045-55 sechsmal in der Pfalz auf dem Lindenhof und liess sie zu einer Residenz mit zweigeschossigem Saal und Kapelle ausbauen. Nach dem Verlust der Funktion als Pfalzort beschrieb Otto von Freising in der Mitte des 12. Jh. Z. immer noch als vornehmste Stadt Schwabens. Im stauf.-zähring. Ausgleich von 1098 schied Z. aus dem Herrschaftsbereich der stauf. Herzöge aus. Die schon 976 als Stifts- und Klostervögte eingesetzten Gf. von Lenzburg wurden bestätigt, die Hzg. von Zähringen als Inhaber der Reichsrechte eingesetzt. Nach dem Aussterben der Lenzburger waren die Zähringer 1173-1218 alleinige Stadtherren. Ihnen ist wohl der Umbau der Königspfalz zur Burg mit Türmen und Gräben zuzuschreiben.

Die Konvente Fraumünster und Grossmünster bildeten im 10. Jh. mit der Wasserkirche und den Pfarrkirchen St. Peter und St. Stephan eine aussergewöhnl., vom lokalen Märtyrerkult um Felix und Regula geprägte Sakrallandschaft. Die älteste archäologisch nachgewiesene Kirche der Benediktinerinnenabtei Fraumünster ist ein Grossbau des 9. Jh. mit Querhaus und drei Apsiden. An seiner Stelle stand zuvor ein frühma. Pfostenbau unbekannter Funktion. In seiner Frühzeit besass das Kloster eine Einfriedung mit Graben. Das Chorherrenstift Grossmünster galt als Ort der Grablegung der Stadtheiligen. Die im ausgehenden 8. Jh. niedergeschriebene Leidensgeschichte berichtet von Wundern an ihren Gräbern, was vermuten lässt, dass bereits um diese Zeit ein Kultbau bestand. Unbekannt ist, ob der als Stifter verehrte Karl der Grosse sich um die Grabstätte bemüht hatte. Die Grossmünsterkirche wurde zwischen 1100 und 1230 als spätrom. Bau anstelle eines Vorgängerbaus neu errichtet. Die Wasserkirche, deren ältester Vorgängerbau sich auf 1000 datieren lässt, beherbergt den Märtyrerstein. Dieser bezeichnete die Stelle auf einer Limmatinsel, die als Ort der Enthauptung der Stadtheiligen verehrt wurde. Die 857 erstmals erw. Kirche St. Peter ist ab dem 12. Jh. als Pfarrkirche bezeugt; sie folgte vielleicht auf die abgegangene Kirche St. Stephan westlich des Lindenhofs. Aufgrund einer Schenkung entstand 1127 das Augustinerchorherrenstift Sankt Martin auf dem Zürichberg.

Im 8. Jh. einsetzende Schriftquellen geben Hinweise auf die Topografie der Siedlung: castrum, castellum und civitas verweisen auf das Kastell bzw. den Kastellort, vicus auf die unbefestigten Siedlungsteile, villa und curtis auf die Hofstellen. Aus karoling. Zeit stammen Holzbauten in der Umgebung des Fraumünsters sowie Aufschüttungen für eine mutmassl. Verbauung am östl. Limmatufer. Der am oberen Rennweg gefasste erweiterte Befestigungsgraben des Lindenhofs wird ins 10.-11. Jh. datiert. Die intensive Bautätigkeit des 12. Jh. schlug sich auch in der schriftl. Überlieferung nieder. Archäologisch belegt sind die erste umfassende Stadtmauer und eine Bossenquadermauer am Limmatufer. Im östl. Stadtteil vermitteln regelmässige Abfolgen von Gebäudekomplexen, Gassen und Ehgräben den Eindruck von planmässig angelegten Parzellen. Der viergeschossige Kernbau des Zunfthauses zu Zimmerleuten ist auf 1156 dendrodatiert.

Autorin/Autor: Andreas Motschi

2 - Herrschaft und Politik vom Hochmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

2.1 - Die Stadt wird selbstständig

Die 1098 den Hzg. von Zähringen übertragene Reichsvogtei Z. blieb zwar nach deren Aussterben 1218 bestehen, doch verlieh sie der König nicht mehr als erbl. Amt an einen Fürsten, sondern zeitlich beschränkt an einen Reichsbeamten, der in der Regel aus der Bürgerschaft stammte. Die damit durch Kaiser und Reich bescheinigte Reichsunmittelbarkeit der Stadt, die bis 1512 mehrmals bestätigt wurde, bildete die Grundlage zur allmähl. Ausbildung einer städt. Selbstverwaltung. Das alte Herrschaftszentrum auf dem Lindenhof muss im frühen 13. Jh., nach urkundl. Überlieferung lange vor 1271, von den Stadtbewohnern zerstört worden sein.

Wie das Grossmünsterstift wurde auch das Fraumünsterstift aus vogteil. Bevormundung befreit. Dessen Äbtissin erhielt den Rang einer Reichsfürstin (belegt ab 1234), ernannte schon früh den Schultheissen und beeinflusste die Wahl der übrigen Amtspersonen. Sie verlieh das Münz- und Zollrecht, bestimmte Münzfuss und Masse und beurkundete mit ihrem Siegel noch lange auch die städt. Rechtsgeschäfte. Ab Ende des 13. Jh. gerieten die grundherrschaftl. Rechte und Regalien der Abtei zunehmend in den Einflussbereich der wirtschaftlich erstarkten Bürgerschaft, z.B. in Form von befristeten Münzrechtsverleihungen (ähnlich wie beim Markt- oder Zollrecht). Die niedere Gerichtsbarkeit verblieb jedoch beim Stift. Die Äbtissin beglaubigte auch die "Geschworenen Briefe" und Rechtsbücher, bis Ks. Sigismund 1433 der Bürgerschaft die selbstständige Änderung der Gesetzestexte erlaubte. Bedingt durch den ökonom. Zerfall des Fraumünsters mischte sich die Stadt im SpätMA zunehmend in die Klosterangelegenheiten ein. Die wirtschaftl. Verhältnisse verbesserten sich zwar; dennoch wurde das Kloster in der Reformation 1524 aufgehoben und das Klostergut eingezogen. Die Stadt fasste das Fraumünstergut zum Fraumünsteramt zusammen. Das ehem. Klostervermögen wurde vom übrigen Klostergut gesondert verwaltet und dazu 1533 das Obmannamt eingerichtet.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

2.2 - Kommunale Verfassung und städtische Institutionen

Ein Rat ist in Z. ab 1220 nachweisbar. Da der Reichsvogt den Rat präsidierte, ist anzunehmen, dass dieser aus dem Reichsvogteigericht hervorging. Bis Mitte des 13. Jh. sind die genauen Kompetenzen des Rats nicht bekannt, doch traten dessen Mitglieder anfangs vorwiegend als Zeugen bei Handänderungen auf. Ab 1250 ist er anhand der Ratslisten besser fassbar (1252 vollständig erw.). Die zwölf Mitglieder umfassende Ratsrotte von Rittern und Bürgern teilte sich in einen Fasten-, Sommer- und Herbstrat mit einer Amtsdauer von je vier Monaten. Diese Urkunde wurde im 1252 erstmals erw. Rathaus (in domo nostrae universitatis) ausgestellt. Der um 1250 erstmals abgefasste Richtebrief ist die älteste Kodifikation der städt. Gesetze. In der erneuerten Fassung von 1304 wurde zwar die Bildung von Zünften als polit. Gruppierungen verboten, hingegen blieben sie als Berufsgenossenschaften bestehen.

Nach dem fehlgeschlagenen Angriff auf Winterthur 1292 verdrängte das bürgerl.-kaufmänn. Patriziat die Ritter zunehmend aus dem Rat. Den Machtzuwachs der Patrizier stoppte 1336 die Brun'sche Zunftrevolution. Im "Ersten Geschworenen Brief" ist der Rat in einen Baptistal- und Natalrat mit je halbjähriger Amtsdauer aufgeteilt. Er setzte sich aus 26 Mitgliedern zusammen: 13 Räte stellte die Konstaffel, welche sieben Ritter und sechs Grosskaufleute umfasste (consules), die 13 anderen Räte waren die Zunftmeister (scabini) der 13 neu gebildeten Zünfte. Bürgermeister Rudolf Brun wurde, mit diktator. Vollmachten ausgestattet, auf Lebenszeit gewählt. Die nach Rapperswil verbannten Räte versuchten u.a. in der Zürcher Mordnacht 1350 erfolglos, die Macht zurückzugewinnen. Die Zunftverfassung blieb in modifizierter Form bis 1798 in Kraft.

Im "Zweiten Geschworenen Brief" 1373 wurden die Amtsbefugnisse des Bürgermeisters zugunsten des Rats eingeschränkt und seine Amtszeit auf den halbjährigen Ratsturnus beschränkt. Die Räte der Konstaffel sollten neu vom abtretenden Rat, den consules und scabini, gewählt werden, was zur Zunahme von Kaufleuten und Grundrentnern im Rat zulasten der Ritter führte. Die Handwerker wurden ratsfähig, während sie zuvor nur über die Zunftmeister vertreten waren. Der nach dem sog. Schöno-Handel 1393 vereinbarte "Dritten Geschworene Brief" sanktionierte die Wahl von Zünftern unter die consules und machte den Gr. Rat zusammen mit dem Kl. Rat zur obersten staatl. Gewalt. Nach den Judenpogromen von 1401 verteidigte der Gr. Rat nicht nur sein Recht auf Selbstergänzung, sondern wählte de facto auch die Vorgesetzten der Zünfte. Ab dem 15. Jh. übernahm das Zunftmeisterkollegium aufgrund verbriefter Rechte die Kontrolle im Rat und in den Zünften. Nach dem Sturz Hans Waldmanns 1489 (Waldmannhandel) wurden die Zunftbefugnisse wieder auf den gewerberechtl. Bereich beschränkt. Nach dem 1489 erlassenen "Vierten" bzw. dem "Fünften Geschworenen Brief" von 1498 hatten Berufsgruppen wie Kaufleute, Goldschmiede, Grundrentner und freie Gewerbe freie Zunftwahl, was zur Durchbrechung der Zunftverfassung führte, die Machtkonzentration in den Händen einer Oberschicht auf Kosten der Handwerker ermöglichte und die Konstaffel zusätzlich schwächte. In diese wurden ab 1490 auch die Hintersassen und damit ein Teil der ärmeren Bevölkerung aufgenommen.

Der Gr. Rat oder Rat der Zweihundert setzte sich ab Ende des 15. Jh. aus beiden Bürgermeistern, 48 Mitgliedern des alten und des neuen Kl. Rats, 144 Zwölfern (je zwölf Räte der zwölf Zünfte) und den Achtzehnern (18 Konstaffelherren) zusammen und zählte 212 Mitglieder. Die Kleinräte wurden von den amtierenden Klein- und Grossräten gewählt. Zu den Kompetenzen des Gr. Rats gehörten Entscheide über Krieg und Frieden, Abschluss neuer Bündnisse, Wahl von Bürgermeister, Rat, Vögten und Amtleuten sowie steuerrechtl. Angelegenheiten. Zudem wurden die wichtigeren Geschäfte dem anfangs unterschiedlich besetzten und schliesslich aus den neun Standeshäuptern gebildeten Geheimen Rat zur Vorberatung vorgelegt, einem Kollegium, das ab 1633 permanent eingesetzt wurde. Weitere wichtige Gremien waren der für den Staatshaushalt zuständige Rechenrat und der Kriegsrat.

Bis zum Ende des Ancien Régime wurden die "Geschworenen Briefe" noch zweimal geändert. Im "Sechsten Geschworenen Brief" 1654 wurde die freie Zunftwahl der Kaufleute bestätigt, was deren Vormachtstellung festigte. Auch der "Siebte Geschworene Brief", der als Reaktion auf die Bürgerunruhen 1712-13 erlassen wurde, änderte daran nichts mehr. So stieg der Anteil der Kaufleute an der Bürgerschaft 1599-1790 von 3% auf 12%, deren Präsenz im Rat im selben Zeitraum aber von 8% auf 40%. Um den Ämterkauf, das sog. Praktizieren, zu erschweren, wurde das geheime Wahlverfahren für die Zunftmeister eingeführt, was ihre Wiederwahl allerdings nicht verhinderte. Da sich die Obrigkeit gegenüber den Handwerkern durchsetzte, blieb diese letzte Verfassungsreform zwar in ihren Ansätzen stecken, hingegen verminderten sich die Streitigkeiten innerhalb der Führungselite.

Bereits ab Ende des 15. Jh. kam es in Z. - ähnlich wie in anderen Zunftstädten - zur Aristokratisierung und Intensivierung des Obrigkeitsstaats, begünstigt durch die ab Mitte des 16. Jh. verstärkte Abschliessung des Bürgerrechts und infolge der durch Reformation und Säkularisation bedingten Aussicht der Räte auf Übernahme von Vogtei- und Klosterämtern. Eine polit. Karriere war unter diesen Voraussetzungen durchaus attraktiv, wobei neben dem Vermögen die persönl. Beziehungen entscheidend für die Wahl in solche Ämter waren. Die von der Kirche an die Stadt gelangten Aufgaben führten - v.a. im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen - zu einem Ausbau des Verwaltungsapparats, während polizeil.-militär. Funktionen wie die allg. Dienstpflicht und der Wachtdienst weiterhin z.T. direkt in den Zuständigkeitsbereich von Konstaffel und Zünften fielen. Im ausgehenden 18. Jh. hatten die Zünfte als Körperschaften v.a. organisator. Bedeutung, politisch massgebend war jedoch die aus den Machteliten der Kaufleute und des Stadtadels hervorgegangene Obrigkeit. Die Kompetenzen der Bürgerschaft beschränkten sich im Ancien Régime auf die bei Bedarf einberufene Bürgerversammlung und auf die Ablegung des Bürgereids an den Schwörtagen.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

2.3 - Stadtanlage, öffentliche und private Bauten

Am rechten Ufer der Limmat entwickelte sich die sog. Mehrere Stadt mit den Wachten Auf Dorf, Linden, Neumarkt und Niederdorf, am linken Limmatufer die sog. Mindere Stadt mit den Wachten Münsterhof und Rennweg. Ausserhalb des Stadtkerns entstanden die drei Vorstadtquartiere Hirschengraben, Stadelhofen und Talacker. Die ummauerte Stadt umfasste 38 ha und grenzte sich mit vorgelagerten Wehrmauern vom Umland ab. Mit dem Bau der Befestigungsanlagen im 13. Jh., die auf eine ältere Stadtmauer folgte, verlagerte sich das polit. Zentrum vom Lindenhof an die Limmat. Im Rahmen der damit verbundenen Stadterweiterung entstanden auch das Kloster Oetenbach und der Rennweg links der Limmat. Die beiden Stadtteile verbanden zwei in der 1. Hälfte des 13. Jh. entstandene Brücken, die untere oder Rathausbrücke und die obere oder Münsterbrücke. Zwei Brücken führten zudem über die Sihl. Mühlen standen auf den Mühlestegen, am rechten Limmatufer und weiter flussabwärts. Aus verteidigungstechn., städtebaul. und ökonom. Gründen wurde von 1642 bis zum 18. Jh. eine sternförmige Schanzenanlage gebaut, die die ummauerte Fläche verdoppelte.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Zürich von Westen. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, um 1540 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Die älteste druckgrafische Ansicht von Zürich zeigt links der Limmat die Kleine Stadt (im Vordergrund), rechts der Limmat die Grosse Stadt mit dem Predigerchor und dem Grossmünster, zudem das untere Seebecken mit der Grenzsäule des Stadtbanns (Niklausstud beim Zürichhorn). Der Fröschengraben sowie die Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert und zwei frühneuzeitliche Bollwerke schützen die Kleine Stadt mit Fraumünster, Pfarrkirche St. Peter, Augustinerkloster, Lindenhof, Kloster Oetenbach, Schützenhaus und Werdmühle mit Wappenmalerei sowie Treppengiebeln (von rechts nach links). Pfahlreihen und ein Schiffstor (Grendel) trennen den Limmatraum vom See. Der Wellenbergturm (Gefängnis) steht frei im Wasser. Limmatabwärts verbinden die obere und untere Brücke sowie die beiden Mühlestege die Stadtteile.<BR/>
Zürich von Westen. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, um 1540 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
(...)

Sakralbauten, Steinhäuser wie Rittertürme und Zunfthäuser und Holzbauten prägten das spätma. Stadtbild. Geschlossene Gassenzüge gab es ab dem 14. und 15. Jh. Frühe Steinbauten gruppierten sich um die kirchl. Zentren Fraumünster, Grossmünster, St. Peter und die beiden Limmatbrücken. Für den Getreidehandel wurde im späten 13. Jh. das Kornhaus am Weinplatz eingerichtet, im 17. Jh. aber an die obere Brücke verlegt. Nach einem ersten Rathaus entstand ab 1397 an derselben Stelle ein zweites und 1694-98 am rechten Limmatufer das heute noch bestehende Gebäude. Ebenfalls an der Limmat wurde um 1468 das Richthaus (später Hauptwache), das 1253 erw. Helmhaus an der Giebelseite der Wasserkirche, das dem Textilhandel, der Qualitäts- und Masskontrolle sowie dem Einzug des Warenzolls diente, und ihm gegenüber der Hottingerturm mit Kaufhaus ab 1412 und späterem Salzhaus errichtet. Für öffentl. Bauprojekte war das Bauamt zuständig. Neben dem Schützenhaus am Platz nordwestlich der ma. Stadtmauer war das Bauhaus im Kratzquartier der wichtigste Repräsentationsbau des 16. Jh.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Stadtansicht von Norden, 1770. Kupferstich aus der Serie "Hundert Schweitzer-Prospecte" von  Johann Balthasar Bullinger (Zentralbibliothek Zürich, Abteilung Karten und Panoramen).<BR/>Das fünfteilige Bild zeigt von links nach rechts: Die Siedlung Stampfenbach, die vorstädtische Färberei und die Walkmühle (Walche) in der Mitte. Wuchtig erheben sich das Paradiesbollwerk mit der Neumühle an der Limmat und die erhöhte St. Leonhardschanze, Teile der sternförmigen Stadtbefestigung von 1644–1675. Die frühneuzeitlich verstärkte innere Stadtmauer ragt in die Limmat hinein. Sie verfügt mit dem barocken Niederdorftor über einen Haupteingang in die Grosse Stadt. Der Niederdorfturm und rechts davon der Ketzerturm am Seilergraben sind Werke der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung, mit dem Bau des Predigerchors wurde kurz vor 1325 begonnen.<BR/>
Stadtansicht von Norden, 1770. Kupferstich aus der Serie "Hundert Schweitzer-Prospecte" von Johann Balthasar Bullinger (Zentralbibliothek Zürich, Abteilung Karten und Panoramen).
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Nach der Vertreibung der jüd. Gemeinde 1436 wurde die Synagoge an der Froschaugasse in ein Wohnhaus integriert. Die in der Reformation aufgehobenen Klöster und Stadtkirchen wurden umgebaut und neuen Nutzungen zugeführt. So übernahm das im Niederdorf gelegene Heiliggeist-Spital die Bauten des Predigerklosters und die profanierte Wasserkirche wurde 1633-39 zur Bürgerbibliothek mit Kunstkammer ausgebaut. Zu den wichtigsten Profanbauten aus dem 17. und 18. Jh. gehören die erweiterten bzw. neu erbauten Zunfthäuser sowie die Häuser Zur Krone (später Rechberg), Zum Florhof und Zum Kiel, ferner ausserhalb der Schanzenanlage u.a. das Freigut, das Muraltengut in der Enge und der Beckenhof in Unterstrass.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

3 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur vom Hochmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

3.1 - Wirtschaft

Im SpätMA blühte in Z. das ab dem 13. Jh. belegte Seidengewerbe, das im Zentrum von ausgedehnten Handelsbeziehungen stand. Davon profitierten auch Woll- und Leinenweber, ferner das Ledergewerbe. Der Fernhandel bedingte die Anwesenheit von jüd., lombard. und südfranz. Geldverleihern, die mit den Wandmalereien im Haus zum Brunnenhof oder dem "Lamparterturm" an den oberen Zäunen Spuren hinterlassen haben. Nach dem Brun'schen Umsturz 1336 und dem Pestjahr 1350 verloren Textilgewerbe und Fernhandel an Gewicht. Nach dem Alten Zürichkrieg ging das Seidengewerbe zugrunde. Z. behielt einen regionalen Markt für Güter des tägl. Bedarfs sowie für den Getreide-, Wein-, Salz- und Eisenhandel. Der Fernhandel lief u.a. über den Gotthard und die Bündner Pässe.

Bis zum Ende des Ancien Régime war Z. eine von der Zunftverfassung geprägte Handwerkerstadt. Die Stadt besass das Marktmonopol und schützte die Tätigkeit der städt. Handwerker gegen äussere Konkurrenz. Innovationen waren nur ausserhalb des durch die Zünfte geregelten Bereichs möglich. Ansätze von Wirtschaftstätigkeiten für den Export wurden umgehend zugunsten der korporativen Interessen der die Zunftoligarchie dominierenden städt. Kaufleute monopolisiert. Von dem einst bedeutenden Textilgewerbe hatte in der 1. Hälfte des 16. Jh. nur noch die Tüchliproduktion überregionale Bedeutung. Ab der Jahrhundertmitte verhalfen prot. Glaubensflüchtlinge dem Textilhandwerk zu einem erneuten Aufschwung. Dank deren Handelsbeziehungen zu Italien wurde auch die Seidenindustrie in Z. wieder heimisch, viele neu gegr. Webereiunternehmen fielen aber zünft. Druck zum Opfer. Ab 1620 nahm die Zahl der Textilverlage mit einigen Schwankungen deutlich zu. Verlagskaufleute, die aus der Bürgerschaft und den nach Z. gelangten Hugenotten kamen und ihre Aktivitäten ausserhalb des Zunftzwangs entwickelten, setzten sich gegenüber dem zünftisch organisierten Textilgewerbe durch. Zur Verteidigung ihrer Interessen schlossen sie sich 1662 im Kaufmänn. Direktorium zusammen (1834 aufgelöst). Textilfabrikanten spezialisierten sich als Marchands-Banquiers und eröffneten Privatbanken. Als Bank wirkte auch die 1755 gegr. staatliche Zinskommission, die später zur Bank Leu wurde. Als Finanz- und Handelsplatz lag Z. jedoch bis Mitte des 19. Jh. hinter Basel, Genf und St. Gallen zurück.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

3.2 - Gesellschaft

In Z.s Laienbevölkerung werden zwischen dem 9. und 12. Jh. drei soziale Gruppen erkennbar: Unfreie des Klosters und des Stifts, die sog. Kirchenhörigen, Unfreie der Pfalz und des Königguts, die sog. Fiskalinen, sowie die Leute vom Zürichberg (homines de monte), die wahrscheinlich Freie waren. In der 1. Hälfte des 12. Jh. verschwand diese Differenzierung zugunsten einheitl. Bezeichnungen für die Stadtbewohner: laici de loco, cives, concives, burgenses, urbani. Diese bestanden aus Stadtbürgern, Aufenthaltern und Hintersassen. Im SpätMA bildeten Ritter und bürgerl. Patriziat die Oberschicht, der Grossteil der Handwerker die Mittelschicht, mittellose Handwerker, Gesellen, aber auch viele alleinstehende Frauen die Unterschicht. Zwischen den Schichten war soziale Mobilität durchaus möglich. Ein gewisses soziales Gefälle ist vom Zentrum zur Peripherie an den Stadtmauern, etwa dem Kratzquartier, festzustellen.

Die Bürgerschaft gliederte sich in soziale und berufsspezif. Gruppen: Rentner, Magistraten, Händler, Kaufleute, Handwerker, freie Berufe und Geistliche. Rentner lebten als Junker von ihrem Vermögen oder besetzten hohe öffentl. Ämter. Mit den Händlern und Kaufleuten waren sie die politisch bestimmende Kraft, während der Einfluss der Handwerker in der frühen Neuzeit zurückging. Unter den Kaufleuten standen zuerst Eisen-, Salz- und Textilhändler, später die auf Exportwirtschaft ausgerichteten Kaufleute und Textilverleger sowie Bankiers an der Spitze. Alle Bürger waren ab 1409 Mitglieder einer Zunft oder der Konstaffel; freie Berufe wie Juristen, Ärzte und Lehrkräfte konnten sich nach Wahl in eine Zunft oder die Konstaffel aufnehmen lassen. Die Pfarrstellen auf der Zürcher Landschaft waren, ausser bei einigen Winterthurer Kollaturen, Stadtbürgern vorbehalten und boten Aufstiegsmöglichkeiten für Handwerkersöhne. Aufenthalter, zu denen Mägde, weiteres Dienstpersonal und Gesellen gehörten, waren befristet in der Stadt; die v.a. im nichtzünft. Gewerbe und protoindustriellen Verlagswesen eingesetzten Hintersassen wurden je nach wirtschaftl. Bedarf in die Stadt aufgenommen. Ihr Anteil an der Stadtbevölkerung blieb daher relativ gering.

Die Zünfte übten neben polit. und wirtschaftl. auch soziale und kulturelle Funktionen aus. Das öffentl. Leben regelten Sittenmandate. Aus dem spätma. zünftischen Küchlimahl entwickelte sich im 18. Jh. das Sechseläuten, mit dem der Frühlingsbeginn gefeiert wurde. Erste Umzüge fanden ab 1818 statt. Das auf den Dreissigjährigen Krieg zurückgehende Knabenschiessen wurde erst 1809 institutionalisiert.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

3.3 - Kirche und religiöses Leben

Im SpätMA herrschte ein vielfältiges kirchl. Leben, bei dem der Kult um Felix und Regula eine zentrale identitätsstiftende Rolle spielte. Kirchen und Klöster waren für die Stadtentwicklung von grosser Bedeutung und wurden wie das Spital und die Siechenhäuser St. Jakob und Spanweid grosszügig dotiert. Im 13. Jh. entstanden die Frauenklöster Oetenbach, St. Verena und Selnau sowie die Klöster von Mendikantenorden der Augustiner-Eremiten, der Franziskaner und Prediger. Beginen und Begarden waren in der Nähe der Bettelorden ansässig.

In der Reformation wurden die Klöster aufgehoben und die Klostergüter in städt. Besitz überführt. Das nachreformator. Grossmünsterstift erhielt neue Aufgaben v.a. in der Theologenbildung. 1525 wurde ein städt.-kirchl. Ehegericht eingeführt. Der Antistes, gleichzeitig erster Pfarrer am Grossmünster, wurde vom Rat auf Lebenszeit gewählt. Als Vorsteher der Zürcher Kirche präsidierte er den kirchenpolitisch massgebenden Examinatorenkonvent und die Kirchensynode. Im 17. Jh. dominierte eine dogmatisch gewordene Kirche das öffentl. Leben der Stadt. Die Hinwendung von der prot. Orthodoxie zum aufklärer. Rationalismus und Pietismus ging nicht widerstandslos vonstatten. 1685 wurde eine franz. Kirche für prot. Glaubensflüchtlinge eingerichtet. Eine kath. Messe gab es erstmals wieder 1799.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

3.4 - Bildung und Kultur

Die ersten Stadtschulen waren die Lateinschulen am Fraumünster und am Grossmünster. Dt. Schulen vermittelten Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen, wobei anfangs nur Knaben unterrichtet wurden. Nach der Reformation reorganisierte die Kirche zusammen mit der Stadtregierung das von ihr geleitete Schulwesen neu. Oberste Stufe war die von Huldrych Zwingli gegr. Prophezey (ab 17. Jh. Carolinum), die Theologen ausbildete und später auch naturwissenschaftl. und geschichtl. Fächer anbot. Eine Zwischenstufe bildete das Collegium humanitatis. Für die Universitätsausbildung zogen die jungen Zürcher v.a. an die prot. Universitäten des Reichs. Ausgehend von aufklärer. Ideen entstanden neue Schultypen: 1774 wurde die Kunstschule, 1782 das medizin.-chirurg. Institut eröffnet. Die Bürgerbibliothek gab ab 1645 Neujahrsblätter zur Belehrung der Zürcher Jugend heraus; die ersten Zeitungen erschienen ab der 1. Hälfte des 17. Jh. Im gleichen Jahrhundert entstanden erste Sozietäten, u.a. das 1679 gegr. Collegium Insulanum und das 1685 gegr. Collegium anatomicum, im 18. Jh. u.a. die 1746 gegr. physikalische Gesellschaft und die 1765 gegr. Mathematisch-Militärische Gesellschaft.

Das Zürcher Musikleben spielte sich v.a. im häusl. Bereich, in der Kirche und in versch. Musikgesellschaften wie der 1613 gegr. Gesellschaft auf dem Musiksaal ab. Im 16. Jh. wurden auf dem Münsterhof Theaterstücke aufgeführt, an denen die ganze Stadt teilnehmen konnte. Das Theaterleben kam 1624 unter Antistes Johann Jakob Breitinger (1575-1645) aus puritan. Rigorismus vollständig zum Erliegen. Dank Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger (1701-76) wurde Z. im 18. Jh. zu einem Zentrum der deutschsprachigen Literatur. Zu den bedeutendsten Künstlern und Akademikern zählten Johann Heinrich Füssli, Salomon Gessner, Johann Kaspar Lavater und Johann Heinrich Rahn.

Autorin/Autor: Max Schultheiss

4 - Die politisch-administrative Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert

4.1 - Kommunale Verfassung und Behörden

Nach der Helvet. Revolution von 1798 trat der helvet. Einheitsstaat bzw. dessen kant. Verwaltungseinheiten die Rechtsnachfolge des alten Stadtstaats an. Zur polit. Gemeinde der ortsansässigen Aktivbürger, der die Munizipalität vorstand, kam 1799 die Bürgergemeinde hinzu. Diese wurde von der Gemeindekammer geleitet und übernahm die Armenpflege sowie die Verwaltung der Gemeindegüter. In der Mediationszeit wählte die Gemeindeversammlung der Bürger und der Niedergelassenen mit zweijährigem Aufenthalt oder städt. Grundbesitz aufgrund des kant. Gemeinderatsgesetzes von 1803 einen 15 Mitglieder zählenden Stadtrat. 1816 erliess der Gr. Rat des Kantons Z. auf der Basis der Restaurationsverfassung ein Organisationsgesetz für den Stadtrat. Letzterem wurde der Grössere Stadtrat beigeordnet, der aus je fünf Vertretern der 13 kantonal-städt. Wahlzünfte bestand. Dieser Ausschuss wählte den Gemeinderat, den Stadtpräsidenten und die Friedensrichter. Zudem entschied er über Bürgerrechte sowie die städt. Grundstückgeschäfte. Die Regenerationsverfassung von 1831 gab den Gem. das Recht, eigene Gemeindeordnungen zu erlassen. Nach der bereits 1831 geschaffenen, ersten Zürcher Gemeindeordnung bestand neben der Gemeindeversammlung als oberstem Organ ein Kl. Stadtrat aus sieben Mitgliedern sowie ein 60-köpfiger Gr. Stadtrat. Letzterer wurde bis 1866 von den Wahlzünften gewählt, obwohl diese auf kant. Ebene bereits 1838 abgeschafft worden waren. 1875 wurde aufgrund übergeordneter Gesetze die seit 1803 bestehende Armen- und Bürgergemeinde als Gebietskörperschaft aufgehoben und zu einem Personenverband der in Z. wohnhaften Stadtbürger umgewandelt. 1881 wurden der Kl. und der Gr. Stadtrat personell getrennt. Sie werden seither an der Urne gewählt. Das kant. Zuteilungsgesetz schaffte 1891 die Gemeindeversammlung ab und führte das kommunale Initiativ- und Referendumsrecht ein. Die Gemeindeordnung von 1892 erhöhte die Zahl der Stadträte von sieben auf neun. Seit 1913 wird der Gr. Stadtrat nach dem Proporz gewählt. Die Gemeindeordnung von 1933 benannte das Parlament in Gemeinderat um. 1969 wurde das kommunale Frauenstimmrecht eingeführt. Von der letzten Totalrevision der Gemeindeordnung von 1970 bis 2010 fanden 44 Teilrevisionen statt.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

4.2 - Das Gemeindegebiet

1798 wurde die Stadt in die drei Sektionen Oberdorf, Niederdorf und Kleine Stadt eingeteilt. Die starke Zuwanderung im 19. Jh., die v.a. die Vororte betraf und diese finanziell überforderte, führte schliesslich zur ersten Eingemeindung von 1893, die von der Aussersihler Petition von 1885 eingeleitet worden war. Sie machte Z. zur grössten Schweizer Stadt. Das kant. Zuteilungsgesetz von 1891 legte die Einteilung der fünf damals noch mit röm. Ziffern bezeichneten Stadtkreise Altstadt (I), Enge, Leimbach und Wollishofen (II), Aussersihl und Wiedikon (III), Oberstrass, Unterstrass und Wipkingen (IV) sowie Fluntern, Hirslanden, Hottingen und Riesbach (V) fest. 1913 wurden diese auf acht erhöht. Die Gemeindeordnung von 1933 vor der zweiten Eingemeindung von 1934 teilte Z. in elf Kreise auf: Altstadt (1), Enge, Leimbach und Wollishofen (2), Wiedikon (3), Aussersihl (4), Industriequartier (5), Oberstrass und Unterstrass (6), Fluntern, Hirslanden, Hottingen und Witikon (7), Riesbach (8), Albisrieden und Altstetten (9), Höngg und Wipkingen (10) und Affoltern, Oerlikon, Schwamendingen und Seebach (11). Seit 1970 bildet Schwamendingen den Kreis 12.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Gedenkblatt zur Landesausstellung 1883. Gedruckt in der Arbeitsgalerie der Lithographen-Genossenschaft Aussersihl, gezeichnet von  Ernst Conrad (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>An der Landesausstellung von 1883 präsentierte sich Zürich erstmals als Grossstadt. Zum Ausstellungsgelände gehörte der Platzspitz beim Zusammenfluss von Limmat und Sihl ebenso wie das Industriequartier Aussersihl (vorne rechts im Bild). Im Mittelgrund sind das Hochschulquartier (ganz links), der Hauptbahnhof und das neue Geschäftsviertel an der unteren Bahnhofstrasse dargestellt. Die Altstadt wird als Kirchenstadt mit den Silhouetten von Grossmünster, Fraumünster und St. Peter gezeigt.<BR/>
Gedenkblatt zur Landesausstellung 1883. Gedruckt in der Arbeitsgalerie der Lithographen-Genossenschaft Aussersihl, gezeichnet von Ernst Conrad (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Autorin/Autor: Nicola Behrens

4.3 - Politische Kräfte

Von 1799 bis Mitte des 19. Jh. dominierten die Konservativen die städt. Politik. Die städt. Liberalen spielten ab 1830 v.a. in der kant. Politik eine Rolle. Nach ihrer Rückkehr an die Macht im Kanton begannen sie nach 1845 auch die städt. Politik zu dominieren. In den 1860er Jahren arrangierten sich die Konservativen mit den Liberalen und schlossen sich ihnen politisch an. Die starke Zuwanderung ab Mitte des 19. Jh. begünstigte den Aufstieg der v.a. in Winterthur und in ländl. Gebieten verankerten demokrat. Bewegung, die auch sozialreformer. Ideen vertrat. 1866 wurde mit Spenglermeister Jakob Schnurrenberger der erste Nichtbürger in den Kl. Stadtrat gewählt. Bis zur ersten Eingemeindung war Z. eine liberale Hochburg. Die letzte Bastion konservativ gesinnter Stadtbürger, die Bürgergemeinde, fiel mit dem Gemeindegesetz von 1875, das die Einbürgerung von Schweizerbürgern erleichterte. In den Vororten wurden die Demokraten zur stärksten Kraft.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Plakat der Freisinnig-Demokratischen Partei zu den Stadt- und Gemeinderatswahlen im Jahr 1928, gestaltet vom Werbebüro  Max Dalang (Schweizerisches Sozialarchiv, F Ob-0003-022).<BR/>Die Gefahr eines linken Wahlsiegs wurde als bedrohliche rote Wolke über den Wahrzeichen von Zürich dargestellt.<BR/>
Plakat der Freisinnig-Demokratischen Partei zu den Stadt- und Gemeinderatswahlen im Jahr 1928, gestaltet vom Werbebüro Max Dalang (Schweizerisches Sozialarchiv, F Ob-0003-022).
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Im Gr. Stadtrat bzw. Gemeinderat dominierte bis 1907 die liberale Partei (ab 1917 FDP), die dann von der SP abgelöst wurde. 1928-38 besass das "rote Z." eine absolute Parlamentsmehrheit. 1938 zog der Landesring der Unabhängigen (LdU) in den Gemeinderat ein. Er bildete bis Ende der 1970er Jahre zusammen mit der CVP, die als Christlich-soziale Partei 1907 eine städt. Parteisektion gegründet hatte, und der Evang. Volkspartei die polit. Mitte. 2002 löste die aus der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei hervorgegangene SVP die FDP als stärkste bürgerl. Kraft ab.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Wahlplakat der Sozialdemokratischen Partei der Stadt Zürich, gestaltet von  Otto Baumberger,   1931 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
Wahlplakat der Sozialdemokratischen Partei der Stadt Zürich, gestaltet von Otto Baumberger, 1931 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Im Stadtrat dominierte 1892-1901 die demokrat. Partei mit fünf von neun Sitzen, ab 1907 die SP mit vier, ab 1928 mit fünf Sitzen. In der Exekutive endete das "rote Z." 1949 mit dem Tod von Stadtpräs. Adolf Lüchinger. Ab 1950 besetzte die SP in der Regel vier, die FDP und der 1999 aufgelöste LdU je einen bis zwei Sitze. 1970 wurde mit Emilie Lieberherr (SP) die erste Frau in den Stadtrat gewählt. 1990 wurde die SP wieder stärkste Partei, während die SVP ausschied. Seit 1994 regiert eine rot-grüne Mehrheit.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

4.4 - Städtische Güter und Finanzen

Das Vermögen des früheren Stadtstaats ging an die Helvet. Republik, die der Stadt 1798 provisorisch Güter überliess. Die Mediationsakte von 1803 sicherte ihr ein Vermögen zu, das die Kosten für das Schul-, Armen- und Kirchenwesen sowie das Bauwesen deckte. Die Polizei wurde aus Gebühren und Konsumsteuern finanziert. Schon ab 1802 bezog die Stadt von jedem Haushalt Einquartierungsabgaben. Die Niedergelassenen wurden ab 1833 für Polizei, Schule, Kirche und Strassenbau besteuert. Besassen sie Grundeigentum, mussten sie auch an die Kosten für öffentl. Bauten und Feuerwehr beitragen. Das Gemeindegesetz von 1855 stellte sie mit den Bürgern steuerrechtlich gleich; nun wurden direkte Gemeindesteuern erhoben, die aber das Armenwesen noch nicht betrafen. Das Zuteilungsgesetz von 1891 führte ein modernes Gemeindesteuersystem ein.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

4.5 - Soziales

Bis 1835 waren die Kirchgemeinden für das Armenwesen zuständig, dann wurden die städt. Zentralarmenbehörde und der allg. Armenunterstützungsfonds geschaffen. Die Privatwohltätigkeit, etwa durch die Hülfsgesellschaft oder die Gemeinnützige Gesellschaft, blieb bis ins 20. Jh. notwendige Ergänzung der kommunalen Fürsorge. Dann baute die Stadt schrittweise ihre Sozialleistungen aus. Bis das Heimat- durch das Wohnsitzprinzip im Sozialwesen ersetzt wurde, machte die steigende Mobilität im 19. Jh. die als Verein organisierte und von der Gemeinde getragene "Freiwillige und Einwohnerarmenpflege der Stadt Z." (1878-1929) nötig. Seit 1907 fördert die Stadt den Wohnungsbau direkt oder indirekt über die Unterstützung von Genossenschaften.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

4.6 - Städtische Werke und Betriebe

Die 1778 auf privater Basis eingeführte Strassenbeleuchtung wurde 1855 zur öffentl. Aufgabe. Zu diesem Zweck wurde ein Gaswerk errichtet, das zunächst als konzessioniertes Unternehmen und ab 1886 als städt. Betrieb geführt wurde. Es stand bis 1867 im Platzspitz, dann im Industriequartier und ab 1898 in Schlieren. 1974 erfolgte die Umstellung auf Erdgas. Nach der Choleraepidemie von 1855 kam Kritik an den hygien. Verhältnissen bei der Abfallentsorgung auf. 1860-73 wurde die Abwasserkanalisation erstellt, 1867 folgte die Kloakenreform. 1868 wurde die Trinkwasserversorgung verbessert, die den öffentl. Brunnen Quellwasser und den Haushaltungen Brauchwasser aus der Limmat zuleitete. Nach der Typhusepidemie von 1884 wurde das Wasser dem See entnommen und ab 1895 auch Quellwasser aus dem Sihl- und dem Lorzetal bezogen. 1904 wurde die Kehrichtverbrennungsanlage eröffnet, 1923 der Bau der Kläranlage und die Schwemmkanalisation beschlossen. 1892 nahm das städt. Elektrizitätswerk Letten den Betrieb auf. Die Stadt engagierte sich stark im Bau von Wasserkraftwerken (Albula, Heidsee, Limmat Wettingen, Julia Tiefencastel, Julia Marmorera, Bergeller Kraftwerke) oder beteiligte sich an Wasser- und Atomkraftwerken (Maggia, Blenio, Hinterrhein sowie den Atomkraftwerken Gösgen und Leibstadt, Bugey und Cattenom in Frankreich). Das 1888 eröffnete private Rösslitram ging 1894 in Gemeindebesitz über und wurde 1900 elektrifiziert. Bis 1931 übernahm die Städt. Strassenbahn Z. (ab 1950 Verkehrsbetriebe der Stadt Z., VBZ) alle privaten Tramgesellschaften. 1990 nahm der Zürcher Verkehrsverbund, der Zusammenschluss des VBZ mit sieben weiteren Verkehrsunternehmen, zusammen mit der S-Bahn den Betrieb auf.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

5 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert

5.1 - Stadtentwicklung und Verkehr

Bis 1830 war nur die Kernstadt dicht besiedelt, das übrige Stadtgebiet bestand aus Wiesen, Feldern, Weinbergen und Wald, Einzelhöfen und Villen von Städtern. Ab 1780 setzte der Abbruch der ma. Stadtmauer ein. 1833 begann der Kanton mit dem Schanzenabbruch, der Platz für öffentl. Bauten und Strassen schuf. Mit dem Bau von Münsterbrücke und Limmatquai ab 1835 orientierte sich Z. von der Limmat an den See. Der 1847 eröffnete Bahnhof ausserhalb der Altstadt löste die grosse Bauperiode 1860-90 aus. Bis 1859 entstand der Limmatquai, 1861-63 die Bahnhofbrücke, 1864-69 das Zeughaus und 1873-75 die Kaserne in Aussersihl, ab 1864 die Bahnhofstrasse, ab 1867 das Bahnhofquartier, 1861-64 das Polytechnikum, 1865-71 der neue Hauptbahnhof und 1873-75 die Schweiz. Kreditanstalt am Paradeplatz. Z. dehnte den Stadtbann in Selnau und am Neumühlequai aus und legte 1875-90 das Fraumünster-, 1876-78 das Prediger- und 1877-80 in Aussersihl das Industriequartier an. 1880-90 wurden Börse und obere Bahnhofstrasse, Seepromenade und Quaibrücke errichtet, danach die Seefront und der Stadthausquai bebaut. Das von Gustav Gull geplante neue Verwaltungszentrum mit Amtshäusern auf dem Oetenbachareal und entlang der Schipfe sowie eine Strassenverbindung vom Zähringerplatz an die Rämistrasse wurde nur z.T. realisiert. Die Struktur des Hauptstrassennetzes geht auf den allg. Bebauungsplan von 1899 zurück. Der internat. Wettbewerb für einen Bebauungsplan der Stadt Z. und ihrer Vororte (1915-18) prägte die künftige Entwicklung stark.

Ab 1930 erwarb die Stadt Häuser für die Altstadtsanierung. 1962 wurde die Altstadt unter städt. Schutz gestellt, was in vielen Fällen zu Auskernungen der Altstadthäuser führte. Das Konzept einer autogerechten Stadt wurde u.a. mit der Verbreiterung von Bahnhof- und Limmatquai, Bahnhofbrücke und Central nur z.T. realisiert. Hingegen kamen die im Generalverkehrsplan von 1955 vorgesehene Hochleistungsstrasse um die Altstadt, ein in der Volksabstimmung 1962 abgelehntes Unterpflaster- oder Tieftram und eine 1973 abgelehnte U-Bahn nicht zustande. Mit der Förderung des Autobahnbaus durch das Zentrum versuchte die Stadt innerstädt. Verkehrsprobleme mit Bundesmitteln zu lösen, doch führte die Eröffnung der provisor. Westtangente 1972 zu einem Umdenken. Nun fanden sich für Umweltanliegen regelmässig polit. Mehrheiten. Die Abwanderung der Industrie ab den 1970er Jahren brachte die Stadt in die finanzielle Krise der 1990er Jahre, liess aber auch Freiräume entstehen, die den Boom in Z.-West und Umnutzungen von Industriearealen zu Dienstleistungs- und Wohnquartieren in Oerlikon, im Giesshübel, in der Binz, in Altstetten und in Affoltern ermöglichten.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

5.2 - Wirtschaft

Anfang des 19. Jh. dominierten Baumwoll- und Seidengewerbe die städt. Wirtschaft. 1805 wurde die mechan. Baumwollspinnerei, später Maschinenfabrik Escher, Wyss & Cie. am Neumühlequai gegründet. Die Mühlen in der Limmat wurden bis 1895 zu Textilfabriken umgenutzt. Der Handel und die Verarbeitung der Seide erfolgten in Z., die Webereien lagen ausserhalb der Stadt. Der Bau der Eisenbahn ab 1847 ermöglichte die Entwicklung Z.s zum bedeutenden Industriestandort und zum Verkehrsknotenpunkt. Mit der Schweiz. Kreditanstalt, 1856 geschaffen zur Finanzierung von Textilindustrie und Eisenbahnbau, wurde Z. zum Bankenplatz. Die Schweiz. Rentenanstalt (1857) und die Schweiz. Rückversicherungsanstalt (1863) begründeten die Versicherungsbranche in Z. Gegen Ende des 19. Jh. verlagerte sich die Schwerindustrie aus dem Zentrum in die Aussenquartiere Aussersihl und Oerlikon. Die Textilindustrie verlor bis 1930 ihre führende Rolle an die Metall-, Maschinen- und Elektroindustrie. Im gleichen Zeitraum stieg Z. zum Finanzzentrum der Schweiz auf: 1929 war ein Viertel aller Bankangestellten und ein Drittel aller Versicherungsangestellten in der Schweiz in Z. tätig. In den 1980er und 90er Jahren lagerten die Finanzinstitute einen Teil ihrer Arbeitsplätze in die Vororte aus und die Region Z. rückte zu einem der zehn grössten Finanzplätze der Welt auf. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wurde die Stadt auch zum schweiz. Medienzentrum. Neben den grossen Zürcher Zeitungen "Neue Zürcher Zeitung" und "Tages-Anzeiger" erschienen hier diverse Blätter der Boulevard- und Regenbogenpresse wie der Blick. Zudem liess sich das Fernsehen der dt. und rätorom. Schweiz in Z. nieder.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

5.3 - Sozialstruktur und sozialer Wandel

Im frühen 19. Jh. dominierte politisch und wirtschaftlich die Minderheit der Altzürcher Geschlechter, die bereits vor 1798 zum Regiment gehört hatten. Lange grenzten sich diese gegenüber dem nachdrängenden Bürgertum ab, bis sich die Unterschiede im späten 19. Jh. zu verwischen begannen. Diese Oberschicht traf sich in z.T. exklusiven Vereinen wie den Schildnern zum Schneggen, den Bogenschützen, dem altzürcher. Club zur Weissen Rose oder dem Reitclub Zürich. Eher mittelständisch orientiert waren die Zünfte und einige Kultur- und Sportvereine wie etwa der Lesezirkel Hottingen oder der Grasshopper Club. Die Handwerker stellten die Mehrheit der Stadtbevölkerung, bis die Gleichstellung von Stadt und Land, der Wegfall von Privilegien durch die Aufhebung des Zunftsystems 1837 sowie die Industrialisierung ihre Existenzgrundlage unterminierte.

Industrialisierung und Zuwanderung wälzten die Bevölkerungsstruktur radikal um. Der Anteil der Bürger an der Stadtbevölkerung lag um 1800 noch bei 55,9%. Schon 1836 besassen die Niedergelassenen die Mehrheit. Mit der Zuwanderung aus der Inner- und der Ostschweiz, Süddeutschland und Österreich sowie später aus Italien und weiteren Mittelmeerländern wurde Z., das bis 1798 noch rein reformiert war, zu einer gemischtkonfessionellen Stadt. Auch die Zusammensetzung der Nationalitäten änderte sich radikal. Die Deutschen kamen ab 1830 als Akademiker oder qualifizierte Arbeitskräfte, einige davon als polit. Flüchtlinge nach Z. und gründeten hier 1856 einen Hilfsverein. Um 1900 war die Arbeitsimmigration aus Deutschland mehrheitlich weiblich. Die Italiener wanderten ab 1880 v.a. aus den ländl. Gebieten Norditaliens zu, waren vorwiegend im Bausektor tätig und organisierten sich nach und nach in Arbeitervereinen.

<b>Zürich (Gemeinde)</b><br>Quellen: Kantonale Volkszählung (1836); eidgenössische Volkszählungen (ab 1850); städtische Volkszählung (1894; zur Erfassung der Bevölkerung nach der ersten Eingemeindung)  © 2012 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.<BR/><BR/>
Bevölkerungsentwicklung der Stadt Zürich 1836-2010

Die wirtschaftl. und demograf. Umbrüche lösten auch soziale Spannungen aus, die sich 1871 im Tonhallekrawall und 1896 im Italienerkrawall entluden. Schon vorher hatten sich soziale Konflikte, trotz kant. Gewerkschaftsverbot 1844-69, in ersten Streiks der Schuhmacher, Spengler, Schlosser, Schreiner und Steinhauer niedergeschlagen, die 1870 einen ersten Höhepunkt erreichten. 1906-07 fanden in Z. mehr als 50 Streiks statt. Der Streik der Maler und Schlosser führte 1912 zum Generalstreik. Die Verschlechterung der Lebensverhältnisse im 1. Weltkrieg radikalisierte die Arbeiterschaft, förderte revolutionäre und pazifist. Ideen, die 1917 in den Novemberunruhen und 1918 im Landesstreik gipfelten. Von 1914 an sank die Zahl der Ausländer bis nach dem 2. Weltkrieg ständig, obwohl Z. v.a. ab 1933 zu einem Ziel der polit. und künstler. Emigration aus Deutschland wurde.

Der Wirtschaftsaufschwung nach dem 2. Weltkrieg löste die sozialen Milieus, die mit einem dichten Netz an eigenen Kultur-, Sport- und Geselligkeitsvereinen, Treffpunkten und Festen, Zeitungen und Verlagen gelebt hatten, weitgehend auf. An ihre Stelle traten Lebensstilmilieus. In der Sozialtopografie wurde der Gegensatz Zürichberg-Aussersihl/Industriequartier tendenziell vom Gegensatz Zentrum-Peripherie abgelöst. Ab 1950 setzte eine zweite ital. Arbeitsimmigration ein; in den 1970er Jahren wurde sie durch die Zuwanderung aus weiteren Mittelmeerländern abgelöst. Eine erneute erhebl. Zuwanderung aus EU-Staaten, v.a. aus Deutschland, begann nach Abschluss der bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU von 2002.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

5.4 - Kirchen und religiöses Leben

Bis 1798 lebten in Z. nur Reformierte, die in die vier Kirchgemeinden Grossmünster, Fraumünster, St. Peter und Prediger eingeteilt waren. 2013 waren es 34. Die erste von heute 23 kath. Pfarreien entstand 1807. Pfarrkirche war zunächst die St.-Anna-Kapelle, ab 1833 das Fraumünster und 1842-73 die Augustinerkirche, die im Kulturkampf an die neu entstandene christkath. Gemeinde ging. 1874 wurde St. Peter und Paul in Aussersihl geweiht.

Vor der Gewährung der Niederlassungsfreiheit 1862 waren die Juden, die v.a. aus Endingen, Lengnau (AG), Süddeutschland und dem Elsass stammten, nur geduldet. Im selben Jahr gründeten einige dieser Zuwanderer, darunter Mitglieder der Fam. Ris, die Israelit. Cultus-Gemeinde. Die osteurop. Einwanderung setzte in den 1870er Jahren ein. 1895 entstand die Israelit. Religionsgemeinschaft, 1912 Agudas Achim und 1978 Or Chadasch. Insgesamt hatten die jüd. Gemeinden nie wesentlich mehr als 6'000 Mitglieder. Antisemit. Vorurteile gegen mittellose ostjüd. Zuwanderer führten 1910 zu verlängerten Wohnsitzpflichten und 1920 zum v.a. gegen orthodoxe Juden gerichteten Kriterium der genügenden Assimilierung bei Einbürgerungen. 1963 wurde in Z. die erste Moschee der Schweiz, die Machmud-Moschee, eröffnet. Der Zuwachs der Muslime versch. Glaubensrichtungen ist hauptsächlich auf die Immigration von Arbeitskräften und polit. Flüchtlingen aus dem ehem. Jugoslawien und der Türkei zurückzuführen.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

5.5 - Bildung

1831-33 reformierten die Liberalen das Schulwesen im Kanton von Grund auf und integrierten die bestehenden Bildungsinstitutionen der Stadt ins neue Bildungssystem. Die 1833 eröffnete Universität Zürich, die schon 1840 Frauen zum Studium zuliess, und das 1855 gegr. Polytechnikum (Eidgenössische Technische Hochschulen) wurden im 19. Jh. stark von Professoren aus den Nachbarländern geprägt und gaben dem kulturellen Leben der Stadt Impulse. Sie brachten einige Nobelpreisträger hervor und machten Z. zum Forschungsstandort. Auch private Vereine wie die 1832 gegr. Antiquarische Gesellschaft, die 1834 gegr. Museumsgesellschaft und die 1837 gegr. Gelehrte Gesellschaft waren bis ins 20. Jh. wichtige Forschungs- und Bildungsinstitutionen. 1976 ging die 1875 gegr. städtische Höhere Töchterschule an den Kanton über, 1988 übernahm dieser die 1873 gegr. Gewerbeschule und die 1878 gegr. Kunstgewerbeschule. Letztere wurde 1998 zur Hochschule für Gestaltung und Kunst umgewandelt und 2007 in die Hochschule der Künste integriert.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

5.6 - Musik, Theater und bildende Kunst - Feste und Festspiele

Während das Musikleben in Z. im 18. und 19. Jh. blühte - die drei Musikgesellschaften schlossen sich 1812 zur Allg. Musikgesellschaft zusammen - verhinderten kirchl. Kreise das Schauspiel bis in die 1830er Jahre. 1834 entstand die Sprech- und Musikbühne des Aktientheaters, das 1837-43 von Charlotte Birch-Pfeiffer geleitet wurde und bis 1890 bestand. Im Casino am Hirschengraben (1806-74) gab auch Richard Wagner Konzerte. Die Tonhalle im Kornhaus beim Bellevue wurde 1867 für das Schweiz. Musikfest provisorisch und mit der Gründung der Tonhalle-Gesellschaft ein Jahr später definitiv eröffnet. Der Direktor des Tonhalle-Orchesters, Friedrich Hegar, gehörte auch zu den Initianten der 1876 gegr. Zürcher Musikschule (ab 1907 Konservatorium). Nach dem Brand des Aktientheaters wurde 1891 das Stadttheater am Bellevue erbaut, das 1964 in Opernhaus umbenannt wurde. Die 1895 errichtete neue Tonhalle ersetzte die Tonhalle im 1897 abgebrochenen Kornhaus; 1937 wurde sie ins Kongresshaus integriert. Direktor Ferdinand Rieser machte aus dem 1892 gegr. Volkstheater am Pfauen das Schauspielhaus, das ab 1933 die bedeutendste freie Bühne im deutschsprachigen Raum wurde. Die 1938 gegr. Neue Schauspiel AG bespielt seit 2000 auch die Schiffbauhalle in Z.-West.

Auf Initiative der Kunstgesellschaft, die ihrerseits aus der 1787 gegr. Zürcher Künstlergesellschaft hervorging, wurde 1910 das Kunsthaus eingerichtet. Es erlangte erst nach dem 2. Weltkrieg dank zahlreicher Schenkungen internat. Bedeutung. In der 2. Hälfte des 20. Jh. gelangten weitere bedeutende Sammlungen nach Z., so u.a. Baron Eduard von der Heydts Sammlung für aussereurop. Kunst im 1952 eröffneten städt. Museum Rietberg, die Sammlung des Migros-Genossenschafts-Bunds im 1996 eröffneten Museum für Gegenwartskunst im Löwenbräuareal oder die Sammlung der 1986 gegr. Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst im 2001 eröffneten Haus Konstruktiv (EWZ-Unterwerk Selnau). Sie rückten Z. in den Blickpunkt führender internat. Kunstgalerien.

Neben den traditionellen Festen Sechseläuten und Knabenschiessen fanden in Z. mehrmals nationale Sänger-, Turner- und Schützenfeste, die Landesausstellungen von 1883 und 1939 sowie 1958 die Saffa statt. 1916 wurde in Z. die Dada-Bewegung gegründet. Seit 1936 werden die Juni-Festwochen (ab 1997 Zürcher Festspiele), seit 1951 das Zürifest, seit 1980 das Zürcher Theaterspektakel, seit 1991 die Streetparade und seit 2005 das Zurich Film Festival durchgeführt.

Autorin/Autor: Nicola Behrens

Quellen und Literatur

Archive
– AfZ
– BAZ
– Sozarch
– StadtA Z.
– StAZH
– ZBZ
Quellen
UB ZH, 1-13, 1888-1957
Die Zürcher Stadtbücher des XIV. und XV. Jh., 3 Bde., 1899-1906
Die Steuerbücher von Stadt und Landschaft Z. des 14. und 15. Jh., 8 Bde., 1918-58
Qu. zur Zürcher Zunftgesch., 13. Jh. bis 1798, bearb. von W. Schnyder, 2 Bde., 1936
Qu. zur Zürcher Wirtschaftsgesch.: Von den Anfängen bis 1500, bearb. von W. Schnyder, 2 Bde., 1934-37
SSRQ ZH I/1/1-2, 1910-15; NF I/1/1, II/1, 1996-2011
Literatur
  • Reihen

    Mitt. der Antiquar. Ges. in Z., 1837-
    ZTb, 1858-
  • Allgemeines

    – S. Vögelin, Das Alte Z., 2 Bde. und 1 Registerbd., 21878-1928
    – K. Dändliker, Gesch. der Stadt und des Kt. Z., 3 Bde., 1908-12
    Kdm ZH 1-2, 1939-49; NF 1-, 1999-
    – A. Largiadèr, Gesch. von Stadt und Landschaft Z., 2 Bde., 1945
    INSA 10, 197-455
    GKZ 1-3
  • Von der Urgeschichte bis zum Hochmittelalter

    – B. Eberschweiler, D. Käch, «Ein röm. Rundtempel auf dem Gr. Hafner im Zürichsee», in Archäologie im Kt. Z. 2003-05, 2006, 247-287
    – M. Balmer, Z. in der Spätlatène- und frühen Kaiserzeit, 2009
    – A. Motschi, «Pfalzen und frühe Stadtentwicklung in Z.», in Frühe Pfalzen - frühe Städte, hg. von U. Gross et al. 2009, 93-102
    – C. Barraud Wiener, «Grundlagen zur Siedlungsentwicklung bis 1830», in Kdm ZH 5, 2012, 22-84
    Das Fraumünster in Z., hg. von P. Niederhäuser, D. Wild, 2012
  • Vom Hochmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

    – W. Schnyder, Die Bevölkerung der Stadt und Landschaft Z. vom 14.-17. Jh., 1925
    – P. Guyer, Verfassungszustände der Stadt Z. im 16., 17. und 18. Jh. unter der Einwirkung der sozialen Umschichtung der Bevölkerung, 1943
    Z. im 18. Jh., hg. von H. Wysling, 1983
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  • 19. und 20. Jahrhundert

    – A. Kramer, Das Stadtrecht von Z., 1912
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    – E. Klöti, Die Zürcher Stadtverfassung, 1934
    – W. Akeret, Die zweite Zürcher Eingemeindung von 1934, 1977
    – C. Schenkel, Die erste Zürcher Stadtvereinigung von 1893, 1980
    – J.-D. Blanc, Die Stadt - ein Verkehrshindernis?, 1993
    – A. Tanner, Arbeitsame Patrioten - wohlanständige Damen, 1995
    – N. Behrens, Z. in der Helvetik, 1998
    – D. Kurz, Die Disziplinierung der Stadt, 2008