Schinznach-Dorf

Ehemalige politische Gemeinde AG, Bezirk Brugg, die sich 2014 mit Oberflachs zur neuen Gemeinde Schinznach zusammenschloss. Schinznach-Dorf umfasste das gleichnamige Haufendorf am Ausgang des Schenkenbergertals, das bereits bis 1938 Schinznach hiess, sowie die Häusergruppen Wallbach und Wisstrotte auf dem linken Aareufer. 1189 Schincennacho. 1764 838 Einw.; 1831 1'422; 1850 1'334; 1900 985; 1930 912; 1950 1'083; 1980 1'228, 2000 1'637. Ein mesolith. Unterstand, eine neolith. Siedlung und zwei röm. Villen zeugen von einer frühen Begehung bzw. Besiedlung. Die niedere Gerichtsbarkeit verkauften die Herren von Ostrach 1414 an die Herren von Mülinen; hochgerichtlich gehörte S. zu Schenkenberg, das ab 1460 eine bern. Landvogtei war, dann ab 1732 zur Vogtei Kasteln. Ein Schiedsspruch zwischen S. und dem Twingherrn über die Wahl von Beamten sowie über die Aufteilung von Einkünften datiert von 1375, das Dorfrecht von 1547; eine Schule besteht seit ca. 1600. Die rom., 1227 erstmals erw. Kirche (Georgspatrozinium) wurde 1779 unter Beibehaltung der Begräbniskapelle der Fam. von Erlach von 1650 durch einen Neubau ersetzt. Das Dorf wies ausgedehnte Rebberge sowie drei Mühlen auf. Die 1654 gefasste schwefelhaltige Quelle gab dem Bad Schinznach seinen Namen, der auch beibehalten wurde, nachdem die Quelle ab 1670 von der Aare verschüttet und 1691 auf dem rechten Aareufer wieder entdeckt worden war (Schinznach-Bad). S. verzeichnete um 1850 eine erhebl. Auswanderung. Ab 1870 ging der Rebbau trotz der Gründung der Weinbaugenossenschaft (1895) zurück (1857 ca. 80 ha, 2007 31 ha Reben). Der Anschluss des Dorfs an die Eisenbahn 1875 blieb ohne wirtschaftl. Bedeutung; die Station wurde 1993 geschlossen. S. bildet seit dem 19. Jh. ein kleines regionales Zentrum mit Jahrmärkten (1831-1903), Bezirksschule (seit 1874), Arzt und Apotheke sowie Raiffeisenkasse (seit 1925). Die Brücke von 1915 ersetzte die im 19. Jh. eingerichtete Fähre (eine ältere, vielleicht schon im HochMA bestehende Fähre war bereits früher nach Wildegg-Au verlegt worden). Das Wasserversorgungs- und das Elektrizitätsnetz wurden 1909 angelegt; eine Güterregulierung erfolgte 1931-37. Die kulturelle Vereinigung Grund wurde 1927 gegründet. In den 1960er Jahren setzte eine anhaltende Wohnbautätigkeit ein. 2005 stellte der 2. Sektor 41% der insgesamt 767 Arbeitsplätze in der Gemeinde. 2009 wurde eine Gemeindefusion von zwei der vorgesehenen Partnergemeinden abgelehnt.


Literatur
– E. Gerber, Chronik von S., 1975
S., 1989

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)