Schinznach-Bad

Polit. Gem. AG, Bez. Brugg, umfasst das ehem. Strassendorf sowie das nördlich davon gelegene Bad Schinznach am rechten Aareufer. Dorf und Gem. hiessen bis 1937 Birrenlauf. 1. Hälfte 12. Jh. Biralophon, 1254 Birreloft. 1764 90 Einw.; 1850 210; 1900 149; 1950 450; 2000 1'258. Röm. Funde in der Aare, vielleicht Weihegaben. Birrenlauf gehörte zum habsburg. Eigenamt, doch veräusserten die Habsburger früh Rechte und Grundbesitz, welche später ans Kloster Königsfelden gelangten. Von diesem ging das Eigenamt bzw. das Hochgericht 1415, die übrigen Rechte in Birrenlauf 1528 an Bern über, welches die Dörfer des früheren Eigenamts 1528-1798 in der Landvogtei Königsfelden verwaltete. Kirchlich zählte Birrenlauf zu Windisch, dann ab ca. 1530 zu Birr; die Badkapelle wurde 1881, die Friedhofkapelle 1954 erstellt.

Die zuvor am linken Aareufer gelegene, durch eine Verlagerung des Aarebetts verschüttete heisse Quelle (Schinznach-Dorf) wurde 1691 oberhalb von Birrenlauf am rechten Ufer wieder gefasst. Sie behielt von ihrer Vorgängerin den Namen Bad Schinznach - die alternativ genutzte Bezeichnung Habsburger Bad setzte sich nicht durch - und erfuhr einen raschen Aufschwung als beliebter Treffpunkt der Oberschichten. 1761/62 wurde die Helvet. Gesellschaft in Bad Schinznach gegründet. 1922 wurde der Badebetrieb, der bis in die 1960er Jahre im Winter ruhte, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1965 erfolgte die Abtrennung der damaligen Rheumaklinik vom Badeunternehmen. 1920 wurden Tennisplätze und 1928 ein Golfplatz angelegt, beides v.a. für engl. Kurgäste. Ein öffentl. Thermalbad (1980er Jahre) und ein Erlebnisbad (1991) ergänzten die Badeeinrichtungen.

Die Gem. Birrenlauf, deren Bevölkerung primär von Landwirtschaft und Fischerei und ab dem 18. Jh. auch vom Badebetrieb lebte, trat im 17. und 18. Jh. als Partei in Nutzungskonflikten mit versch. Nachbargemeinden auf. Eine Schule wurde vor 1783 eingerichtet. 1915 ersetzte eine Brücke die im 19. Jh. eingerichtete Fähre (eine ältere, vielleicht auf das HochMA zurückgehende Fähre war schon früher nach Wildegg-Au verlegt worden). Grossbetriebe waren die 1908-37 betriebene Kalk- bzw. Zementfabrik und das 1949-72 unterhaltene Automontagewerk (heute nur mehr Vertrieb) der Automobil- und Motoren AG. Ab den 1960er Jahren entstanden mehrere neue Wohnquartiere.


Literatur
– P. Glarner, Aus Bad Schinznachs Vergangenheit, [1944]
– M. und P. Rey, «S. - ein verkanntes Dorf?», in Brugger Njbl. 104, 1994, 31-44

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)