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Trivulzio, Gian Giacomo

geboren 24.6.1442 Crema, gestorben 5.12.1518 Chartres, aus Mailand, ab 1513 von Luzern, ab 1518 von Altdorf (UR). Sohn des Antonio und der Franceschina Aicardi Visconti, Tochter des Domenico. Cousin des Giovanni Antonio ( -> 5). ∞ 1) 1466 Margherita Colleoni, Tochter des Nicolino, 2) 1487 Beatrice d'Avalos, Tochter des Íñigo, Grosskämmerers des Königreichs Neapel. T.s Tüchtigkeit als Söldnerführer trug ihm den Beinamen der Grosse ein. Ab 1465 stand er im Dienst der Sforza, ab 1486 im Dienst der Trastámara in Neapel. 1480 erwarb er, wahrscheinlich auf Ludovico Sforzas Rat, von Gf. Johann Peter von Sax die Herrschaft Misox und Calanca und begründete damit den Zweig der T. von Misox. 1487 anerkannte Ks. Friedrich III. die Abtretung. T. residierte zwar nicht im Misox, denn sein Hauptinteresse galt weiterhin Italien, dennoch festigte er seine Stellung in Graubünden, indem er den von Werdenberg-Sargans 1493 die Rechte über Rheinwald und Safien abkaufte. Nach dem Bruch mit Ludovico Sforza stellte sich T. 1495 in den Dienst des franz. Königs und unterzeichnete, um sein Herrschaftsgebiet abzusichern, 1496 den Beitritt des unteren Misox zum Grauen Bund, dem sich Mesocco und Soazza bereits 1480 aus eigenem Antrieb angeschlossen hatten. Nach dem franz. Sieg über Mailand 1499 ernannte ihn Kg. Ludwig XII. zum Marschall von Frankreich, Gouverneur des Herzogtums und Marquis von Vigevano. Damit war T. gleichzeitig Freiherr des Grauen Bunds und Lehensträger des Kg. von Frankreich. Während der Mailänderkriege drangen die Eidgenossen ins Misox ein und steckten u.a. den Palazzo T. in Roveredo in Brand. Nach der Schlacht bei Novara von 1513 besetzten die Drei Bünde das Gebiet und verwalteten es im Auftrag von T., bis dieser es im Ewigen Frieden von 1516 zurückerhielt. T., der 1515 in der Schlacht von Marignano auf Seiten der Franzosen kämpfte, verlor später das Vertrauen von Kg. Franz I. und starb in Ungnade.


Archive
– Nachlässe in: Archivio di Stato und Archivio storico civico, Mailand
– PrivA T., Mailand
Literatur
– M. Klein, Die Beziehungen des Marschalls Gian Giacomo T. zu den Eidgenossen und Bündnern (1480-1518), 1939
– L. Arcangeli, «Gian Giacomo T. marchese di Vigevano e il governo francese nello stato di Milano (1499-1518)», in Vigevano e territori limitrofi alla fine del Medioevo, hg. von G. Chittolini, 1997
– M. Viganò, "Ingenium superat vires". Ascesa, imprese, declino del maresciallo Gian Giacomo T. (1442-1518), (in Vorb.)

Autorin/Autor: Annamaria Valenti, Marino Viganò / CHM