Zollikon

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen. Reiche Vorortsgemeinde von Zürich am rechten Seeufer mit dem Quartier Zollikerberg und den Weilern Ober- und Unterhueb. 837 Zollinchovun (nach einer St. Galler Urkunde, eine erst neuerdings bemerkte ma. Dorsualnotiz scheint die Identifikation mit Z. zu bestätigen). 946 de duabus Collinchovin. 1467 62 Haushalte; 1634/43 510 Einw.; 1745 782; 1836 1'210; 1850 1'316; 1900 1'876; 1930 4'472; 1950 6'947; 1970 12'117; 2000 11'662.

Mögliche neolith. Hangsiedlung, hallstattzeitl. Grabhügel bei Feufbüel, beigabenlose frühma. Gräber bei Unterhueb. Am Seeufer und auf Terrassen entstanden die Dorfteile Kirchhof (mit Kirche), Kleindorf, Gstad und Oberdorf, die in der frühen Neuzeit als Verband von vier Wachten das Dorf Z. bildeten. Darüber lag, von einem Allmend- und Waldgürtel getrennt, die Dorfschaft Berg, die mit Z. nur durch die Kirchgemeinde und durch das Gemeindehaus (später das Gasthaus Rössli, 1562 erw., 1837 verkauft) verbunden war. Erst 1804 wurde die Zivilgemeinde Berg der polit. Gemeinde Z. zugeteilt. Im SpätMA sind die beiden Weiler Trichtenhausen und Witellikon abgegangen, die beide Filialkapellen des Zürcher Grossmünsters besassen (1270 erw.). Z. war Teil der 1218 aufgesplitterten Reichsvogtei Zürich und kam vor 1330 in Besitz der einflussreichen Ritterfamilie Mülner von Zürich. 1358 verkaufte Gottfried Mülner das Reichslehen Z. an die Stadt Zürich, die damit in Besitz ihres ersten Herrschaftsgebiets kam. 1384 teilte Zürich Z. der Obervogtei Küsnacht zu, bei der Z. bis 1798 blieb. Danach gehörte es bis 1986 zum Distrikt, Oberamt bzw. Bez. Zürich.

Der älteste, 1223 erw. Vorgängerbau der 1497-99 erbauten spätgot. Zürcher Landkirche geht auf rom. Zeit zurück. Obwohl im MA nur eine Filiale des Grossmünsters Zürich, hatte das Gotteshaus schon vor 1265 einen Friedhof und besass das Taufrecht. 1419 stiftete die Gem. eine Frühmesserpfrund, der erste Dorfpfarrer wurde 1525 eingesetzt. In der Reformationszeit erlebte Z. heftige Auseinandersetzungen; 1525 bildete sich in Z. eine Täufergemeinschaft, welche von der Zürcher Obrigkeit zerschlagen wurde. 1931 erfolgten die Gründung der Pfarrei und der Bau der kath. Kirche. Die ref. und die kath. Kirche im Ausbauquartier Zollikerberg wurden 1960 bzw. 1966 errichtet.

1710 war die Berggemeinde bäuerlich, im Dorf Z. arbeiteten zwei Drittel der insgesamt 153 Männer in der Landwirtschaft und 23 im Handwerk. In der textilen Heimindustrie waren 28 Männer und 117 Frauen und Mädchen beschäftigt. Die frühe Gemeindebildung wird in der ab 1330 bezeugten Wahl von zwölf Geschworenen als Dorfvorsteherschaft und Aufsichtsorgan über die Gemeindewaldungen durch die Bauern von Z. fassbar. Mit den Einzugsbriefen von 1506, 1572 und 1679 schloss sich die Dorfschaft ab. Zusätzlich zu den Einzugstaxen mussten Zugezogene, die vollumfänglich am Gemeindegut teilhaben wollten, auch die Nutzungsberechtigung am Wald kaufen. 1799 besassen deshalb 50 Haushaltungen keine Waldanteile. Die hablichen Bauern grenzten sich 1809 von der Zivilgemeinde Dorf teilweise ab und wählten als Korporation zehn der zwölf Geschworenen ohne Mitsprache der Gemeinde. 1877 wurden die beiden Zivilgemeinden Dorf und Berg aufgehoben. Während das bescheidene Vermögen der Berggemeinde an die polit. Gemeinde ging, übernahm im Dorf die Bürgerkorporation den Löwenanteil des Gemeindeguts. Dies löste einen handfesten Dorfstreit aus, der erst 1933 beigelegt wurde: Die Korporation trat gegen Entschädigung 22 ha Wiesland an die polit. Gemeinde ab, behielt aber 19 ha Wald. Die Verkehrserschliessung verbesserten die See- und die Forchstrasse von 1839 bzw. 1844 sowie die Bahnlinie Zürich-Rapperswil und die Forchbahn von 1894 bzw. 1912. An die noch im 19. Jh. verbreitete heimindustrielle Seidenweberei knüpfte nur eine bescheidene Industrie an; 1910 waren nur fünf Betriebe dem eidg. Fabrikgesetz unterstellt. 1896 wurde Z. (ohne Zollikerberg) dem kant. Baugesetz für städt. Gebiete unterstellt, die Bauordnungen von 1913 und 1933 förderten die gleichmässige, lockere Überbauung. Die Eingemeindung in die Stadt Zürich lehnte Z. 1929 ab. 2000 waren gut 73% der arbeitstätigen Gemeindebevölkerung Wegpendler. Z. verfügt Anfang des 21. Jh. über eine sehr hohe Steuerkraft und zählt zu den reichsten Gem. des Kantons.


Literatur
– H. Bruppacher, A. Nüesch, Das alte Z., 1899
– P. Guyer, Die Bevölkerung Z.s im MA und in der Neuzeit, 1946
– J. Barth, Die wirtschaftl. Entwicklung der Zürcher Vorortsgem. Z., 1955
Zolliker Jahrh., 1978-
– U. Bräm, Z., eine Heimatkunde, 1990

Autorin/Autor: Martin Illi