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Pontaningen [Pultingen], Petrus von

Am 11.11.1398 erstmals erw., gestorben 17.12.1438. Sohn des Claus, Ritters. 1398-99 ist P. als Kustos des Klosters Disentis bezeugt, 1402-38 war er dessen Abt. Er liess die im Klosterbrand 1387 beschädigte Marienkirche und die Kapelle St. Agatha erneuern und pflegte in der tägl. Liturgie die benediktin. Spiritualität. Im Grossen Schisma schwankte er, besuchte vermutlich das Konzil von Konstanz und liess sich 1418 von Papst Martin V. die Privilegien des Klosters bestätigen. Von Kg. Ruprecht erwirkte er 1408 die Anerkennung der alten Rechte des Klosters, ebenso 1413 und 1433 von Kg. Sigismund, der sich wohl damit für die gewährte Gastfreundschaft auf seinen Italienzügen bedankte.

P. ergriff 1403 in den Appenzeller Kriegen Partei für Schwyz. Zusammen mit der Gem. Disentis verhandelte er 1406 mit Blenio bei der Erneuerung des Verkehrsvertrags von 1376. Er trat 1407 mit Uri in ein Landrecht ein, ohne Ursern dauernd für die Abtei sichern zu können. 1412-19 belasteten Verstrickungen in die Rhäzünser Fehde den Abt und die Abtei. Mit Abt P. als Erstunterzeichner wurde der Graue Bund 1424 in Trun erneuert und erweitert. Im Geiste der kommunalen Landfriedensbewegung war er nach 1424 erfolgreich als Vermittler tätig, doch konnte er sich den polit. Machtkämpfen nicht völlig entziehen. Er unterstützte 1425 mit Truppen der Abtei und des Grauen Bundes einen Zug von Eidgenossen ins Val d'Ossola. Dafür erwirkten die Innerschweizer Zollermässigungen bis Mailand auch für die Abtei. Da P. wie sein Vorgänger Johannes von Ilanz die kommunale Entwicklung förderte und eine Bündnispolitik betrieb, zählte er zu den bedeutendsten Disentiser Äbten.


Literatur
– I. Müller, «Die Entstehung des Grauen Bundes 1367-1424», in ZSG 1941, 137-199
– I. Müller, Gesch. der Abtei Disentis von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1971, 53-56
HS III/1, 496 f.

Autorin/Autor: Lothar Deplazes