• <b>Johannes Guler von Wyneck</b><br>Titelseite der Erstausgabe der Chronik "Raetia", die 1616 von Johann Rudolf Wolf in Zürich gedruckt wurde (Schweizerische Nationalbibliothek). Die Kopfvignette stellt Augsburg als Hauptstadt der Raetia Prima dar. Chur, Hauptstadt der Raetia Secunda, erscheint in der Fussvignette, eingerahmt von Allegorien des Rheins (links) und des Inns (rechts). Der vollständige Titel rühmt die Ausführlichkeit des Inhalts und die Fülle des Bildmaterials, das mehrere unter der Leitung des Autors eigens angefertigte Landkarten umfasst.

No 2

Guler von Wyneck, Johannes

geboren 31.10.1562 Davos,gestorben 24.1.1637 (und nicht 3.2.) Chur, ref., von Davos. Sohn des Hans ( -> 1) und der Anna Buol. ∞ 1) 1583 Barbla von Perini (gestorben 1588), 2) 1591 Elisabeth von Salis, Tochter des vicari Andreas. Durch diese Heirat gelangte G. 1602 in den Besitz des Schlösschens Wynegg oberhalb von Malans, das er zu seinem Wohnsitz machte und nach welchem er sich fortan nannte. 1569 begleitete er den zum vicari gewählten Stiefbruder Peter ( -> 4) für zwei Jahre ins Veltlin. Dem Besuch der Churer Lateinschule folgten 1574 Studien in Zürich, ab 1580 in Genf und 1582 in Basel. Einen Abschluss konnte G. nicht erlangen, da ihn 1582 die Davoser zum Landschreiber und etwas später auch zum Landesfähnrich wählten. Bereits 1587 wurde ihm das Amt des Veltliner Landeshauptmanns übertragen. 1592-1604 war G. Davoser Landammann und somit zugleich Bundslandammann des Zehngerichtenbundes. Vielfach mit Gesandtschaften betraut, nahm er allein 1600-04 an neun diplomat. Missionen in die Eidgenossenschaft, nach Paris, Venedig und Mailand teil. Vehement förderte er den Abschluss eines Bündnisses mit Venedig (1603 Ritter von San Marco). 1607 Kommandant eines Bündner Regiments zur Sicherung der Grenze zu Mailand, verurteilte ihn im gleichen Jahr ein von span. Parteigängern dominiertes Strafgericht in Chur zum Tode. Nach der noch 1607 erfolgten Rehabilitierung durch ein nunmehr venezianisch gesinntes Gericht zog sich G. für zehn Jahre aus der öffentl. Politik zurück. 1618 wurde er anlässlich einer Gesandtschaft an den franz. Hof erneut zum Ritter geschlagen. Um den Bündner Wirren zu entgehen, zog er mit seiner Fam. nach Zürich, das ihm 1619 das Bürgerrecht verlieh. 1620 befehligte er als Oberst die Bündner Truppen, die zweimal vergeblich versuchten, die verlorengegangenen Untertanenlande zurückzuerobern. 1622 unterstützte er den Widerstand der Prättigauer gegen Österreich. Danach wandte sich G. wieder seinen Privatgeschäften zu und nahm nur noch vereinzelt an Gesandtschaften teil. 1623 erwarb er tauschweise das bei Zürich gelegene Schlösschen Susenberg. 1627 übersiedelte er auf seinen Churer Sitz St. Margarethen. In Davos besass er 8 Häuser und 78 Stück Vieh (1607), in der Bündner Herrschaft und in Chur auch Rebgüter.

G. leistete auch als Historiker und Kartograf Beachtliches. Seine Ludwig XIII. gewidmete, 1616 gedruckte "Raetia" ist eine umfangreiche Kompilation von Werken bündner. und eidg. Chronisten. Sie schildert im 1. Teil die Bündner Geschichte und enthält im 2. Teil eine unvollendet gebliebene, mit fünf "Landtafeln" versehene Landesbeschreibung Graubündens und seiner Untertanenlande. 1622 erschien die in erster Linie der Rechtfertigung des Prättigauer Aufstandes dienende Schrift "Pündtnerischer Handlungen widerholte und vermehrte Deduction".

<b>Johannes Guler von Wyneck</b><br>Titelseite der Erstausgabe der Chronik "Raetia", die 1616 von Johann Rudolf Wolf in Zürich gedruckt wurde (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Die Kopfvignette stellt Augsburg als Hauptstadt der Raetia Prima dar. Chur, Hauptstadt der Raetia Secunda, erscheint in der Fussvignette, eingerahmt von Allegorien des Rheins (links) und des Inns (rechts). Der vollständige Titel rühmt die Ausführlichkeit des Inhalts und die Fülle des Bildmaterials, das mehrere unter der Leitung des Autors eigens angefertigte Landkarten umfasst.<BR/><BR/>
Titelseite der Erstausgabe der Chronik "Raetia", die 1616 von Johann Rudolf Wolf in Zürich gedruckt wurde (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
– J. Robbi, Ritter Johannes G. von Wyneck, 1918
– J. Ferdmann, «Der Chronist und Staatsmann Johannes G. von Wyneck als Mensch und Dichter», in Davoser Revue, 1937, 27-33, 84-90
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung, 332-334, (mit Quellen- und Literaturverz.)

Autorin/Autor: Silvio Färber