Urdorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Dietikon. Agglomerationsgem. in einer seitl. Trockenmulde des Limmattals, bestehend aus Nieder- und Oberurdorf, 1931 zu einer polit. Gem. vereinigt. 1179 predium Urdorf. 1467 ca. 80 Einw.; 1634 581; 1850 770; 1900 711; 1950 1'929; 1960 3'909; 1980 8'589; 2000 9'417.

Bronzezeitl. Siedlung am Rainweg (Moosmatt), Herrenhaus eines röm. Gutshofs (Heidenkeller). Die Siedlung Oberurdorf bestand im SpätMA u.a. aus dem Meierhof des Klosters St. Blasien, einer Mühle am Dorfbach und einer Taverne. Das Bade- und Kurhaus (heute Wirtschaft zur Sonne) wurde 1526 vom Zürcher Bürgermeister Hans Steiner erbaut. Niederurdorf war im SpätMA lediglich ein kleiner Weiler. Hochgerichtlich gehörte das ganze Gebiet zur Grafschaft Baden. Oberurdorf zählte zur Grundherrschaft des Klosters St. Blasien, die Gerichtsvogtei war aber an die Regensberger und bis 1384 an Habsburg-Laufenburg verliehen. Nach versch. Handänderungen erwarb die Stadt Zürich 1487 bzw. 1495 je ein Viertel dieser Lehen, 1511 dann auch die andere Hälfte und gliederte sie in die Obervogtei Birmensdorf ein. Die Niedergerichte über Niederurdorf besassen die Habsburger, welche sie bis ca. 1450 an die Herren von Schönenwerd verliehen hatten. Durch Kauf wechselte die Gerichtsherrschaft über Niederurdorf mehrmals die Hand und gelangte 1620 schliesslich an die Fam. Steiner von Uitikon, welche sie bis 1798 behielt. 1173 wird die Kapelle St. Georg im Reppischtal erstmals erwähnt, sie gehörte 1375 zur Pfarrkirche Dietikon und wurde in der Reformationszeit aufgelassen. Die ab 1184 fassbare Kapelle St. Niklaus in Oberurdorf wurde 1321 als Filiale der Pfarrkirche Dietikon ins Kloster Wettingen inkorporiert. Da Zürich in U. die niedere Gerichtsbarkeit innehatte, wurden die zum neuen Glauben übergetretenen Dörfer im Unterschied zu Dietikon nach 1531 nicht rekatholisiert; die Kollatur blieb aber bis 1838 beim Kloster Wettingen. Der ref. Pfarrer sass ab 1627 in U., das Kloster wählte ihn aus einem von Zürich vorgelegten Dreiervorschlag. Die ref. Kirchgemeinden U. und Dietikon wurden erst 1959 voneinander getrennt. Die kath. Pfarrei besteht seit 1960, die Bruder-Klaus-Kirche seit 1964. Die erste Schule geht auf die Zeit um 1600 zurück. 1673 errichtete Oberurdorf ein Schulhaus mit Lehrerwohnung. Im 19. Jh. entwickelte sich U. kaum, die Bevölkerungsentwicklung war in der 2. Jahrhunderthälfte gar leicht rückläufig. Jakob Lips gründete 1880 den einzigen Produktionsbetrieb in U., der Bäckereimaschinen herstellte. 1839 wurde der Wald der Dorfschaft Oberurdorf in eine Korporation von Gerechtigkeitsbesitzern überführt. Die 1848-50 erbaute Kantonsstrasse Dietikon-Birmensdorf führte in Oberurdorf zu einer Verlagerung der Siedlungsachse vom Dorfbach weg hin zur neuen Verkehrsader. Die Eisenbahnlinie Zürich-Affoltern am Albis-Zug, die sog. Ämtlerbahn, nahm 1864 den Betrieb auf. Um den - in der Nachbargemeinde Schlieren gelegenen - Bahnhof entstand in den 1920er Jahren ein neues Zürcher Vorstadtquartier. Das Ortsmuseum wurde 1997 eröffnet. Ab den sechziger Jahren entwickelte sich U. zur suburbanen Wohngemeinde.


Literatur
Kdm ZH 9, 1997, 338-366

Autorin/Autor: Martin Illi