27/01/2003 | Rückmeldung | PDF | drucken | 
No 1

Bubenberg, Adrian I. von

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geboren um 1434 ,gestorben anfangs Aug. 1479 Bern. Sohn des Heinrich IV., Berner Schultheissen und Herrn der Freiherrschaft Spiez, und der Anna von Rosenegg. ∞ 1) 1454 Jacobea von Neuenburg-Valangin, 2) 1457 Jeanne de La Sarraz. 1451 trat B. in den Berner Gr. Rat ein. 1454-55 (vertretungsweise) und 1457-61 amtete er als bern. Vogt in Lenzburg. 1455 zog er mit eigener Mannschaft nach Dijon, um am -- dann abgesagten -- Türkenkreuzzug Hzg. Philipp des Guten von Burgund teilzunehmen. Nach dem Tod seines Vaters wurde B. 1465 Herr zu Spiez und Mitglied des Kl. Rats von Bern. Anlässlich einer Pilgerreise nach Jerusalem empfing er 1466 am Hl. Grab den Ritterschlag. 1468 erstmals zum Schultheissen gewählt (dann wieder 1473-74, 1477-79), führte er im selben Jahr den Oberbefehl über die bern. Truppen im Sundgauerzug. 1469 hielt er sich bei Bruder Klaus im Ranft auf, um dessen wundersames Fasten zu bezeugen. 1470-71 war er als Haupt der herausragenden alten Adelsfam. Wortführer der Adelspartei im Twingherrenstreit in der Stadt Bern. Wiederholte Gesandtschaften führten ihn nach Savoyen, nach Burgund und ins Reich. Im Vorfeld der Burgunderkriege (1474-77) opponierte B. entschieden gegen die von der Ratsmehrheit unter der Führung Niklaus von Diesbachs befürwortete Offensivallianz mit der franz. Krone gegen das Herzogtum Burgund. Dies führte am 10.7.1475 zu seiner Ausstossung aus dem Kl. Rat und zum Verbot weiterer polit. Aktivitäten. Im April 1476 wurde B. zum Kommandanten von Murten bestimmt, das einer zwölftägigen Belagerung standhielt, bevor die Schlacht bei Murten (22.6.1476) die Entlastung brachte. In Bern danach vollständig rehabilitiert, wurde er wiederum Schultheiss und entwickelte eine rege Gesandtschaftstätigkeit nach Savoyen und Frankreich. 1477-78 wirkte er mässigend im Amstaldenhandel. Im Dez. 1478 führte er die Berner im Zug über den Gotthard gegen Bellinzona. Noch nach seinem Tod spielte die zeitlebens prekäre ökonom. Situation B.s eine Rolle. Entgegen dem päpstl. Begehren nach einer unehrenhaften Beerdigung des 1481 als Schuldner angeklagten und deshalb gebannten B. verwahrte sich der Rat gegen eine Exhumierung des im Chor des Berner Münsters Bestatteten.

Beginnend mit den Bilderchroniken des Zeitgenossen Diebold Schilling dem Älteren ist das Andenken an B. bis in das 20. Jh. hinein durch zahlreiche hist. und literar. Werke verklärt worden (u.a. Rudolf von Tavels "Ring i dr Chetti" 1931). Er gilt als der selbstlose Ritter und staatsmänn. Diener des Vaterlandes; noch Ende des 19. Jh. führte ein Wettbewerb für ein B.-Denkmal zu einer heftigen Kontroverse, ob er als Staatsmann zu Fuss (wie die Statue ausgeführt und 1897 eingeweiht wurde) oder als Ritter zu Pferd geziemender dargestellt sei.


Literatur
– K.F. Wälchli, Adrian von B., 1979

Autorin/Autor: Karl F. Wälchli