Saxon (Kastlanei)

Peter II. von Savoyen errichtete 1263 die Kastlanei S.-Sembrancher, nachdem er Rudolf d'Ayent die Rechte abgekauft hatte. Der Kastlan hatte seinen Sitz zuerst in der Burg, später im grossen Rundturm, den Philipp I. von Savoyen ab 1279 erbauen liess. Das Amt des Kastlans wurde zunächst als Lehen an die milites von S. übertragen. Nach ihrem Aussterben Mitte des 14. Jh. bestimmte Savoyen auswärtige Kastlane. Die Kastlanei erreichte nie die gleiche Bedeutung wie ihre Nachbarn Conthey, Saillon oder Martigny, die mit Freiheiten und Freibriefen ausgestattet waren. Bei der Eroberung des Unterwallis 1475 wurde die Burg in Brand gesetzt, der nach Anselm benannte Turm blieb bestehen. Ab diesem Zeitpunkt war die Kastlanei dem Oberwalliser Landvogt in Saint-Maurice unterstellt. Die Kastlane, die unter den wichtigen Persönlichkeiten des Orts ausgewählt wurden, übten bis zum Ende des Ancien Régime 1798 auch die Funktion eines Richters aus.


Literatur
– R. Hoppeler, Das Unter-Wallis und dessen Beziehungen zum Hochstift Sitten während des XIII. Jh., 1897
– J.-B. Bertrand «S.», in Ann. val., 1922, 73-108
– D. de Raemy, Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), 2004, 104 f.

Autorin/Autor: Bernard Truffer / ASCH