• <b>Hilfswerke</b><br>Titelblatt der Monatsschrift «Gebirgshilfe», Ausgabe vom März 1942 (Schweizerische Nationalbibliothek). Das von Alfons Raeber redigierte und in Luzern gedruckte Monatsblatt erschien vom Februar 1941 bis Dezember 1946 unter diesem Titel. Während des Zweiten Weltkriegs entstanden verschiedene Solidaritätsbewegungen zugunsten der Bergregionen. Um deren Bemühungen wie überhaupt das Engagement der Hilfswerke besser zu koordinieren, verleiht die 1934 geschaffene Zentralauskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen (ZEWO) seit 1942 ein Gütesiegel für die Einhaltung der Standards.

Hilfswerke

H. sind intermediäre Organisationen, die ohne Anspruch auf Gegenleistung Beiträge zur Befriedigung von Bedürfnissen Dritter leisten, die Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen und die dafür erforderl. Mittel sammeln. Institutionell verankerte Hilfe, welche über die in traditionalen Gesellschaften übl. Nachbarschaftshilfe hinausging, erfolgte bereits im MA und in der frühen Neuzeit durch Akte der christl. Nächstenliebe seitens der Kirche im Rahmen von Stiftungen und Spitälern.

Im Zuge der Sozietätenbewegung (Vereine) des ausgehenden Ancien Régime entstanden an versch. Orten gemeinnützige Gesellschaften, deren philanthrop. Aktivitäten teilweise jene der säkularen H. vorwegnahmen und die sich 1810 in der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft zusammenschlossen. Daneben gab es immer wieder punktuelle Sammlungen zur Linderung von Not und zur Bewältigung von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Lawinen oder Bergstürzen.

In der industriellen Gesellschaft wurde die Reziprozität der gegenseitigen Hilfe einerseits zunehmend aufgehoben in gegenseitigen Hilfsvereinen und Versicherungen, andererseits abgelöst durch professionelle H. Diese gingen oft aus spezif. Problemstellungen hervor, wie 1863 das Rote Kreuz, 1882 dessen schweiz. Organisation, 1877 das Blaue Kreuz (Abstinenzbewegung), die Tuberkulosenfürsorge, Organisationen für Sehbehinderte, 1912 die Pro Juventute, 1917 die Pro Senectute und 1920 die Pro Infirmis. Im 20. Jh. erfolgte auch in konfessionellen und polit. Milieus eine Koordination der bereits in versch. Bereichen geleisteten Hilfstätigkeit. 1901 wurden mehrere kath. Werke in der Caritas zusammengefasst. In der ref. Kirche wurde 1946, neben den seit dem 19. Jh. bestehenden lokalen Organisationen der inneren Mission (Diakonie), das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz gegründet. Aus der Arbeiterbewegung ging 1936 das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) und 1937 die Centrale Sanitaire Suisse hervor.

Bis Mitte des 20. Jh. war die Tätigkeit schweiz. H. - abgesehen von den Missionsgesellschaften - vorwiegend auf Notleidende im eigenen Land ausgerichtet, was u.a. mit der Gründung der Winterhilfe 1936 und der Schweizer Berghilfe 1943 zum Ausdruck kam. Impulse für die Entwicklung der H. gaben aber auch - wie schon bei der Gründung des Roten Kreuzes - Erfahrungen aus Kriegszeiten. Während die unterschiedlichsten Bestrebungen der Humanitären Hilfe im 1. Weltkrieg eher isoliert blieben, zeigten sich im 2. Weltkrieg mehr Bemühungen um Koordination. So stimmte etwa in der Flüchtlingspolitik die 1936 gegr. Schweiz. Zentralstelle für Flüchtlingshilfe (Schweizerische Flüchtlingshilfe) die Aktivitäten der versch. H. aufeinander ab und bemühte sich, grösseren Spielraum gegenüber der restriktiven Flüchtlingspolitik der Behörden zu erwirken. Mit der Schweizer Spende an die Kriegsgeschädigten wurde 1944 die Wiederaufbauhilfe mit staatl. Unterstützung koordiniert. Davon gingen in der Nachkriegszeit auch Impulse für die Gründung von H.n im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt aus (u.a. Helvetas, Swissaid, Enfants du monde, Brot für alle, Fastenopfer). Die Tätigkeit der H. erstreckte sich damit auch auf Gebiete, in denen bisher im diakon. Bereich bereits Missionsgesellschaften gewirkt hatten.

<b>Hilfswerke</b><br>Titelblatt der Monatsschrift «Gebirgshilfe», Ausgabe vom März 1942 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Das von Alfons Raeber redigierte und in Luzern gedruckte Monatsblatt erschien vom Februar 1941 bis Dezember 1946 unter diesem Titel. Während des Zweiten Weltkriegs entstanden verschiedene Solidaritätsbewegungen zugunsten der Bergregionen. Um deren Bemühungen wie überhaupt das Engagement der Hilfswerke besser zu koordinieren, verleiht die 1934 geschaffene Zentralauskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen (ZEWO) seit 1942 ein Gütesiegel für die Einhaltung der Standards. <BR/>
Titelblatt der Monatsschrift «Gebirgshilfe», Ausgabe vom März 1942 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Um die privaten Bemühungen im Bereich der "Liebestätigkeit" zu koordinieren und insbesondere um Missbräuche beim Sammeln von Spenden zu bekämpfen, wurde 1934 von der Landeskonferenz für soziale Arbeit die Zentralauskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen (Zewo) gegründet (2001 in eine Stiftung umgewandelt), die seit 1942 den angeschlossenen Organisationen ein Gütesiegel verleiht (2009 495). Die Gesamteinnahmen der 421 Zewo-Organisationen machten 2007 2,535 Mrd. Fr. aus, wovon 908 Mio. aus privaten Spendeneinnahmen stammten.


Quellen
– Zewo-Jber.
Literatur
Die Entdeckung der Schweiz, Jubiläumsschr. 25 Jahre Helvetas, 1980
Am Tag danach, hg. von C. Pfister, 2002
– U. Altermatt et al., Von der kath. Milieuorganisation zum sozialen Hilfswerk: 100 Jahre Caritas Schweiz, 2002

Autorin/Autor: Ruedi Brassel-Moser