Schrebergärten

S. sind in Pacht oder Miete abgegebene Grundstücke abseits der Wohnung, die als Zier- oder Gemüsegärten dienen (Gärten, Gartenbau). Der Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber gab dem Schrebergarten, der auch Klein- oder Familiengarten genannt wird, seinen Namen. Der Begriff wurde 1864 erstmals benutzt. Ab dem MA wurden Pflanzgärten als Teil der bäuerl. Wirtschaft zum Intensivanbau von Gemüse und später von Kartoffeln im Allmendland eingezäunt. Ländl. Heimarbeiterfamilien waren in der frühen Neuzeit von solcher Selbstversorgung ebenso abhängig wie später die Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter. In städt. Verhältnissen betrieben Arbeiterfamilien im 19. Jh. den Anbau von Kartoffeln und Gemüse auf Bauerwartungsland am Stadtrand. Der philanthrop. Wohnungsbau des 19. Jh. legte Wert auf die Bereitstellung von Gartenland in den Arbeitersiedlungen. Die Gartenarbeit sollte zu Fleiss und Familiensinn erziehen und die Arbeiter von Alkohol und Politik fernhalten. In ähnl. Absicht bemühten sich zu Beginn des 20. Jh. gemeinnützige Organisationen und Naturheilvereine um die Anlage von S. In der Versorgungsnotlage des 1. Weltkriegs wuchs v.a. in den Städten der Bedarf an Pflanzland schlagartig. In der Schweiz schlossen sich die Kleingärtner zu Vereinen zusammen und gründeten 1925 einen schweiz. Dachverband. Dem Schweizer Familiengärtner-Verband waren 2005 rund 28'500 Mitglieder und 375 Gartenareale angeschlossen. Städte und Gem. stellen die Areale dauerhaft zur Verfügung, Genossenschaften verwalten die Gartengrundstücke. Naturnaher Gartenbau wird besonders gefördert, nachdem die S. als Altlastengebiete erkannt wurden. Als soziale Einrichtung bieten sie Mietern die Möglichkeit einer kreativen und produktiven Freizeitbeschäftigung.


Literatur
– G. Lauw, Die Kleingartenbewegung in der Schweiz, 1934
– G. Katsch, J.B. Walz, Kleingärten und Kleingärtner im 19. und 20. Jh., 1996

Autorin/Autor: Daniel Kurz