No 1

Türler, Heinrich

geboren 6.7.1861 Biel,gestorben 12.11.1933 Bern, ref., von Erlenbach im Simmental und La Neuveville. Sohn des Jean Henri, Uhrenfabrikanten, und der Henriette Louise Wilhelmine geb. Teutsch. ∞ 1) 1890 Hildegard Franziska Zgraggen, Tochter des Anton, 2) 1913 Emma Bertha Hirt, Tochter des Johannes. Stud. der Geschichte und Altphilologie, dann der Rechtswissenschaft an den Univ. Bern und München, 1889 bern. Fürsprecher. 1892 wurde T. mit dem neu geschaffenen Amt eines Staatsarchivars des Kt. Bern betreut. Unter seiner Leitung und Mitarbeit entstanden der achte und neunte Band der "Fontes rerum bernensium". 1898 habilitierte er sich an der philosoph. Fakultät, wurde 1901 PD und 1904 ao. Prof. für Archivwissenschaften (ab 1917 hist. Hilfswissenschaften) der Univ. Bern. 1914 ernannte ihn der Bundesrat zum Bundesarchivar. Während des 1. Weltkriegs bekleidete er als Oberstleutnant die Stelle eines Grossrichters der 5. Division, leitete den Prozess der Obersten-Affäre und trug mit seinem unbestechl. Rechtsgefühl viel zu dessen Ausgang bei. T. war ein engagiertes Mitglied zahlreicher Arbeitsgremien von Historikern, edierte das "Neue Berner Taschenbuch", arbeitete in der Redaktion verschiedener geschichtswissenschaftl. Unternehmen mit und leitete den Hist. Verein des Kt. Bern. In seinen letzten Lebensjahren wirkte er als Schriftleiter des "Hist.-Biogr. Lexikons der Schweiz". Die Liste von T.s Publikationen umfasst gegen 400 Titel. Mit seiner ungewöhnl. Arbeitsenergie erschloss er immer neue Stoffgebiete in der Rechts-, Kirchen- und Kulturgeschichte sowie in der polit. Geschichte. Mit der gleichen Liebe durchstreifte er in krit. Einzelforschung das MA und die Neuzeit. 1898 Dr. h.c. der Univ. Bern.


Literatur
– E. Bonjour, Die Schweiz und Europa 3, 1973, 253-255

Autorin/Autor: Edgar Bonjour