Wohlenschwil

Polit. Gem. AG, Bez. Baden, die aus dem Strassendorf W. und dem 1906 eingemeindeten Büblikon besteht und am Fuss der Endmoräne des Reussgletschers bei Mellingen liegt. 924 Woleeswilare. 1799 216 Einw.; 1850 461; 1900 336; 1910 (mit Büblikon) 635; 1950 702; 2000 1'263. W. war Teil des habsburg. Amts Lenzburg, bevor die Eidgenossen 1415 die im Amt Büblikon (auch Amt Büblikon-W. genannt) zusammengefassten Ortschaften Büblikon, W. und Mägenwil sowie den Hof Eckwil als nördlichstes Amt den Freien Ämtern angliederten. 1348 erhielt das Kloster Königsfelden umfangreichen Grundbesitz, den Kirchensatz und Niedergerichtsrechte, die 1528-1798 der bern. Hofmeister von Königsfelden ausübte. Das Amt Büblikon war nach W. pfarrgenössig. Die Kirche aus dem 12. Jh. wurde mehrfach erneuert, 1909 durch die neurom. Pfarrkirche St. Leodegar ersetzt und profaniert. Im Bauernkrieg kam es am 3.6.1653 zwischen dem Tagsatzungsheer und den aufständ. Bauern bei W. zum Gefecht. Die Kirche und ein Teil des Dorfs gingen dabei in Flammen auf. Im anschliessenden Mellinger Frieden wurden die Bauern zur Niederlegung der Waffen verpflichtet. In der alten Kirche entstand 1957 das von einer Stiftung getragene Schweiz. Bauernmuseum, das um 1990 wieder einging. 1832 war W. Schauplatz des sog. Wohlenschwiler Handels um eine kirchl. Eheerlaubnis, die sich zur überregionalen Auseinandersetzung zwischen Radikalen und der kath. Kirche auswuchs. 1905 verfügte der aarg. Gr. Rat gegen den Willen der beiden Gem. die Vereinigung von Büblikon mit W. auf das Jahr 1906. Im 19. Jh. existierte etwas Heimarbeit für die Strohindustrie, ferner wurde Muschelsandstein abgebaut. Die 1877 eröffnete Nationalbahnlinie (seit 1975 Heitersberglinie) tangiert die Gem. ohne Bahnhof. 2005 arbeiteten 21% der Beschäftigten in W. im 1. und 27% im 2. Sektor, wobei 2000 mehr als drei Viertel der Erwerbstätigen von W. wegpendelten.


Literatur
– A. Steigmeier, Mägenwil und W., 1993

Autorin/Autor: Andreas Steigmeier