Arbeiterkommissionen

A., auch Fabrik- oder Betriebskomm. genannt, sind Organe der Mitwirkung v.a. von Arbeitern im Betrieb, bis gegen Ende des 20. Jh. seltener von Angestellten. Sie beruhten in der schweiz. Privatwirtschaft anfängl. auf freiem Willen von Unternehmern, seit den 1930er Jahren z.T. auf kollektiven Vereinbarungen und erst seit 1993 auf gesetzl. Grundlage. Die Mitglieder wählt die Belegschaft; früher wurden sie z.T. durch das Management ernannt. Urspr. als Konkurrenz zu den Gewerkschaften gedacht und bis zum 1. Weltkrieg von diesen abgelehnt, wurden A. später weitgehend von diesen besetzt. A. dienen Management und Belegschaft, um Fragen der Betriebsorg., Unfallverhütung, Ausbildung, Klagen, Vorschläge, Verwaltung von Wohlfahrtseinrichtungen, Entlassungen, Streitigkeiten usw. zu besprechen und sehr beschränkt mitzuentscheiden.

Erste bekannte A. ist die der Rotfärberei Neftenbach 1872. Die eigentl. Entwicklung setzte aber erst mit Eduard Sulzer ein, der nach dt. Vorbild 1890 eine A. schuf und v.a. in der Maschinenindustrie Nachahmer fand (1890 Escher Wyss & Cie., 1897 Lokomotivfabrik Winterthur, 1898 Georg Fischer, 1899 Brown Boveri & Cie.). Zunächst blieb jedoch die Verbreitung bescheiden. Von den 1944 erfassten 615 A. wurden vor 1900 5, 1900-19 73, 1920-38 124 und 1939-44 196 gegründet (übrige undatiert). 1952 konnten 61% der Fabrikarbeiter eine A. wählen, davon in Betrieben mit über 1'000 Angestellten 100%, mit 501-1'000 86%, mit 201-500 83%, mit 101-200 71% und mit 51-100 53%. Es führte die Chemie mit 84% vor der Maschinen- mit 82% und der Textilindustrie mit 77%. Nur 18% waren es in der Uhrenindustrie. Nach einer Studie von 1973 kannten ca. 25-30% aller Beschäftigten eine A., in der Produktion 43%, bei den Dienstleistungen 17%. Die 1976 abgelehnte Initiative der Gewerkschaften wollte statt wenig verbindl. A. Mitbestimmung in Betrieb, Unternehmen und Verwaltung. Das Mitwirkungsgesetz vom 17.12.1993 übernahm EU-Minimalstandards und gibt mindestens 50 Beschäftigten das Recht auf eine Vertretung mit bescheidenen Kompetenzen.


Literatur
– W. Kellerhals, A., ihre Entwicklung und Bedeutung, unter besonderer Berücksichtigung der schweiz. Verhältnisse, 1949
– B. Müller, Innerbetriebl. Mitbestimmung durch die Betriebskomm., 1980

Autorin/Autor: Bernard Degen