Stetten (AG)

Polit. Gem. AG, Bez. Baden, am westl. Fuss des Heitersbergs an der Reuss gelegen, bestehend aus dem gleichnamigen Dorf und dem Weiler Eichhof. 1255 Stettin. 1850 498 Einw.; 1900 429; 1950 510; 2000 1'547.

Um 1900 wurden nördlich des Dorfs eine neolith., durchbohrte Hammeraxt und ein Steinbeil gefunden. In den 1940er Jahren wurde in der Kiesgrube ein Gräberfeld aus der Latènezeit (um 300 v.Chr.) entdeckt. Die Gräber enthielten gut erhaltene Skelette und zahlreiche Grabbeigaben wie Fibeln, Lanzenspitzen und Schwerter. Die röm. und alemann. Funde sind schwer zu deuten. Vom frühen MA an gelangte S. unter wechselnde Grundherrschaften. Das Hochgericht hatten als Erbe der Kyburger die Habsburger inne, nach 1415 übte sie die eidg. Landvogtei Baden aus, zu dessen Amt Rohrdorf S. zählte. Bis 1415 übten die von Trostberg die Niedergerichtsbarkeit aus, danach die Stadt Mellingen. 1494 erlangte S. nach langem Ringen das Niedergericht. Damals war es das grösste Bauerndorf am Rohrdorferberg mit drei Mühlen und einer Schmiede. S. schloss sich der Reformation nicht an und wurde geistlich versorgt durch die zur Pfarrei Rohrdorf gehörige Filialkapelle. 1881-84 erfolgte der Bau der Kirche St. Vinzenz, 1888 die Gründung der eigenständigen Pfarrei. Durch lokale Kleinindustrie und Heimarbeit etwa im Dienste der Geflechtindustrie in Wohlen entstand im 19. Jh. ein Arbeitsangebot, das im 20. Jh. durch kleine und mittlere Unternehmen ergänzt wurde. Seit 1943 besteht eine Postautoverbindung nach Mellingen und Wohlen, seit 1982 nach Bremgarten und Baden. Nach 1970 geriet die Gem. verstärkt in den Sog der Agglomerationen Baden und Zürich, es entstanden Neubausiedlungen sowie ein grosses Gewerbegebiet. 2005 stellten denn auch Gewerbe und Industrie 62% der Arbeitsplätze in S.


Literatur
– H. Rohr, Die Stadt Mellingen im MA, 1947, 113-307
– U. Fischer, Unser S., 1992

Autorin/Autor: Patrick Zehnder