Pfadfinder

Als Beginn der international tätigen Jugendbewegung der P. gilt das Lager für Knaben, das Robert Stephenson Smyth Baden-Powell 1907 in England durchführte und das 1910 auch für Mädchen angeboten wurde. Die Bewegung strebte die Liberalisierung der Erziehung an und stellte die Förderung des individuellen Charakters in den Mittelpunkt: Jugendliche sollten in der Gemeinschaft von Gleichaltrigen ihre individuellen, körperl., geistigen und seel. Fähigkeiten entfalten. Die Pfadfinderbewegung verbreitete sich rasch über England hinaus. 1920 fand in London mit 8'000 Teilnehmern aus 27 Ländern das erste Jamboree statt, ein internat. Treffen von P.n, das seither mehrfach wiederholt wurde. Seit 1910 (Knaben) bzw. 1911 (Mädchen) gab es auch in schweiz. Städten P. 1913 wurde der Schweiz. Pfadfinderbund (SPB), 1919 der Bund Schweiz. Pfadfinderinnen (BSP) gegründet. Kinder mit Behinderungen erhielten seit 1924 in der Pfadi Trotz Allem (PTA) die Möglichkeit, P. zu werden. 1932 schlossen sich die kath. Abteilungen der dt. Schweiz zum Verband Kath. Pfadfinder zusammen, der Teil der Pfadibewegung Schweiz (PBS) ist.

Während der Weltkriege unterstützten die P. die Armee und engagierten sich mit dem Roten Kreuz für kriegsgeschädigte Kinder. Der SPB betrachtete es als wichtige Aufgabe, Jugendliche auf den Militärdienst vorzubereiten, wehrte sich aber gegen eine rein körperl. Ausbildung und das sog. Soldatenspielen der Kadetten. Da er fürchtete, die paramilitär. Bewegung verliere ihre Selbstständigkeit, wandte er sich 1940 gegen eine Gesetzesvorlage für einen obligator. militärischen Vorunterricht. Nach deren Ablehnung nahm der SPB Einfluss auf die Gestaltung der neuen Vorunterrichtsverordnung von 1942, die den Organisationen einen grossen Spielraum liess und ein Vorläufer von Jugend+Sport war, bei dem sich die P. seit 1971 engagierten.

Die Umbrüche in der Jugendkultur der 1960er Jahre beeinflussten auch die P. Der SPB verlor ab 1968 rund 10'000 Mitglieder, erreichte Mitte der 1970er Jahre ca. 45'000 Mitglieder und blieb bis 1987 stabil. Die Mitgliederzahl der BSP stieg in den 1970er Jahren an, ging bis 1987 aber wieder auf 15'000 zurück. Im selben Jahr lösten sich die beiden Verbände auf und gründeten die Nachfolgeorganisation PBS. 2010 zählte die PBS ca. 45'000 aktive Mitglieder (25'000 Knaben, 20'000 Mädchen) und war damit die grösste Jugendorganisation der Schweiz. Den Kern bilden rund 700 lokale Pfadfinderabteilungen, die als selbstständige Vereine organisiert sind und regelmässige Übungen und Lager durchführen. Die Abteilungen gliedern sich in fünf Altersstufen (Biber, Wölfe, Pfadi, Pios, Rover) und verfügen teilweise über eigene Lokalitäten (Pfadiheime). In den Lagern werden die Ziele der P. sichtbar: Kinder und Jugendliche organisieren sich in kleineren und grösseren Gruppen, übernehmen Verantwortung für sich und für andere, versuchen mit einfachen Mitteln auszukommen und dabei sorgsam mit den natürl. Ressourcen umzugehen. In unregelmässigen Abständen werden Bundeslager mit P.n aus der ganzen Schweiz durchgeführt, letztmals 2008 in der Linthebene mit 25'000 Teilnehmern. Die Ausbildung der Leiter, die selbst Jugendliche und junge Erwachsene sind, ist national koordiniert und wird von den Kantonalverbänden organisiert. Daneben unterstützen unzählige Ehemalige in Altpfadfinderverbänden die P. auf vielfältige Weise.

Die PBS ist Mitglied der World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS) mit Sitz in London und der World Organisation of the Scout Movement (WOSM) mit Sitz in Genf. Seit 1923 bzw. 1932 befinden sich mit dem Kandersteg International Scout Centre (WOSM) und Our Chalet in Adelboden (WAGGGS) zwei wichtige internat. Treffpunkte der P. in der Schweiz.


Archive
– Zentralarchiv und Museum der PBS, Bern
Literatur
– D. Stroppel, Der Schweiz. Pfadfinderbund 1918 bis 1945, 1996
– F. Ruhl, 100 Jahre Pfadi, 2007

Autorin/Autor: Katharina Kalcsics