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Jugendherbergen

Die J.-Bewegung entstand Anfang des 20. Jh. aus dem Wunsch dt. Wandervogelgruppen, auf mehrtägigen Wanderungen preiswert und sicher übernachten zu können. Zum finanziellen Motiv kam das ideelle, innerhalb der eigenen Altersgruppe der Enge der bürgerl. Gesellschaft zumindest in der Freizeit entgehen zu können. Die erste Jugendherberge der Welt (Eröffnung 1909) war die Burg Altena im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). In der Schweiz wurde 1924 die Genossenschaft für J. Zürich (ab 1947 Verein für J. Zürich) gegründet, dessen Vorstand Vertreter versch. Jugendverbände angehörten (u.a. Wandervogel, Freischar, Pro Juventute, Abstinente Jugend). Das erste Herbergsverzeichnis (1924) enthielt Angaben über zwölf J. (Behausungen mit Kochgelegenheit und Aufenthaltsraum) und vier weitere Unterkunftsmöglichkeiten (einfache Schlafgelegenheit, Stroh- oder Matratzenlager). Im folgenden Jahr stieg die Zahl der J. von 26 (Herbst 1924) auf 53 (1925). Das erste Eigenheim in Beinwil am See konnte 1931, das zweite 1932 in Valbella (Gem. Vaz/Obervaz) eröffnet werden. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Vereine für J. in der ganzen Schweiz. Ende der 1930er Jahre verwaltete der 1927 gegr. Schweiz. Bund für J. (SBJ) als Dachorganisation den Höchststand von 208 J. Die Übernachtungstaxen betrugen damals zwischen 20 Rp. und Fr. 1.50. Eine Mitgliedschaft beim SBJ wurde anfänglich nicht vorausgesetzt. Ein Höchstalter zur Benutzung der J. gab es zunächst nicht. Weil man befürchtete, ausländ. Gäste würden die J. zu stark frequentieren, musste die Hälfte der Schlafplätze für schweiz. Gäste reserviert werden. Der Verein Schweizer J. (SJH) als Nachfolgeorganisation des SBJ besteht seit 1992, betreibt in Zürich eine Geschäftsstelle für die 58 J. und hat 95'236 Mitglieder (Stand 2008). Die schweiz. Gäste machten im Jahr 2008 55% der insgesamt 986'471 Übernachtungen aus; davon entfielen 48% auf Einzelgäste, 18% auf Gruppen, 14% auf Schulen und 20% auf Familien. Die Liegenschaften sind im Besitz der 1973 gegr. Schweiz. Stiftung für Sozialtourismus, die eng mit dem SJH kooperiert.


Quellen
– Jber. SJH
Literatur
– A. Grassl, G. Heath, The Magic Triangle, 1982, 30-33
Schweizer J., 2006

Autorin/Autor: Hans-Ulrich Grunder