• <b>Schlieren</b><br>"Vorderster Hoff des Spittals." Kolorierte Tuschzeichnung auf Pergament, Illustration von unbekannter Hand im Urbar der Spitalgüter in Schlieren, 1695 (Staatsarchiv Zürich, H I 111, pag. 1). Das von Johann Jakob Bodmer verfasste Urbar ist in einer für eine Verwaltungsquelle ungewöhnlichen Weise illustriert. Es zeigt neben einer Dorfansicht v.a. bäuerliche Liegenschaften. Der Lehenshof des Zürcher Heiliggeistspitals, im Bild dargestellt, lag an der Landstrasse Zürich–Baden unweit der reformierten Kirche (am linken Bildrand). Er umfasste zwei Mehrzweckgebäude mit Wohnteil, Futtertenne, Stall und Scheune sowie eine frei stehende Remise (rechts im Bild). Das Wasch- und Badehaus (links unten) gehörte zu den wenigen Steinbauten im Dorf.
  • <b>Schlieren</b><br>Werbeplakat für rostfreie Kannen, gestaltet vom Grafiker  Philipp Arlen,   1926 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). 1900 siedelte sich in Schlieren die Firma Aluminium Schweisswerk Schlieren an. Daraus entstand nach einem Zusammenschluss 1988 die ASSCO Engineering AG mit Sitz in Dietikon, die im Bereich Produktionstechnologie tätig ist.

Schlieren

Polit. Gem. ZH, Bez. Dietikon, links der Limmat zwischen Zürich und Dietikon gelegen. 828 Sleiron. 1634 237 Einw.; 1850 689; 1888 766; 1900 1'670; 1950 6'074; 1960 10'043; 2000 13'356. Die frühe Besiedlung des Gemeindegebiets ist durch zwei latènezeitl. Gräber, röm. Mauerreste sowie ein alemann. Gräberfeld bezeugt. 828 urkundete das Kloster St. Gallen in S. Im HochMA hatten v.a. die Habsburger, ihr Gefolgschaftsadel und Zürcher Bürger in S. Grundbesitz. Durch Käufe, Schenkungen sowie Besitzverschiebungen während der Kirchenreform wurden das Kloster Wettingen und das Zürcher Spital ab dem 13. Jh. die wichtigsten Grundherren. Die hohe und niedere Gerichtsbarkeit lag bis 1173 bei den Gf. von Lenzburg, danach bei den Habsburgern. 1259 verkauften Letztere ihren Grundbesitz und alle Rechte ausser der Hochgerichtsbarkeit an Wettingen. Das Kloster blieb bis 1798 Inhaber von Twing und Bann und der Vogtei, die eine Art mittlere Gerichtsbarkeit einschloss; die Offnung datiert um 1370. Hochgerichtlich gehörte S. 1415-1798 zur Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft der Eidgenossen.

<b>Schlieren</b><br>"Vorderster Hoff des Spittals." Kolorierte Tuschzeichnung auf Pergament, Illustration von unbekannter Hand im Urbar der Spitalgüter in Schlieren, 1695 (Staatsarchiv Zürich, H I 111, pag. 1).<BR/>Das von Johann Jakob Bodmer verfasste Urbar ist in einer für eine Verwaltungsquelle ungewöhnlichen Weise illustriert. Es zeigt neben einer Dorfansicht v.a. bäuerliche Liegenschaften. Der Lehenshof des Zürcher Heiliggeistspitals, im Bild dargestellt, lag an der Landstrasse Zürich–Baden unweit der reformierten Kirche (am linken Bildrand). Er umfasste zwei Mehrzweckgebäude mit Wohnteil, Futtertenne, Stall und Scheune sowie eine frei stehende Remise (rechts im Bild). Das Wasch- und Badehaus (links unten) gehörte zu den wenigen Steinbauten im Dorf.<BR/>
"Vorderster Hoff des Spittals." Kolorierte Tuschzeichnung auf Pergament, Illustration von unbekannter Hand im Urbar der Spitalgüter in Schlieren, 1695 (Staatsarchiv Zürich, H I 111, pag. 1).
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Die 1245 erw. Kapelle mit dem 1425 nachweisbaren Patrozinium St. Agatha war eine Filiale von St. Peter in Zürich. 1379 wurde sie mit der Mutterkirche dem Zürcher Spital inkorporiert, das von da an Zehnten und Kirchensatz von S. besass. 1498 wurde S. selbstständige Pfarrei. Die Kapelle wurde 1485 und 1713 erweitert sowie 1937 durch eine neben ihr errichtete grössere Kirche ersetzt. Mit Zürich nahm S. die Reformation an und blieb bis ca. 1850 rein reformiert. Erst S.s Entwicklung zum Industrieort führte zum Zuzug von Katholiken, die 1924 eine kath. Kirchgemeinde gründeten. Die kath. Kirche St. Joseph von 1923 wurde 1960 durch ein grösseres Gotteshaus ersetzt. Seit 1981 stellen die Katholiken von allen Religionen und Bekenntnissen den grössten Anteil an der Gemeindebevölkerung. Zu dieser Entwicklung trugen auch die vielen zugewanderten Gastarbeiter bei; 2009 lag der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung bei 43%.

1798 kam S. zum helvetischen Kt. Baden, 1803 zum Kt. Zürich. Vom Bez. Horgen wechselte es 1816 zum Bez. Zürich-Land und 1989 zum neuen Bez. Dietikon. 1974 wurde die Gemeindeversammlung durch den Gr. Gemeinderat ersetzt und S. zur Stadt erklärt, 2006 die Bürgergemeinde auf Weisung des Kantons aufgehoben.

Bis ca. 1870 blieb S. ein mit Kleinhandwerkern und wenigen Läden durchsetztes Bauerndorf. Als erster und lange einziger Industriebetrieb zog 1868 die Leimfabrik Heinrich Glättlis nach S., die 1880 von der Fam. Geistlich übernommen und schrittweise zu einem Chemieunternehmen (seit 1909 AG, seit 1999 Holdinggesellschaft) ausgebaut wurde. 1894-1900 folgte der grosse Industrialisierungsschub mit der Ansiedlung des Gaswerks der Stadt Zürich, der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik und von Unternehmen aus der Bau- und der Chemiebranche. Gross- und Mittelbetriebe dieser Sparten sowie der Metall-, Maschinen-, Textil- und Gebrauchsgüterindustrie prägten bis um 1980 S.s wirtschaftl. Gesicht. Nach der Schliessung (u.a. 1974 des Gaswerks, 1985 der Wagonsfabrik) und der Abwanderung (u.a. Sibir-Kühlapparate GmbH) vieler bedeutender Firmen überwiegen seit den 1990er Jahren kleinere und mittlere Betriebe, v.a. solche aus den Bereichen Computer- und Biotechnik und dem Dienstleistungssektor. Als Folge der wirtschaftl. Umstrukturierung verschob sich das polit. Gewicht in S. ab den 1990er Jahren von der SP und FDP zur SVP.

S. ist seit 1847 Bahnstation, seit 1900 in das lokale Verkehrsnetz der Stadt Zürich eingebunden und seit ca. 1950 ein Zentrum des regionalen Busverkehrs. Die 1971 eröffnete Autobahn A1 und zwei Hochleistungsstrassen belasteten S. 1990-2006 mit einem tägl. Durchgangsverkehr von ca. 84'000-96'000 Fahrzeugen.

Nachdem schon ab 1627 regelmässiger Schulunterricht erteilt worden war, wurde 1732 das erste Schulhaus in S. erbaut. Die Sekundarschule besteht seit 1901. S. gehört ferner dem Gemeindeverband an, der die 1993 gegr. Berufswahlschule Limmattal mit Schulen in S. und Dietikon führt. S. ist seit 1970 Standort des Limmattal-Spitals, das von 16 Gem. getragen wird. Das 1985 eröffnete Postbetriebszentrum Mülligen wurde zu einem der drei nationalen Briefzentren ausgebaut (2007 Betriebsaufnahme).

<b>Schlieren</b><br>Werbeplakat für rostfreie Kannen, gestaltet vom Grafiker  Philipp Arlen,   1926 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>1900 siedelte sich in Schlieren die Firma Aluminium Schweisswerk Schlieren an. Daraus entstand nach einem Zusammenschluss 1988 die ASSCO Engineering AG mit Sitz in Dietikon, die im Bereich Produktionstechnologie tätig ist.<BR/>
Werbeplakat für rostfreie Kannen, gestaltet vom Grafiker Philipp Arlen, 1926 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Literatur
Jahrh. von S. 1-, 1954-
Zürcher Denkmalpflege, Ber. 4, 1964/65, 95-97
– P. Nussberger, E. Schneiter, Chronik der Stadt und des Bez. Zürich, 1964
Jber. des SLM 91, 1982, 22-25

Autorin/Autor: Ursula Fortuna